Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.03.2019


Musik

Konsens zwischen Haydn und Porter

Benjamin Schmids Programm „Tribute to Didier“ nährt sich aus dem Œuvre des Jazzgeigers Didier Lockwood. Und fügt diesem eine Prise Klassik hinzu.

Benjamin Schmid (Geige) gibt den Ton an, die anderen Musiker stehen ihm aber in nichts nach.

© TLT/BrunnerBenjamin Schmid (Geige) gibt den Ton an, die anderen Musiker stehen ihm aber in nichts nach.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Sein Können wurd­e mehrfach symbolisch gewürdigt: 1979 bekam Didier Lockwood etwa die Geige von Michel Warlop überreicht, dem „Vater der Jazzvioline“ in Frankreich. Das Instrument geht traditionell von einem Geiger an den anderen über – quasi eine Art Iffland-Ring der Jazzviolonisten. Nach Stéphane Grapelli erhielt sie Lockwood.

Eine weitere Würdigung erfährt der große französische Jazzgeiger, der vor etwa einem Jahr plötzlich verstarb, nun durch ein speziell auf ihn abgestimmtes Programm, mit dem das Benjamin Schmid Jazz Quintett aktuell durch Österreich tourt. Der grandiose Auftakt fand am Donnerstagabend im Innsbrucker Haus der Musik statt.

Benjamin Schmid, quasi erster (und einziger) Geiger des Jazz Quintetts, darf im Titel seines Programms, „Tribute to Didier“ auch locker-lässig den Vornamen der Jazzikone verwenden, war er mit Lockwood doch eng befreundet. Getroffen hatten sich die beiden erstmals beim Jazzfestival in Le Mans; er selbst war gerade mal 17, Lockwood Anfang 30, erzählt Schmid. Als ausgesprochen stark nimmt man den Einfluss des jungen französischen Lehrmeisters auf seinen öster­reichischen Kollegen wahr. Und das, obwohl Schmid später nicht nur im Jazz brilliert. Auch ein riesiges Klassik-Œuvr­e schüttelt der Wiener locker aus dem Ärmel.

Die Szene honoriert diese Bandbreite: Schmid wurde als einziger Geiger für Klassik und Jazz mit dem deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet. Und auch im neuen Programm will Schmid sich zwischen den beiden musikalischen Lagern nicht entscheiden müssen. Der Jazz steht mit Kompositionen von Lockwood, aber auch Cole Porter oder Django Reinhardt natürlich im Vordergrund – trotzdem lässt es sich Schmid nicht nehmen, auch Haydn oder Paganini in die Arrangements einzuflechten.

Für den jazzigen Rückhalt setzt Schmid im Quintett auf weitere Saiteninstrumente: Martin Spitzer an der Rhythmusgitarre, Joschi Schneeberger am Kontrabass, der junge Diknu Schneeberger sowie „Special Guest“ Biréli Lagrène an den beiden Sologitarren.

Am Groove fehlt es auch ohn­e Percussion nicht, Kontrabass und Rhythmusgitarre legen gleich in den ersten Arrangements extreme Präzision vor. Sofort fällt auf, die Sets werden im Quintett zu ganz neuen Stücken. Lockwoods „Blues Forth“ und auch Cole Porters „Night and Day“ riechen zunächst gewaltig nach dunklem Jazzclub, Lockwoods „Extrasystoles“ ist in seinen schnellen Rhythmuswechseln hochdramatisch und lässt sich einfacher im großen Konzertsaal verorten. Dazu passen auch Schmids Soloeinlagen, die sanft zwischen klassischen Tonfolgen und jazzigen Modi-Wechseln changieren – die Geige wird dabei gezupft sowie gestrichen. Auch die Technik der Sologitarristen ist beeindruckend, der ältere Lagrène hat in puncto Effekte dem jüngeren Gegenpart sogar noch einiges voraus.

Die Harmonie steht bei allen Arrangements im Vordergrund. Für jeden sind Soloparts reserviert, neckisch findet man im Improvisationsteil etwa im Thema von Django Reinharts „Minor Swing“ zusammen, um dann einem klassischen Outr­o von Schmid Platz zu geben. Vielfalt schlägt Formstrenge.




Kommentieren


Schlagworte