Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.07.2019


New O‘Lienz Jazztage

„Denn Jazz ist nicht elitär, Jazz ist ein Lebensgefühl“

Die vierten New O’Lienz Jazztage werfen ihre Schatten voraus. Die Osttiroler Big Band Jazzwecan lädt zu einem zweitägigen Musikfest.

TubAffinity, der Mönch mit der Tuba, eröffnet die New O’Lienz Jazztage 2019.

© TubAffinityTubAffinity, der Mönch mit der Tuba, eröffnet die New O’Lienz Jazztage 2019.



Lienz – Die Lienzer Jazztage haben sich vom Geheimtipp zu einem kleinen, aber feinen Festival entwickelt. „Wir versprechen dem Publikum ein unkonventionelles Programm mit herausragenden Künstlern“, kündigt Andreas Bergmann an. Bergmann hat die Osttiroler Big Band Jazzwecan gegründet, die für die Jazztage verantwortlich zeichnet.

Am Freitag, 19. Juli, eröffnet der Solokünstler TubAffinity um 20.30 Uhr im Festsaal des Gymnasiums mit einer eigenen musikalischen Welt. Ein tubaspielender Mönch, der nur eins im Sinn hat: gar nichts. Nach vielen Jahren im autoritären System der „Malen nach Zahlen“-Musik bricht er aus. Umsetzen tut er dies als One-Man-Band mit Beatbox, fetten Synthies, seelischen Voiceovers und seinem Allerwertesten (der Tuba).

Die heimische Big Band Jazzwecan lädt wieder zu einem Brunch auf den Lienzer Johannesplatz.
Die heimische Big Band Jazzwecan lädt wieder zu einem Brunch auf den Lienzer Johannesplatz.
- JazzWeCan

Dagegen scheint der Brunch am Samstagvormittag am Lienzer Johannesplatz schon fast traditionell. Die Veranstalter Jazzwecan erwecken Evergreens zum Leben und würzen bekannte Melodien und Klänge mit Soloeinlagen. Ein Open-Air-Event als perfekter Start in ein entspanntes Wochenende, meint Bergmann – gutes Wetter vorausgesetzt.

Um 19.30 Uhr betritt das Tiroler Duo Low Potion die Bühne im Gymnasium. Der Schlagzeuger, Soundbastler und Komponist Chris Norz und seine Duo-Partnerin und Sängerin Anna Widauer, größtenteils für Melodien und Texte zuständig, inszenieren auf virtuose Weise das Stilmittel der Gegensätze. Laut und leise treffen in den Songs aufeinander, tiefe Bässe reiben sich mit der hohen Stimme, sanfte Passagen werden von Brachialem verdrängt, weltgewandtes Englisch kollidiert mit vermeintlich provinziellen Dialektelementen.

Im Anschluss spielt das Big Band Mega Mereneu Project auf. In diesem sind einige der besten Musiker Österreichs um den brasilianischen Komponisten und Multiinstrumentalisten Emiliano Sampaio versammelt. Das neue Album „Music for small and large Ensembles“ entstand mit Beiträgen von Schriftstellern, Sängern und Poetry Slammern.

„Jeder Interessierte soll die Konzerte erleben können, deshalb bitten wir nur um freiwillige Spenden“, erklärt Bergmann. „Jazz ist nicht elitär, sondern ein Lebensgefühl.“ Jazzwecan trete auch an, um dem Publikum die Scheu vor vermeintlich schwieriger Musik zu nehmen. Ohne die Unterstützung zahlreicher Kooperationspartner seien die Jazztage jedoch nicht finanzierbar. (TT, bcp)