Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 31.01.2019


Musik

„Lea Santee“: Popmusik mit Charakter

Das Duo „Lea Santee“ stammt aus Tirol, lebt in Wien und macht eingängige Songs, die auch international gut ankommen.

Sängerin Lea mit ihren Choreo-Tänzerinnen im Video zu „Wine“. Gedreht im Containerhafen Wien.

© Clemens HelldopplerSängerin Lea mit ihren Choreo-Tänzerinnen im Video zu „Wine“. Gedreht im Containerhafen Wien.



Von Marianna Kastlunger

Wien — Mit seiner leicht melancholischen Melodie, den spanisch anmutenden Akustikgitarrepassagen und dem rhythmischen Händeklatsch-Sample ist Lea Santees Titel „Wine" ein gelungener Ohrwurm. Kein Wunder also, dass sich diese Nummer seit einigen Wochen auch hohe Chartplatzierungen erkämpft.

Doch der Song ist nicht ihr erster Streich. Zuvor ließ das Pop-Duo bereits 2017 mit der Debüt-EP „Venice I", den erfolgreichen Singles „Hopeless" und „Rollin" aufhorchen sowie mit einer Nominierung bei den UK Music Video Awards als „Best Pop Newcomer". 2018 folgte eine intensive Tournee, die sie auch nach England oder Ungarn zum Sziget Festival führte. Auf Einladung von Ariel Rechtshaid, seines Zeichens Produzent von Vampire Weekend, Madonna oder Adele, flogen Lea Stöger und Manuel Hosp auch nach Los Angeles, um noch an bestehendem Songmaterial zu feilen.

Dieses ist nun auf der EP „Venice II" zu hören. „Es war eine tolle Erfahrung", schwärmen beide, „wir haben ständig gefragt, ob sie an den Songs etwas verändert hätten, doch ihre Antwort lautete Nein", sagt Hosp.

Stammt die Idee für den R'n'B-lastigen Gesangsstil in „Wine" auch aus Kalifornien? „Nein, das hat sich schon vorher ergeben", erklärt der 28-Jährige, „wir kommen aus der Indie- und Folkszene, haben aber vieles ausprobiert. Wir sind mit dem R'n'B Anfang der 2000er-Jahre aufgewachsen, mit Namen wie Justin Timberlake, TLC und Missy Elliot, und wollten ihre Qualitäten aufgreifen."

Das Duo will es eben anders als jene Produzenten machen, die für ihre Lieder stets dieselben Schemata und Samples anwenden, „das Händeklatschen bei ,Wine' stammt also von uns", fährt Hosp fort. Und: „Wer solche Effekte selbst herstellt, riskiert zwar, dass sie nicht perfekt klingen. Dafür haben sie einen persönlichen Charakter." Natürlich folge Popmusik bestimmten Regeln und Abfolgen — ein eigener Touch ließe sich aber immer einfügen, ist das Duo überzeugt.

Musik bedeutet für sie also nicht bloße Content-Produktion, sondern auch Ausdrucksform und Kunst. Die ideale Ergänzung dazu ist das Musikvideo: „Obwohl Musik heute vermehrt über Streamingdienste konsumiert wird, gehört die visuelle Komponente einfach dazu", sagt Stöger. So können sich Fans auch ein Bild zum jeweiligen Künstler machen.

Für ihre Videos haben Lea Santee meist recht konkrete Ideen im Kopf. Umgesetzt werden diese aber in Zusammenarbeit mit anderen kreativen Köpfen, die ihre Kompetenzen einfließen lassen. So übernahm Rupert Höller die Regie des Videos zu „Wine" und Matthias Helldoppler die Kameraarbeit. Letzterer ist übrigens auch Tiroler und kein Unbekannter in Sachen Musikclips. Bei „Heroes" von Conchita Wurst stand er auch bereits hinter der Kamera.

Musikvideos seien vor allem für aufstrebende Bands wichtig, die ohne Unterstützung großer Plattenfirmen unabhängig agieren. Nur so erlange man Sichtbarkeit und Reichweite. Und wie hilfreich sind hohe Chartplatzierungen? „Natürlich freuen wir uns über jede Unterstützung, vor allem von Sendern wie FM4, der sehr viel für die junge Szene tut", sagt das Duo.

Über den Support des reichweitenstärksten Senders Ö3 würden sie sich freilich auch freuen, „aber wenn man als österreichische Band nicht bei einem Major Label unter Vertrag ist, wird es schwierig", bedauert Hosp. Die lokale Musikszene habe hierzulande einen anderen Stellenwert als etwa im englischsprachigen Raum. Davon lassen sich Lea Santee allerdings nicht runterziehen, im Gegenteil. Das sympathische Duo hat sehr klare Vorstellungen zu seinem weiteren Werdegang. Dazu gehört die laufende Arbeit an neuen Songs, die sie derweil lieber als Single oder EP veröffentlichen. „Persönlich lieben wir ganze Musikalben, stöbern gerne und kaufen Platten. Ein eigenes Album ist aber leider zu teuer für eine Band unserer Größenordnung", sagt das Duo. Deshalb konzentrieren sie sich lieber auf einzelne Songs, die allerdings gut werden sollen.

Dass wöchentlich Tausende Stücke rauskommen, während die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums abnimmt, ist dem Duo glasklar. „Wir sind sehr glücklich darüber, wie es läuft", sagen beide.