Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.11.2019


Innsbruck

Festwochen der Alten Musik: Wer hat Angst vor Barock?

Das Programm der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2020 bringt Populäres und verborgene Schätze, Stars und Neuentdeckungen.

Franco Fagioli, einer der führenden, weltweit gefeierten Countertenöre, konzertiert am 12. August im Tiroler Landestheater.

© Julian LaidigFranco Fagioli, einer der führenden, weltweit gefeierten Countertenöre, konzertiert am 12. August im Tiroler Landestheater.



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Nicht viele Menschen haben Angst vor Barock, schon gar nicht in der Alte-Musik-Stadt Innsbruck, wo der musikalische Barock blüht und die Festwochen der Alten Musik, seit 2016 wieder in den schwarzen Zahlen, immer mehr Zuhörer anziehen. 70 Prozent Einnahmensteigerung wurden in den letzten vier Jahren erzielt, im heurigen Sommer, mit seinen 54 Veranstaltungen an 31 Spielorten und einem Plus von 1700 Eintrittskarten, waren es 485.000 Euro, summierte Geschäftsführer Markus Lutz.

Auch künstlerisch blieb der Erfolg nicht aus. Eine Freude für das Festwochen-Team um Intendant Alessandro De Marchi, der Dienstagmittag das Programm 2020 vorstellte, und natürlich auch für Kulturlandesrätin Beate Palfrader und Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi, die vor allem auch die Jugendförderung und die vielen niederschwelligen Angebote, die breite Bevölkerungsschichten erreichen, erwähnten.

Im Beethoven-Jahr 2020 ist die Wahl von Ferdinando Paërs Oper „Leonora“ von 1804, die Beethoven zur Vertonung desselben Stoffes („Leonora“/„Fidelio“) inspirierte, als Eröffnungsoper eine ebenso glückliche wie aufschlussreiche Wahl. De Marchi hat die musikalische Leitung, Mariame Clément wird inszenieren, Arianna Vendittelli gehört die Titelrolle. Der Opernreigen wird im Hof der Theologischen Fakultät mit „L’empio punito“ von Alessandro Melani fortgesetzt, einem Stück aus der Vor-Opernzeit. Mariangiola Martello dirigiert damit ihre erste Oper, Silvia Paoli wird für die Regie sorgen. De Marchi signalisiert damit, dass die Festwochen nicht nur in Richtung Frühbarock gehen, sondern auch in die frühe Gegenrichtung. Das dritte szenische Werk, „La pellegrina“, vereint sechs Intermedien von 1589, die erste Vertonung des „Don Giovanni“-Stoffes.

Verborgene Schätze ans Tageslicht bringen auch viele Konzerte, berichtete Betriebsdirektorin Eva-Maria Sens. Die Festwochen verzichten heuer auf ein Motto. Die Ensembles Scirocco, Agamemnon, Diderot, Bizantina, Café Zimmermann, Les Talens Lyriques (unter Christophe Rousset mit einem Purcell-Programm), Freiburger Barockconsort u. a. werden auftreten, Topstar unter den Solisten ist der Countertenor Franco Fagioli. Noch viele andere Solistennamen locken, nicht zuletzt die Festwochen-Debütanten. Sakralmusik bringt Werke von Carissimi oder Pergolesi und Beethovens C-Dur-Messe u. a. in die Kirchen. Unter dem Titel „Who’s afraid of Baroque? – Wer hat Angst vor Barock?“ wird das Ensemble Soqquadro Italiano für ein vergnügliches Finale sorgen.


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