Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.07.2019


Innsbruck

Stimmliche Höhenflüge bei den Festwochen der Alten Musik

Die Festwochen der Alten Musik gehen in ihr 43. Jahr. Intendant Alessandro De Marchi verheißt „großes Barockopernkino“ samt neuem Orchester.

Viele Hände helfen zusammen. Countertenor David Hansen bei der ersten Kostümanprobe für die Rolle des Epitide in der Oper „Merope“.

© CaballeroViele Hände helfen zusammen. Countertenor David Hansen bei der ersten Kostümanprobe für die Rolle des Epitide in der Oper „Merope“.



Innsbruck – Der Auftakt wird sicher angenehm warm, je nach Wetter vielleicht sogar heiß. Das garantiert schon der Veranstaltungsort. Mit dem ersten von vier Schlosskonzerten beginnt am Dienstag im schönen und mitunter schwülen Ambiente des Spanischen Saals auf Schloss Ambras der Veranstaltungsreigen der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2019.

Es ist bereits die 43. Auflage dieser fest etablierten Werkschau mit Schwerpunkt Barockmusik. Knapp drei Millionen Euro wurden budgetär veranschlagt. 10.000 Karten gingen in den Verkauf.

Die Ambraser Schlosskonzerte (vom 16. Juli bis 6. August, immer dienstags) stimmen auf die offizielle Festwochen-Eröffnung am 7. August ein. An diesem Tag feiert die Oper „Merope“ Premiere im Landestheater, unter der musikalischen Leitung von Festwochenchef Alessandro De Marchi. Der verspricht nicht weniger als „großes Barockopernkino“.

Komponist Riccardo Broschi hat „Merope“ Anfang des 18. Jahrhunderts für seinen Bruder, den berühmten Kastratensänger Farinelli, geschrieben. Dieser wurde als Bub einem chirurgischen Eingriff unterzogen, um seine Knabenstimme zu bewahren. Ein Schicksal, das Farinelli mit vielen weiteren Sängern seiner Zeit teilte.

Heute übernehmen Countertenöre die Partien der Kastraten von einst. Durch eine spezielle Stimmtechnik gelingen ihnen höchste, für Männer ungewöhnliche Töne.

Der Australier David Hansen, ein Star unter den Countertenören, ist in der Innsbrucker „Merope“ als Epitide zu hören, jener Rolle, die bei der Uraufführung 1732 von Kastrat Farinelli gesungen wurde. Mit Hagen Matzeit findet sich noch ein zweiter Countertenor auf der Besetzungsliste.

Regie führt die Belgierin Sigrid T’Hooft, eine Spezialistin für Alte Opern. Auf Fachleute für Alte Musik setzt auch Dirigent De Marchi bei den Musikern. Erstmals bringt er in „Merope“ das Innsbrucker Festwochenorchester zum Einsatz. Diese Auswahl aus regionalen und internationalen Musikern, darunter solche aus De Marchis Orchester Montis Regalis, sollen zur fixen Einrichtung werden. Groß sind jedenfalls Vorfreude und auch die Erwartungen. Die Proben sind angelaufen.

Mit Georg Friedrich Händels „Ottone“ (als Open Air im Innenhof der Theologischen Fakultät, ab 18. 8.) und „La Dori“, einer Tragikomödie von Pietro Antonio Cesti (ab 24. 8.), stehen zwei weitere Opern auf dem Programm.

Apropos Cesti. Der Innsbrucker Hofkomponist des 17. Jahrhunderts ist Namensgeber des Cesti-Wettbewerbs für junge Sängerinnen und Sänger barocker Arien. Heuer wird dieser Contest zum zehnten Mal ausgetragen. Das Finalkonzert findet am 8. August statt (Haus der Musik).

Was es sonst noch gibt? Konzerte für viele Geschmäcker (darunter auch zur Mittagszeit im Hofgarten), Sakrales, sogar Flamenco, Musik aus der Zeit Kaiser Maximilians I. (daran kommt heuer, 500 Jahre nach dem Tod des Habsburgers, niemand vorbei) und vieles mehr.

Noch gibt es Tickets. Und manche Veranstaltungen sind gratis. (mark)