Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.10.2019


Soundtüftler

5K HD-Konzert: In euphorisierender Art verstörend

5K HD haben sich als Soundtüftler vor allem im deutschsprachigen Raum einen beachtlichen Ruf erspielt.

Besonders live ein Erlebnis: „5K HD“ touren derzeit mit neuem Album; im Bild live in Wien. Bei einigen Stopps der aktuellen Tour wirken die Tiroler von „Low Potion“ als Support-Act mit.

© AydoganBesonders live ein Erlebnis: „5K HD“ touren derzeit mit neuem Album; im Bild live in Wien. Bei einigen Stopps der aktuellen Tour wirken die Tiroler von „Low Potion“ als Support-Act mit.



Innsbruck – Mira Lu Kovacs hat zur Andacht geladen. Behutsam, feinfühlig rollt 5K HD am Anfang ihres Konzerts am Donnerstag im Innsbrucker Treibhaus ihren atmosphärischen Klangteppich aus: Langsam wummert der Sound dem zahlreich erschienenen, altersmäßig gut durchmischten Publikum entgegen; an anderer Stelle atmet die Trompete, klopfen die Drums im Herzschlag. Instrumente dürfen hier mehr als nur Instrument sein: 5K HD haben sich als Soundtüftler vor allem im deutschsprachigen Raum einen beachtlichen Ruf erspielt, der sich mit der neuen Platte „High Performer“, die seit September vorliegt, noch festigen wird.

Nach dem noch im Raum schwebenden Intro ist das Publikum aufgewärmt für die glasklare Stimme von Sängerin Mira Lu Kovacs, die nicht nur in der Experimentalcombo, sondern mit Schmieds Puls oder der Musikerinnen-Supergroup My Ugly Clementine unterschiedlichste Kanäle für ihren kreativen Output findet.

Engelsgleich, ja opernhaft setzt Kovacs in Innsbruck ein, der Opener „Crazy Talk“ macht aber klar: Erwartbares unerwünscht. Das Quartett erschafft in der Dekonstruktion Neues. Das macht 5K HD zum zeitgenössischsten Projekt von Kovacs. Zusammen mit den vier Virtuosen von Kompost 3: Martin Eberle (Trompete), Benny Omerzell (Keys), Manu Mayr (Bass) und Lukas König (Drums) schreibt sie Avantgarde-Pop, der Live-Erlebnis ist.

Denn auch visuell ist der Gig eine Sensation: Ein Wald aus Leuchtstoffröhren wurde auf der Treibhaus-Kellerbühne gepflanzt und jeder der Musiker wird von zwei Lichtquellen gerahmt, deren Schein im Takt mittanzt, manchmal sanft zwischen Farben dahinfließend, an anderer Stelle scharf aufblitzend.

Was so minimal daherkommt, schiebt sich vor allem soundtechnisch zu immer größeren Klangwolken zusammen, die sich an den richtigen Stellen in einem Soundgewitter entladen. Besonders die neuen Nummern verstören auf euphorisierende Art: „Boulevard“ explodiert gegen Ende hin genauso wie „I Am Emotional“ oder „How Can I Be“. Coolere Nummern wie „High Performer“ oder „10/15“ sind dazwischengestreut und natürlich dürfen auch „Anthem“, „Mute“ oder das großartige „What If“ aus dem Debütalbum nicht fehlen.

Auch weil die älteren Nummern zeigen, wie sich der Pop nach 5K HD-Art weiterentwickelt hat. Diese wird nicht müde, an den Grenzen zu kratzen, feiert gepitchte Stimmen, zerbröselnde Rhythmen und eine ungemeine Klangvielfalt – die stets händisch gefertigt wird. Auch wenn sie sich nicht danach anhört. (bunt)