Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.06.2019


Kufstein

Kaiser Max macht‘s möglich: Vier Chöre sangen auf der Festung Kufstein

150 Knaben- und Männerstimmen wurden für ein fulminantes Fest für Kaiser Maximilian I. mit Musik aus fünf Jahrhunderten auf der Festung Kufstein aufgeboten.

Ein außergewöhnliches Bild: Sänger von vier der renommiertesten Knabenchöre singen gemeinsam auf der Festung Kufstein „Innsbruck, ich muss dich lassen“.

© OtterEin außergewöhnliches Bild: Sänger von vier der renommiertesten Knabenchöre singen gemeinsam auf der Festung Kufstein „Innsbruck, ich muss dich lassen“.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Besser hätten es das Kufsteiner Kulturreferat und Kulturbeauftragter Bernhard Sieberer nicht erwischen können. Der Samstag war der erste einigermaßen laue Sommerabend und so wurde den Zuhörern des 6. Abonnementkonzertes in der Festungsarena äußerlich nicht (besonders) kalt. Und innerlich wärmten ohnedies die professionellen Knaben- und Männerstimmen von vier der bekanntesten Chöre dieses Genres: die Wiener Sängerknaben (Leitung: Oliver Stech), die Wiltener Sängerknaben (Leitung: Johannes Stecher), die Regensburger Domspatzen (Leitung: Kathrin Giehl) und die Männerstimmen der Augsburger Domsingknaben (Leitung: Stefan Steinemann).

Den Kufsteinern war ein bemerkenswertes Kunststück gelungen: Sie holten für das „Fest für Maximilian“ anlässlich seines 500. Todestages diese Ensembles gleichzeitig auf die Bühne. Und wo hätte dieses musikalische Großereignis auch besser stattfinden können als auf der altehrwürdigen Festung? Immerhin waren ihre Gewölbe die Ziele von Maximilians bekannten Kanonen gewesen. Aber der Kaiser war mehr als nur Feldherr, er war auch Gönner der Künste. So wurden die Wiener Sängerknaben von ihm gegründet.

In Kufstein erklang dann auch Musik aus der Zeit von Kaiser Maximilian, wie die Trauermotette anlässlich seines Todes – aber nicht nur. Die jungen Herren auf der Bühne und ihre Leiterin bzw. ihre Leiter legten den Kufsteinern einen Stilmix vor, der nicht nur ihnen eine gewisse Flexibilität abverlangt.

Da war schnelles Umdenken gefragt: Vom 16. Jahrhundert folgte der Sprung ins 20. Jahrhundert samt Boogie-Woogie. Oder von Robert Schumanns „Zigeunerleben“ ging es wieder zurück zu Heinrich Isaacs „Innsbruck, ich muss dich lassen“. Letztes von allen Knaben und jungen Männern gemeinsam gesungen – ein beeindruckendes Klangerlebnis mit einer beeindruckenden stimmlichen Präsenz der teils nur knapp zehn Jahre alten Chormitglieder. Wie sie zeigten, gehören sie nicht umsonst zu den renommiertesten Ensembles unter den Knabenchören. Dieser Verpflichtung war man sich hör- und sichtbar bewusst. Disziplin und Qualität zeichnen die überaus musikalischen Sänger aus, jeder wusste immer, wo sein Einsatz im Stück und sein Platz auf der Bühne war. Und welcher der Chorleiter (bzw. Chorleiterin) auch gerade dirigierte: Es wurden die Vorgaben gewissenhaft und voll konzentriert aufgenommen.

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Dabei war zugleich viel Bewegung auf der Bühne. Man sang in den verschiedensten Zusammensetzungen: Die Wiener mit den Tirolern, die Regensburger mit den Augsburgern oder abwechselnd mit ihren österreichischen Kollegen und eben auch alle zusammen. Das ebenfalls gemeinsam gesungene Volkslied „Singen is insa Freid“ passte wohl am besten zu ihrem Lebensmotto.

Zuletzt war das Publikum eingeladen, bei einem afrikanischen Volkslied mitzusingen. Ein Gag, der von den begeisterten Zuhörern gerne mitgemacht wurde. So geriet das Fest für Maximilian zur Werbeveranstaltung für den Chorgesang, weil hier echte (auch junge) Profis am Werk waren.