Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.09.2019


Musik

Folkpop trifft Fanliebe: Einmal Kelly, immer Kelly

Michael Patrick Kelly konzertierte am Mittwoch in der Arena Wien und machte alte wie neue Fans glücklich.

Michael Patrick Kelly.

© www.imago-images.deMichael Patrick Kelly.



Von Barbara Wohlsein

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Wien – Teenieschwarm, Mönch, Fernsehstar – die Biografie von Michael Patrick Kelly klingt nach einem etwas überdramatischen Sonntagabendfilm. 25 Jahre ist es her, dass die Kelly Family mit „An Angel“ ihren Durchbruch hatte und zur erfolgreichsten deutschen Band der 1990er wurde. „An Angel“ schrieb „Paddy“, wie man ihn damals nannte, im Alter von 15 Jahren. Nach dem Ende der Band lebte Kelly sechs Jahre lang in Klöstern in Frankreich und Belgien, 2010 trat er aus dem Orden aus und begann seine Solokarriere als Musiker. Der (zweite) große Erfolg kam 2017, als er an der quotenstarken VOX-Show „Sing meinen Song“ teilnahm, die er heuer sogar moderierte.

Die verschiedenen Lebensphasen zeichnen sich auch im Publikum des Wien-Konzerts in der Arena ab: Die ersten Reihen sind immer noch dicht von weiblichen Fans bevölkert, die sich trotz des neuen, erwachsenen Namens ihres Lieblings nicht davon abhalten lassen, vor Beginn des Konzerts „Paddyyyyyyy“ zu rufen. Einmal Fan, immer Fan. Weiter hinten stehen Familien mit Kindern, junge Pärchen, sogar Pfarrer sind gekommen. MPK, wie man ihn heutzutage abgekürzt nennt, hat sich in den letzten Jahren neu erfunden und das Ergebnis kommt gut an.

Er habe seine rockige Seite in der Kelly Family nie ausleben dürfen, erzählt Kelly dem Wiener Publikum. Das kompensiert er vor allem zu Beginn des Konzerts mit klassischen Rockerposen, die rein optisch gut zu den aufgerissenen schwarzen Skinny Jeans und der Lederjacke passen, die er trägt. Das Ganze wirkt etwas aufgesetzt, doch die Lederjacke landet zum Glück schon nach dem ersten Song im Eck. Authentisch und gut ist Michael Patrick Kelly dann, wenn er eine Gitarre in der Hand hat und das spielt, was er wirklich kann – irisch angehauchten Folkpop und lupenreine Balladen wie „Roundabout“.

Dass MPK Menschen mag, zeigt er vor allem in der zweiten Konzerthälfte: Nach „Flag“ werden alle mitgebrachten Flaggen und Nationalitäten geduldig aufgezählt und durchgefragt, die am weitesten Gereisten werden sogar mit einem exklusiven Selfie belohnt. Für das Crowdsurfen müssen dann alle ein bisschen zusammenrücken – „danke fürs Ertragen und fürs Kneifen“, grinst Kelly danach. Gegen Ende macht er noch eine komplette Runde durchs Publikum, schüttelt Hände, sagt auch den Rollstuhlfahrern auf der Rampe Hallo.

Sein neuestes Herzens­projekt in Österreich ist eine Friedensglocke, die er aus alten Waffen schmieden will. Dafür gibt es derzeit ein Crowdfunding. Die aktuelle Fernseh-Popularität setzt er bewusst ein, um Gutes zu tun. Dass MPK in erster Linie immer noch Musiker ist, bezweifelt nach gut zwei Stunden Konzert ohne Durchhänger niemand. Und über das einzelne Stofftier, das auf die Bühne fliegt, kann er heutzutage zum Glück lachen: „Oh, das hatten wir schon lange nicht mehr. Wenn’s bei einem bleibt, okay.“