Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 17.03.2019


Musik

Vom hellen Klang des Osttiroler Hackbretts

Die Tradition des „Osttiroler Hackbretts“ reicht Jahrhunderte zurück. Und es gibt auch heute noch engagierte Volksmusikanten, die dafür sorgen, dass dieses Instrument nicht in Vergessenheit gerät.

Martin Weger: „Das Osttiroler Hackbrett soll nicht in Vergessenheit geraten“. Am 29. September findet nun das nächste traditionelle „Hackbrettler-Treffen“ statt.

© Chronik OberlienzMartin Weger: „Das Osttiroler Hackbrett soll nicht in Vergessenheit geraten“. Am 29. September findet nun das nächste traditionelle „Hackbrettler-Treffen“ statt.



Von Hubert Trenkwalder

Oberlienz – Es gibt sie noch, die Volksmusikanten, für die der Erhalt der lokalen Tradition mit ihrem Instrument eine Herzensangelegenheit ist. Einer davon ist Martin Weger aus Oberlienz. Und seine Leidenschaft ist das „Osttiroler Hackbrett“.

Osttirol hat, was das Hackbrett betrifft, hierzulande wohl die reichste Vergangenheit. „Von Überlieferungen her weiß man, dass beinahe jeder Tanz unter den hell klingenden Tönen dieses Instruments gedreht wurde und fast kein geselliger Abend mit Hausmusik ohne die eigenartigen Klänge des Hackbretts vorstellbar war“, erzählt Martin Weger, der kürzlich seinen Tonträger „Das Osttiroler Hackbrett – Folge 2“ veröffentlichte.

Seit mehreren Jahrhunderten hat sich in Osttirol dieses diatonische Hackbrett erhalten. Durch die entsprechende Größe des trapezförmigen Resonanzkörpers kann es sich auch bei Tanzmusikgruppen mit Bläserbesetzung klanglich durchsetzen und behaupten.

„Im Iseltal gab es immer wieder musikalisch versierte Handwerker, welche die Kunst des Hackbrettbauens erlernten und ihr Wissen weitergaben, wie zum Beispiel Peter Jester (1891–1976) aus Gwabl oberhalb von Ainet und nach dessen Tod Peter Brugger (1918–1999) aus Schlaiten. Sie sollen beide je an die 200 Hackbretter gebaut haben.

„Von Peter Brugger weiß ich aus eigener Erfahrung, dass er schon sehr genau wissen wollte, wofür man ein Brettl brauche und welche Art Musik man denn zu machen vorhabe. Ein jeder hat nicht so ohne Weiteres eine Bestellung in Auftrag geben können“, erzählt Martin Weger.

Willy Trost (1914–2005) aus Matrei in Osttirol baute so genannte „Matreier Hackbretter“, welche die Grundstimmung „C“ hatten und so gut zur „Alt Matreier Tanzmusik“ passten. Neben einigen Hobbytischlern sind es heute hauptsächlich Josef Holzer aus Gwabl, Konrad Klaunzer aus Gaimberg sowie Johann Knapp von den Weerberger Maultrommlern, die sich der Erzeugung des Osttiroler Hackbretts verschrieben haben.

Die hier erwähnten Hackbrettbauer waren auch stets bemüht, die Halbtonheber zu verbessern. Adolf Hörtnagl aus Matrei am Brenner beispielsweise gelang es, eine Walzenmechanik zu entwickeln, durch die ein „Scheppern“ der Saiten verhindert werden konnte.

Während des Zweiten Weltkrieges drohte Gefahr, dass diese lange Tradition ein Ende haben würde. Aber es gab noch einige wenige alte Musikanten, die ihr Hackbrett wieder erklingen ließen und bald interessierte sich auch die junge Generation für dieses Instrument, und so lebt das Hackbrettspiel in Osttirol weiter, nicht zuletzt auch durch den großen Einsatz von Florian Pedarnig.

„Flor“ gründete 1973 die Altstadtler, eine Tanzmusik, die in der typischen Osttiroler Tanzmusikbesetzung mit dem diatonischen Hackbrett fortan in Nordtirol aufspielte. Durch die bis heute vorbildhaften Tonaufnahmen und das musikantische Aufspielen bei unzähligen Volkstänzen und Musikantentreffen seiner Altstadtler wurde das „Osttiroler Hackbrett“ in ganz Tirol, aber auch weit darüber hinaus bekannt.

Auf seine Initiative wurde 1975 das „Iseltaler Hackbrettlertreffen“ ins Leben gerufen, wo sich nun jeden letzten Sonntag im September aller ungeraden Jahre abwechselnd in Ainet und Oberlienz Hackbrettspieler aus ganz Tirol sowie den angrenzenden Regionen treffen, um gemeinsam zu musizieren und Erfahrungen auszutauschen. „Die nächste Gelegenheit bietet sich heuer am Sonntag, den 29. September, im Kultursaal von Ainet.

Mit den Tonträgern „Das Osttiroler Hackbrett“ Folge 1 und 2 von Martin Weger gibt es nun erstmals ein Tondokument über dieses Instrument. Infos: weger.martin@gmx.at).

Und noch ein TV-Tipp: ServusTV bringt am 31.März um 19.45 Uhr im Zuge seiner Dokumentations-Reihe „Hoagascht“ eine eigene Schwerpunkt-Sendung übers Osttiroler Hackbrett.


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