Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.04.2019


Musik

Norah Jones: Zurück in sieben neuen Facetten

Norah Jones wagt mit dem Album „Begin Again“ den Neuanfang.

Norah Jones hatte für ihre Erfolgsalben Anfang der Nullerjahre bereits neun Grammys abgestaubt.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Imago</span>

© imago stock&peopleNorah Jones hatte für ihre Erfolgsalben Anfang der Nullerjahre bereits neun Grammys abgestaubt.Foto: Imago



Innsbruck – Es war still geworden um die neunfache Grammy-Gewinnerin. Am Anfang ihrer Karriere hatte Norah Jones noch quasi alle zwei Jahre wirklich erfolgreiche Alben rausgehauen. Und brachte Jazzklänge in die aktuellen Charts. Für „Come Away With Me“ (2002), „Feels Like Home“ (2004) sowie „Not Too Late“ (2007) sahnte Jones zudem alle verfügbaren Musikpreise ab. Ohne dabei einem bestimmten musikalischen Trend zu folgen. Umso überraschender, dass Jones sich jetzt mit der EP „Begin Again“ und einer halben Stunde neuer Musik zurückmeldet, die klar auf bestimmte Tendenzen reagiert. Auf das in Zeiten von Streaming schon längst totgesagte Albumformat verzichtet Norah Jones, stattdessen veröffentlicht sie eine Platte mit sieben Songs mit neuen Facetten, die eigentlich kein Konzept erkennen lassen. Es ist vielmehr ein Potpourri an Experimenten, die die Sängerin seit ihrem letzten Album „Day Breaks“ (2016) im Studio realisierte. Und teilweise als Singles bereits veröffentlichte.

Darunter etwa der Opener „My Heart is Full“, ein minimalistisches Fragment, in dem die charakterstarke Stimme der 40-Jährigen über einem pochenden Beat wellenförmig dahinschwimmt. Ebenso der Johns’schen Klangwelt (bisher) fremd scheint der finale Song „Just a Little Bit“, der mit Trip-Hop-Elementen aufwartet. „Begin Again“ ist auch als Song ein klares Statement, der ungewöhnlich hart klingt.

Erst bei „It Was You“ und dem durch die Slide-Gitarre wunderbar verkitschten „Wintertime“ ist Jones wieder ganz im bekannten Klangspektrum angekommen. Mit „A Song With No Name“ taucht Jones dann kurz in den Folk ab, „Uh Oh“ nennt Jones ihren Ausflug in den R’n’B. Scheint so, als ob die Sängerin sich ausprobieren möchte. Weil sie es kann. Man ist gespannt, für welchen Weg sie sich entscheidet. (bunt)

Jazz/Alternative Norah Jones: Begin Again. Blue Note Records