Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.03.2019


Musik

Niemand will Kaiser Maximilian I. sein

Das Tiroler Kammerorchester liefert eine musikalische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Maximilian.

In Bernhard Ganders „maximalem Begräbnis“ erklangen auch die zwei Naturtrompeten von Thomas Steinbrucker (l.) und Martin Patscheider.

© Markus HauserIn Bernhard Ganders „maximalem Begräbnis“ erklangen auch die zwei Naturtrompeten von Thomas Steinbrucker (l.) und Martin Patscheider.



Von Markus Hauser

Innsbruck – Hand aufs Herz. Wie sehr berührt Sie der 500. Todestag von Kaiser Maximilian? Prunkvolles Leben, durch zahlreiche Kriege hoch verschuldet, werden selbst seine Qualitäten als Förderer der Künste in Frage gestellt, dienten sie doch vorwiegend dazu, die Erinnerung an seine Person und seine Familie für die Zukunft zu verewigen. Seine Idee einer gesamt­europäischen Universalmo­narchie unter einem Kaiser als weltlichem wie geistlichem Oberhaupt möchten wahrscheinlich nur die allerwenigsten realisiert wissen.

Die niveauvolle Pflege der tradierten Hofmusik allerdings hat nachhaltig zum Nachruhm des „letzten Ritters“ beigetragen und klingt bis heute wunderbar nach. Grund genug für einige Tiroler Komponisten, die Devise „Wir sind Maximilian“ auszugeben und die dem Motto verpflichteten Kompositionen im Rahmen der Konzert­reihe „KomponistInnen unserer Zeit“ am Samstagabend, exzellent interpretiert vom Tiroler Kammerorchester InnStrumenti unter der Leitung von Gerhard Sammer, im Canisianum Innsbruck zu präsentieren. Imagination war wohl die treibende Kraft, die hinter den durchwegs spannenden Zugangsweisen steckte. Die junge Tirolerin Julia Maier präsentierte sich mit dem Stück „Maxi Cosy“ für Kammerorchester, dachte dabei an einen Ausritt und lässt Maximilians Pferd melodieselig durch grüne Auen traben. Klang nach Filmmusik und ließ dabei an Bud Spencer und Terrence Hill denken.

Bernhard Gander bescherte Max ein maximales Begräbnis mit dem Titel „maximal funeral“. Das Orchesterwerk für zwei Naturtrompeten und Orchester kommt klangmächtig daher. Ein Klangspektrum von atonalen Texturen über freitonale Rhythmusostinati treibt den Leichenzug voran, ehe Max zu heftigen Geigen­glissandi und Trompetensignalen ins Grab hinunterfährt.

Erich Urbanner stellte sich die Frage „… was kann der Maximilian dafür …“ und zeigte sich als Meister, der über seine Musik szenische, räumliche und historische Dimensionen zu entfalten versteht. Im Eigenleben der Klänge ist Raum für Emotionen und für magische Momente.

Georg Graewe spielte selbst den Solopart seines neuen Klavierkonzerts und knüpft dabei an die von Albrecht Dürer gefertigten Randzeichnungen zu Maximilians Gebetbuch an. Stringent und offen zugleich, rufen sie im Hörer eine Fülle von Assoziationen hervor.

Jazzer und Frohgeist, Florian Bramböck schuf eine Ballettmusik für Blockflöte, Laute und Kammerorchester, umgesetzt von „Offtanz-Tirol“. Tief hineingehört in die Tanzmusik des Mittelalters, subtil ins Jetzt transportiert, mit Feinheit und Sorgfalt, selbst bei deutlichen Anknüpfungspunkten nie epigonal. Und wer möchte ein Maximilian sein? Auf Nachfrage keiner der Tonschöpfer. Oder, wir sind nicht Maximilian!