Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.06.2019


Musik

Klingende Geschichte aus allen Zeiten

Die Innsbrucker Abendmusik feiert in der kommenden Saison die Lust am Fabulieren.

Das Ensemble Oni Wytars widmet sich im Rahmen der „Abendmusik“-Konzertreihe der neapolitanischen „Erzählung der Erzählungen“.

© ŠimkovicováDas Ensemble Oni Wytars widmet sich im Rahmen der „Abendmusik“-Konzertreihe der neapolitanischen „Erzählung der Erzählungen“.



Innsbruck – Giambattista Basiles in den 1630er-Jahren als „Erzählung der Erzählungen“ erschienene Sammlung süditalienischer Volksmärchen ist nichts für allzu zart Besaitete. Die Geschichten handeln von geschundenen Alten und grotesk großen Flöhen, von derben Gelagen und ziegengesichtigen Zeitgenossen. Das 1983 gegründete Ensemble Oni Wytars spürt in seinem aktuellen Programm den sagenumwobenen Geschichten von Basiles so genanntem „Pentameron“ nach. Mit aus der mediterranen Volkstradition gespeisten Kompositionen aus dessen Entstehungszeit, mit ekstatischen Tarantellen und wilden Villanellen zum Beispiel. Im Rahmen der kommenden Spielzeit der Innsbrucker Abendmusik gastiert das Ensemble am 24. Oktober im Vier und Einzig in der Haller Straße.

Eröffnet wird die Abendmusik-Saison, die sich ganz der Lust am Fabulieren verschrieben hat, am 22. September im Dom zu St. Jakob mit einem literarischen Schwergewicht: Elam Rotem und sein Vokalensemble Profeti della Quinta nehmen sich des Romans „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann an. Dabei erlaubt sich die auf Alte Musik spezialisierte und von Peter Waldner kuratierte Konzert­reihe sogar einen seltenen Schwenk ins Zeitgenössische: Rotem komponierte sein Oratorium 2013.

Insgesamt bietet die Innsbrucker Abendmusik 2019/20 10 Abo-Konzerte, drei Vorkonzerte mit heimischen Nachwuchsmusikern sowie die inzwischen traditionellen Orgelreisen an. Jahresregent Maximilian I. steht als „Kaiser, der die Musik liebte“ im Zentrum eines Kinderkonzertes am 15. November. (jole)