Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.05.2019


Tirol

Landecker Festwochen: Farbige, vitale Horizont-Erweiterung

Flötenvirtuose Karl-Heinz Schütz und das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti in Landeck und Innsbruck.

Das Kammerorchester InnStrumenti und Solist Karl-Heinz Schütz eröffneten am Samstagabend das Landecker Festival horizonte.

© ZangerlDas Kammerorchester InnStrumenti und Solist Karl-Heinz Schütz eröffneten am Samstagabend das Landecker Festival horizonte.



Von Ursula Strohal

Landeck, Innsbruck – Die Landecker Festwochen horizonte bieten, wie berichtet, bis Mitte Juni musikalische Gegensätze. Ihr Gestalter Karl-Heinz Schütz, Tiroler Soloflötist der Wiener Philharmoniker, spannt einen Bogen vom Schlager bis zur Klassik und stellte sich zum Auftakt gleichsam selbst als Solist zur Verfügung. Das festliche Land­ecker Eröffnungskonzert mit dem Tiroler Kammerorchester InnStrumenti vergangenen Samstag eröffnete auch das fruchtbare Networking der Beteiligten: Das horizonte-Konzert wurde nur elf Stunden später als Sonntagsmatinée der InnStrumenti-Aboreihe im Haus der Musik Innsbruck wiederholt.

Hier wuchs das Echo der Begeisterung aus dem Oberland wieder zum O-Ton an. InnStrumenti in guter Verfassung, unter ihrem Dirigenten Gerhard Sammer und Schütz immer neu ein Erlebnis. Das „Concierto Pastoral für Flöte und Orchester“ des Spaniers Joaquín Rodrigo ist ein mitreißend geschriebenes Werk von 1978, das Schütz mit seinem unvergleichlich schönen, variablen Ton zum Leben erweckte. Sein Spiel ist von natürlicher Poesie und in der Perfektion jenseits der Diskussion, in diesem Fall zeigte er auch Humor. Wo das Tempo rast wie im ersten Satz, erreicht er ohne Hektik musikalische Gestalt bis zur feinsten Verästelung. Im großen Atem der Musik und in den Dialogen dieser konventionellen Partitur voll Wärme, südlichem Temperament und Naturklang wendet sich Schütz den Kollegen im Orchester zu, dem Trompeter, dem Klarinettisten, der Oboistin bzw. Englischhornistin (der er später seine Blumen überreicht).

Solist Karl-Heinz Schütz.
Solist Karl-Heinz Schütz.
- Zangerl

Das an den meisten ersten Pulten mit bekannten Solisten besetzte Orchester ging animiert auf Schütz’ klingende Angebote ein. Gerhard Sammer, präsent und umsichtig, hatte mit Emmanuel Chabriers „Suite pastorale für Orchester“ eine ideale Vorübung angesetzt: Stücke voller rhythmischer Finessen und Farben, die höchste Aufmerksamkeit fordern.

Nach der Pause nichts Geringeres als Wolfgang Amadeus Mozarts Jupiter-Symphonie, C-Dur, Nr. 41. Die Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit dieser unter tiefer Depression entstandenen Musik, die Lyrik im Zusammenklang, die harmonischen Übergänge und Betonung von Melodien und Linien, das und viel mehr ist gerade hier schwierig zu erreichen. Dem Orchester, engagiert, stilistisch zurückblickend und mit Naturtrompeten, gelang in Summe ein staunenswert achtbarer vierter Satz. Eine Symphonie zum Reifen.