Letztes Update am Di, 26.11.2019 13:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Geburtstag

Ein Weltstar im Ruhestand: Tina Turner wird 80

Sie ist die Personifizierung der Rocklegende. Tina Turner baute sich eine Weltkarriere. Mit Ehrgeiz, Sexappeal - und Perücke. Am 26. November feiert sie ihren 80. Geburtstag, zu diesem Anlass sind ihre größten Hits noch einmal live zu erleben – auch in Innsbruck.

Bei ihren selten gewordenen Auftritten strahlt Tina Turner - so wie hier im März bei der Premiere ihres Musicals in Hamburg.

© dpaBei ihren selten gewordenen Auftritten strahlt Tina Turner - so wie hier im März bei der Premiere ihres Musicals in Hamburg.



Zürich – Die Löwenmähne ist noch da, aber statt Netzstrümpfen mit High Heels und Minirock ist Tina Turner kurz vor ihrem 80. Geburtstag eher hochgeknöpft und in flachen Tretern zu sehen. Die Rocklegende genießt ihren Ruhestand: Zehn Jahre nach ihrem Bühnenabschied sagt sie: „Ich hatte keinen Bock mehr darauf, zu singen und alle anderen glücklich zu machen“. Das war bei einer seltenen Audienz, die die Queen of Rock in diesem Sommer einer Reporterin der New York Times gewährte, in ihrer Villa Algonquin in Küsnacht am Zürichsee. „Fully retired“ - absolut im Ruhestand, so bescheidet Tina Turners Managerin eigentlich jede Anfrage.

Singen und andere glücklich machen, das hat Turner Jahrzehnte lang getan. Erst im Kirchenchor, dann in Nachtclubs mit Ike Turner, schließlich solo, wo sie den Zenit ihrer Karriere erreichte: Wenn sie im sexy Outfit „The Best“ oder „Private Dancer“ anstimmte, lagen ihr die Fans zu Füßen. Die Männer wegen ihrer erotischen Ausstrahlung, die Frauen, weil Turner allen Widrigkeiten jenseits der 40 zum Trotz noch eine Weltkarriere hinlegte. Als sie sich 2009 von der Bühne verabschiedete, kamen zur Welttournee mehr als eine Million Besucher.

Als sich Turner 2009 von der Bühne verabschiedete, kamen zur Welttournee mehr als eine Million Besucher.
Als sich Turner 2009 von der Bühne verabschiedete, kamen zur Welttournee mehr als eine Million Besucher.
- AFP

Musikalisch thront die Sängerin mit der unglaublich tiefen Stimme auf dem Olymp der Rockgeschichte neben Ikonen wie David Bowie, Keith Richards und Mick Jagger. Das Musikmagazin Rolling Stone rühmte sie als „eine der größten Stimmen aller Zeiten“.

Vom Gospelchor über die brutale Ehe zum Neuanfang

Tina Turner, mit bürgerlichem Namen Anna Mae Bullock, wuchs im Südstaatennest Nutbush in Tennessee in einer Baumwollpflücker-Familie auf. Als Mädchen sang sie im Gospelchor, ehe der acht Jahre ältere Gitarrist Ike Turner sie entdeckte. Er formte die „Ike and Tina Turner Revue“. Mit ihrer ersten Single „Fool in Love“ stürmten sie 1960 die Hitparaden. Es folgten Hits wie „River Deep - Mountain High“ und „Nutbush City Limits“. 1969 schafften sie den Durchbruch mit ihrem Auftritt im Vorprogramm der Rolling Stones.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Ike und Tina Turner bei einem Auftritt in Kalifornien.
Ike und Tina Turner bei einem Auftritt in Kalifornien.
- dpa

Die beiden hatten 1962 geheiratet, Ike stellte sich als brutaler Ehemann heraus. Sie schaffte es erst 1976, ihn zu verlassen. Um die Scheidung schnell hinter sich zu bringen, gab sie alle finanziellen Ansprüche auf. Sie habe Jahrzehnte gebraucht, um ihm zu vergeben, sagte sie viel später. Ike Turner starb 2007.

Mit ein paar Cents in der Tasche und als alleinerziehende Mutter zweier Söhne fing Turner von vorn an. Sie sang und tanzte zuerst in Clubs, Hotels und auf Betriebsversammlungen. Sie habe geputzt, wo sie unterkam, sagte sie. „Lieber jemand anderes Putzfrau als Ike Turners Ehefrau!“ Und dann kam 1984. Mit 45 schaffte sie den Durchbruch mit ihrem Album „Private Dancer“. Sie gewann vier Grammys. Der Hit „What‘s Love Got To Do With It?“ klang wie ein selbstironischer Rückblick auf die Ehe mit Ike.

Turner füllte Säle und Stadien der Welt. Als sie 1988 in Rio de Janeiro vor mehr als 180.000 Zuschauern sang, kam das Riesenpublikum ins Guinness-Buch der Rekorde. In Deutschland sang sie zuletzt 2009 vor Hunderttausenden Fans in Köln, Berlin, Hamburg und München.

Tina Turner und Moderator Thomas Gottschalk bei "Wetten dass...?" im Jahr 1999.
Tina Turner und Moderator Thomas Gottschalk bei "Wetten dass...?" im Jahr 1999.
- dpa

Seitdem läuft das Leben in der Villa am Zürichsee nach ihrem Gusto. Sie lebt dort seit Mitte der 90er Jahre, und ist inzwischen auch Schweizerin geworden. Sie benannte das 5000 Quadratmeter großen Anwesen nach ihren indianischen Vorfahren „Algonquin“. Es liegt hinter einem hohen schmiedeeisernen Tor. „Vor 12 Uhr nicht läuten“, steht dort am Tor. „Ich singe nicht. Ich tanze nicht. Ich mache mich nicht zurecht“, sagte sie der New York Times.

Die Reporterin fand die Villa charmant wie den Palast aus einem Zeichentrickfilm: mit Efeuranken am Haus, einer meterhohen Pferdeskulptur, die von der Decke hängt, und einem Gemälde von Turner in Aufmachung einer ägyptischen Königin an der Wand.

Turner lebt dort mit ihrem deutschen Mann Erwin Bach. Sie traf den Musikmanager Mitte der 80er Jahre. Er ist 16 Jahre jünger als sie. Die Beziehung hielt, und 2013 heirateten die beiden in Küsnacht. Bach nennt seine Frau „Schatzi“, wie er der New York Times verriet, manchmal auch „Bärli“. 2017 spendete Bach seiner Frau eine Niere. Tina Turner schrieb darüber 2018 in einer neuen Biografie.

Original und Kopie: Tina Turner und Kristina Love, Sängerin und Hauptdarstellerin, stehen nach der Deutschland-Premiere des Musicals auf der Bühne.
Original und Kopie: Tina Turner und Kristina Love, Sängerin und Hauptdarstellerin, stehen nach der Deutschland-Premiere des Musicals auf der Bühne.
- dpa

Turner zeigt sich manchmal noch, zum Beispiel in diesem Jahr bei der Premiere des Musicals über ihre Lebensgeschichte, „Tina - Das Tina Turner Musical“. In einer Talkshow im britschen Fernsehen ließ sie sich mit 78 noch einmal zu einem ihrer heißen Hüftschwünge hinreißen, die ihre Auftritte so legendär machten. Und die Löwenmähne? Alles fake, wie sie freimütig einräumt. „Ich trage Perücke, und zwar immer“, sagte sie der Zeit. „Ich ziehe Perücken an wie andere Menschen ihre Kleider.“ (dpa/TT.com)

„Simply The Best“ in Innsbruck

„Simply The Best" schildert mit viel Live-Musik das bewegte Leben der Rock-Ikone. Produziert wird die musikalische Biografie von Bernhard Kurz.

Live-Termine:

  • Bregenz (Festspielhaus): 22. Jänner
  • Innsbruck (Congress): 23. Jänner
  • Salzburg (Arena Piccola): 24. Jänner
  • Graz (Helmut-List-Halle): 31. Jänner

Tickets gibt's hier.

Im Jänner ist "Simply the Best" auch in Innsbruck zu Gast.
Im Jänner ist "Simply the Best" auch in Innsbruck zu Gast.
- Showfactory



Kommentieren


Schlagworte


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Experimentelle Kultur im Haus der Musik in Innsbruck: eine Performance beim „Heart of Noise“-Festival 2019.Exklusiv
Exklusiv

Unverhoffte Geldspritze für „Heart of Noise“, aber das Budget bleibt eng

Das „Heart of Noise“-Festival wird heute in Wien als beste Kulturinitiative ausgezeichnet, muss sich finanziell aber nach der Decke strecken.

Video
Video

James Hersey aus Gmunden: Der Popstar, den kaum jemand kennt

Seine Songs kennt fast jeder – sie werden im Internet millionenfach geklickt und haben es sogar über den großen Teich geschafft. Doch wer hinter Hits wie „Mi ...

Happy Birthday
Happy Birthday

Vom Dealer zum Rap-Milliardär: Jay-Z wird 50

„Ich bin kein Geschäftsmann, ich bin ein Geschäft, Mann“, rappt Jay-Z. Er versteht es wie kaum einer, sich zur Marke zu machen. Sein Aufstieg zum Milliardär ...

Der kanadische Rapper Drake.Musik
Musik

Drake ist meistgehörter Musiker des Jahrzehnts auf Spotify

28 Milliarden Mal wurden die Lieder des 33 Jahre alten kanadischen Rappers auf der Streaming-Plattform gespielt. Ed Sheeran schaffte es auf Platz zwei.

multimedia
Noch immer Seite an Seite: Roger Daltrey (l.) und Pete Townshend, verbliebener Rest von „The Who“.All This Music Must Fade
All This Music Must Fade

„The Who“: Ein schönes Alterswerk zweier Überlebender

Die kultigen Rock-Opas „The Who“ gönnten sich 13 Jahre Zeit für ein neues Studioalbum. Jetzt ist es da. Und das Warten hat sich gelohnt.

Weitere Artikel aus der Kategorie »