Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.01.2019


Musik

Lieder zum Sitzen mit Tristesse und Schmäh

Der Vertreter des Wiener Pop feierte seine bisher zehnjährige Erfolgsgeschichte in Innsbruck. Eine Reise in die Hauptstadt.

"Und so a Spritzer is a nur a Gewässer/Aber der Neusiedlersee is größer." Alltagspoet Nino erzählt von Wiener Beislromantik. Die Themen Fußball, Tschigg und Alkohol dürfen dabei nicht fehlen.

© Gasser"Und so a Spritzer is a nur a Gewässer/Aber der Neusiedlersee is größer." Alltagspoet Nino erzählt von Wiener Beislromantik. Die Themen Fußball, Tschigg und Alkohol dürfen dabei nicht fehlen.



Von Luca Gasser

Innsbruck – Das kleine Mandl Nino aus Wien sorgte am Donnerstag für einen ausverkauften Treibhaus-Turm. Zu hören gab es alte Schmankerln und neuere vom Zehn-Jahr-Jubiläums-Album, das ebenfalls „Der Nino aus Wien“ heißt. Sein Rezept zieht er durch. In alter Troubadour-Manier schrammelt Nino einige Akkorde, die Band langweilt sich dahinter vor musikalischer Unterforderung oder fügt sich gut den niederen Ansprüchen.

Um Musik geht es nicht primär, es zählen vor allem die Texte des Wiener Liedermachers. Seine Herkunft gibt genug Stoff her. Vom Praterstern über den Stephansdom bis zum Wiener Gürtel finden viele einen Sehnsuchtsort.

Nino erzählt Geschichten, banal, charmant, urwienerisch. So zum Beispiel „Jukebox“, ein gelungener Beisl-Song über wienerische Gelassenheit, zum „Sitzen im Café“. Zwischen den Nummern murmelt er erheiternde Anekdoten ins Mikrofon, „aber wurscht, hat alles nix mit dem Lied zu tun“. In der ersten Hälfte des Konzerts stellt Nino neue Lieder vor, wie das fußballkritische „Unentschieden gegen Ried“.

„In der Pause könnt’s raus für eine Schneeballschlacht oder zum Rauchen. In der zweiten Hälfte spielen wir die Hits.“ Die lassen bis zur doppelten Zugabe auf sich warten. Das „Praterlied“ darf natürlich nicht fehlen, ein kurzer Schwank aus Ninos Leben.

In „Du Oasch“ kommt sogar der Oasch zu Wort, gesprochen von Gitarrist Raphael Sas. Der Nino aus Wien verrät schon im Künstlernamen, woraus er sein künstlerisches Kapital zieht. Die Markierung des Wienerischen funktioniert – sogar in Tirol.




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