Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.08.2019


Innsbrucker Festwochen

Ein freudvoll heiteres Spektakel zum Schluss

Countertenor Bejun Mehta und das Barockorchester „La Folia“ sorgen für ein großartiges Finale der Innsbrucker Festwochen 2019.

Gestatten: Cäsar und Cleopatra. Sänger Bejun Mehta (links) und Violinist Robin Peter Müller präsentieren sich als großartige Ton-Künstler mit ausgeprägtem Talent zum Entertainer.

© Felix PirkerGestatten: Cäsar und Cleopatra. Sänger Bejun Mehta (links) und Violinist Robin Peter Müller präsentieren sich als großartige Ton-Künstler mit ausgeprägtem Talent zum Entertainer.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Der römische Imperator Julius Cäsar und die ägyptische Königin Cleopatra. Beider Techtelmechtel, eine Mischung aus amourösem Höhenrausch und aalglattem Machtdenken, hat Komponist Georg Friedrich Händel als Opernstoff aufgegriffen. „Giulio Cesare in Egitto“ (Julius Cäsar in Ägypten) wurde 1724 in London uraufgeführt. Die vertonte Liebelei am Nil war auf Anhieb ein Knüller.

Fast 300 Jahre später kommt eine Vierhundertschaft von Konzertgästen im nahezu ausverkauften Haus der Musik zu Innsbruck in den Genuss von Auszügen aus diesem Werk. US-Countertenor Bejun Mehta, ein Verwandter von Dirigent Zubin Mehta, reißt mit Arien aus besagter Händel-Oper das Publikum von den Sesseln.

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik gehen mit Mehtas Gastspiel zu Ende, ein denkbar würdiger Abschluss der heurigen Veranstaltungsreihe. In dieser hatten schon einige sagenhaft gute Countertenöre (Männer, die mithilfe spezieller Technik in den Stimmlagen von Frauen singen) ihre großen Auftritte: David Hansen in der Oper „Merope“ beispielsweise oder Valer Sabadus auf den Spuren des barocken Kastraten Farinelli bis hin zu Mehta am Dienstagabend. Stars ihres Fachs sind sie allesamt.

Doch zurück zur antiken Vorlage. Bei aller Machtgier war Cäsar auch nur ein Mann. Den Verlockungen Cleopatras, die ihn zum Lover und Verbündeten auserkor, verfiel er bäuchlings. In Händels Cäsar-Arien bildet sich das Spektrum menschlicher – manche werden einwerfen: typisch männlicher – Gefühlswelten ab: gockelhaft selbstbewusst, zum Angriff bereit, Unsicherheit mit Trotz überspielend, dabei aber doch so fragil und zerbrechlich. In der Arie „Dall’ondoso periglio/Aure, deh, per pietà“ bringt Mehta Cäsars Schmachten nach der Geliebten dermaßen ausdrucksstark herüber, dass die besungene Sehnsucht knisternd den ganzen Saal erfasst. Unfassbar schön.

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Doch ist dies kein Konzert der Schwermut, im Gegenteil. Das mit einem Wort großartige Barockorchester La Folia unter Konzertmeister und Soloviolinist Robin Peter Müller ergänzt Händels Arien mit passenden barocken Einschüben, von Vivaldi bis Telemann. Peppig, feurig und freudvoll, ohne die Präzision aus dem Auge zu verlieren.

Es darf gelacht werden bei diesem konzertanten Spektakel – und es wird. Sänger Mehta und Geiger Müller necken einander, sie ahmen den Flirt des Herrscherpaares Cäsar/Cleopatra nach, der eine das Echo des anderen, so viel Spielwitz, so viel ansteckender Spaß an der Musik.

Nach mehr als zwei formidablen Stunden samt Zugabe will die Zuhörerschaft Mehta, Müller und Co. gar nicht gerne in den Feierabend entlassen. Doch soll man nicht unbescheiden sein. Eine derartige Fülle an barocker Pracht wird nicht jeden Tag serviert. Bitte mehr davon in kommenden Programmen.