Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.03.2019


Bezirk Kitzbühel

Improvisationskunst in allen Facetten

Beim St. Johanner Jazzfestival „artacts“ präsentierten sich atemberaubende Einspringer.

Villy Paraskevopoulos (Piano), Uli Winter (Cello) und Perkussionist Fredi Pröll am Samstag in der Alten Gerberei St. Johann.

© Dawid LaskowskiVilly Paraskevopoulos (Piano), Uli Winter (Cello) und Perkussionist Fredi Pröll am Samstag in der Alten Gerberei St. Johann.



Von Christoph Haunschmid

St. Johann – Wenn sich die Skisaison dem Ende zuneigt, steigt in der Alten Gerberei in St. Johann mittlerweile bereits zum 19. Mal „artacts“, das „Festival for Jazz and Improvised Musi­c“. 14 ausverkaufte Konzerte, ein aufmerksames und applausfreudiges Publikum und glänzend disponierte Musiker und Musikerinnen sorgen für beste Stimmung.

Dabei ist den Veranstaltern der Titelheld abhandengekommen. Den deutschen Posaunisten Conny Bauer, der auch das Programmheft ziert, hatte die Grippe erwischt. Sein Bruder, der Bassist Matthias, sprang ein und spielte als erstes Konzert ein poetisches Duo mit dem griechischen Klarinettisten Floros Floridis. Vor allem wenn Floridis zur Bassversion seines Instruments greift, wird der Austausch profund und befruchtend. Ein weiterer Grieche, der Pianist Villy Paraskevopoulos, hat sich mit zwei Musikern aus dem oberösterreichischen Ulrichsberg zusammengetan. Mit dem Cellisten Uli Winter und Drummer Fredi Pröll entwickelt er faszinierende Kammermusik, die aus dem Augenblick schöpft, uns Geschichten vom Herkommen und vom Verschwinden erzählt. Manchmal ist auch das Schweigen die Antwort, da wird dann die Szene den Partnern zum sinnreichen Dialog überlassen.

Auch am Samstag musste einer einspringen. Martin­a Cizek war erkrankt und der junge Jakob Gnigler blies dann das Tenorsaxofon im Verbund mit der Flötistin Angelika Ertel und der Klavierspielerin Sylvia Bruckner. Ruhig und entspannt gingen die drei es an, ein gewaltiger Spannungsbogen wird gebaut, atemberaubend in seiner Dichte und Transparenz.

Es gab auch ganz andere Sounds. Klänge vom Rand der Galaxie mit dem Quartett The Elks oder ruppig Punkiges mit BIC. Den Samstag beschloss noch eine Legende des Freejazz: Der fast 80-jährige Joe McPhee traf auf das norwegisch-amerikanische Trio The Universal Indians. Da wird in der Mythenkiste des Jazz gewühlt, an Albert Ayler erinnert, Ornette Coleman zitiert. Das ist Musik, die nie Patina ansetzt, die in ihrer Energie und Schönheit zeitlos ist.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.