Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.04.2019


Musik

Lizzo erfindet sich neu: Verschwestertes Wohlbefinden

Lizzo wechselt mit „Cuz I Love You“ zu einem Major-Label. Und entdeckt ihren Körper und ihre Stimme neu.

Lizzo steht selbstbewusst gegen Pop-Klischees ein. Ihre großartige Musik verschafft ihr Gehör.

© Warner MusicLizzo steht selbstbewusst gegen Pop-Klischees ein. Ihre großartige Musik verschafft ihr Gehör.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Es ist ja nichts Neues, dass ein weiblicher Akt auf dem Cover eines Albums prangt. Newcomerin Lizzo zeigt sich auf ihrem dritten Album ebenso nackt. Vor allem aber selbstbewusst nackt, denn die 30-jährige Rapperin entspricht nicht den gängigen Standards der Pop-Industrie. Das interessiert Lizzo aber herzlich wenig. Mit einer gehörigen Portion Body Positivit­y geht sie gegen Klischees und Schubladendenken vor. Und die großartige Musik auf ihrer heute erscheinenden Platte „Cuz I Love You“ verleiht ihr dabei das nötige Gehör.

Das elf Stücke starke Album ist ihr Debüt bei einem Major-Label. Vorher hatte Melissa Jefferson alias Lizzo vor allem Rap gemacht, erste Stücke waren noch ziemlich „Ghetto“, erzählt die 30-Jährige in einem Interview. Im Stile großspuriger männlicher Vorbilder rappte sie in „Lizzobangers“ (2014) oder „Big GRRRL Small World“ (2015) etwa über ihre Rolle als Frau im Rap.

Mit der Single „My Skin“ auf ihrem 2015er-Album schrieb die US-Amerikanerin den ersten Song über ihren Körper und auch darüber, dass sie eben so ist, wie sie ist. Online ließ sie folgen: „Ich mache jetzt nur noch positive Musik, und wenn du das dämlich findest, stimmt etwas nicht mit dir.“

Diese Einstellung hat sich Lizzo auch für ihr aktuelles Werk bewahrt: Body Positivit­y und Solidaritätsbekundungen mit anderen Frauen stehen im Zentrum. Erst kürzlich verschwesterte sie sich beim Coachella-Festival mit Kollegin Janelle Monáe, für ihr Album leierte sie gar eine Kooperation mit der legendären Rapperin Missy Elliott an. Lizzo reiht sich damit in die Riege jener Musikerinnen, die ein Umdenken in die Popkultur einschreiben; verweist Lizzo mit ihrem viel verwendeten „big grrrl“ doch auch auf die US-amerikanische, feministische Punk-Bewegung der „Riot Grrrls“, die sich in den frühen Neunzigern gegen männliche Vorherrschaft in der Musikszene auflehnte.

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Popmusikalische Vorreiterinnen wie Missy Elliott fungieren auch als Vergleich mit Lizzo. Doch auch wenn „Tempo“ (das aktuelle Duo der beiden) noch Hip-Hop-Sprache spricht, ist der Rest von Lizzos neuer Platte soulig und durchwegs guter Pop. Als Beweis höre man „Juice“ oder das frech großkotzige „Cuz I Love You“.

Allerorts lauern schmetternde Bläsersätze, fette Riffs und eine umwerfend intensiv­e Stimme, die bei Lizz­o bisher ungehört blieb. Obwohl – Prince engagierte Lizzo 2014 als Sängerin für sein Album „Plectrumelectrum“. Dass die Musikikone auf die junge Rapperin abgefärbt hat, zeigt sich nicht zuletzt an der stilistischen Bandbreite der neuen Songs. In „Jerome“ oder „Cry Baby“ geht der Soul des Exzentrikers Prince um. „Cuz I Love You“ ist Partymusik mit Wohlfühlgarantie.

Pop/Soul Lizzo: Cuz I Love You. Warner Music.