Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.10.2019


Innsbruck

Voll Elegie und Lebensfreude im Haus der Musik

Wunderbarer Bach mit Antoine Tamestit und Masato Suzuki im Haus der Musik Innsbruck.

Antoine Tamestit (im Bild) eröffnete mit Masato Suzuki im Haus der Musik die Saison der Innsbrucker Kammermusikreihe.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: A. T. Birkenholz</span>

© Antoine Tamestit (im Bild) eröffnete mit Masato Suzuki im Haus der Musik die Saison der Innsbrucker Kammermusikreihe.Foto: A. T. Birkenholz



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Wie ein Nachschlag zur Festwoche der Alten Musik eröffnete Mittwoch Abend das Duo Antoine Tamestit/Masato Suzuki die Saison der Innsbrucker Kammermusikreihe – die sich dem vorklassischen Repertoire ja nicht verschließen muss.

Das neue Projekt des französischen Bratschisten, der Johann Sebastian Bachs Gambensonaten seinem Instrument anvertraute, wurde zu einem ebenso tiefsinnigen wie unterhaltsamen, qualitativ höchstrangigen Erlebnis. Die drei Werke in G-Dur, D-Dur und g-Moll kommen in ihrem Gestaltenreichtum dem Interpretationsstil der beiden Musiker ideal entgegen, aber es gilt auch umgekehrt: Tamestit und Suzuki lassen sich restlos auf die Triosonaten ein und heben die Kostbarkeit: die Schönheit der Melodie, den rhythmischen Zweck und kontrapunktischen Sinn, die Stimmung. Demut gegenüber dem Werk und Verständnisgewinn lösen sich in überragendem Können auf zu einem kunst- und lustvollen, sehr persönlichen Musizieren.

Die Sonaten für Viola da Gamba und Cembalo, die Tamestit mit hinreißend warmem, weichem, brillantem Ton auf seiner Stradivari-Bratsche spielt, changieren zwischen Elegie und Lebensfreude. Masato Suzuki ist musikalisch eins mit ihm in der Faszination, Bach’sche Melodien zu formen – er vermag gleichsam ein Legato auch am Cembalo –, Tänzerisches zu animieren, im gleichbleibenden Grundpuls rhythmisch und dynamisch zu gestalten und Spannung zu erzeugen. Suzuki und Tamestit gaben in kurzen Worten Einblick in ihren Zugang zu Bach, der Bratscher fühlt sich wohl im sprudelnden Bachgewässer und sonnengelben D-Dur und fühlt Bachs d-Moll-Verlustschmerz. Die Gambensonaten hat harmonia mundi übrigens in dieser Besetzung kürzlich auf CD herausgebracht.

Zusätzlich zu diesem Genuss der Gemeinsamkeit präsentierten sich innerhalb sorgfältig erweiterter Dur-Moll-Dramaturgie die Musiker auch solistisch zutiefst einfühlsam mit Bach. Der überaus vielseitige Suzuki mit der detailreich sprühenden, im Tänzerischen sinnerfüllten Französischen Suite Nr. 5 in G-Dur am Cembalo, Tamestit in farbiger Bandbreite mit der Violoncello-Suite Nr. 2 in d-Moll: klar, analytisch, tief, verführerisch.