Letztes Update am Do, 28.11.2019 17:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


65. ESC

65. Song Contest ohne Ungarn: TV weist Homophobie-Vorwurf zurück

Zahlreiche Medien hatten den Verdacht geäußert, dass Ungarn seine Teilnahme am Song Contest absagt, weil der Wettbewert eine „homosexuelle Ästhetik“ transportiere. Die ungarische Medienholding MTVA weist das zurück.

Conchita Wurs hat 2014 den Eurovision Song Contest für Österreich gewonnen.

© APA/GEORG HOCHMUTHConchita Wurs hat 2014 den Eurovision Song Contest für Österreich gewonnen.



Wien – Ungarn hat seine Teilnahme am Eurovision Song Contest (ESC) abgesagt. Die staatliche ungarische Medienholding MTVA begründete diesen Schritt am Donnerstag mit einer „fachlichen Entscheidung“: Man wolle stattdessen „die Talente der ungarischen leichten Musik und die von diesen hervorgebrachten wertschaffenden Produktionen“ fördern.

Die Holding wies zugleich den Vorwurf zurück, Ungarn meide den europäischen Wettbewerb, weil er bisweilen eine homosexuelle Ästhetik transportiere. Diesen Verdacht hatten mehrere westeuropäische Medien geäußert. MTVA, zu der auch das Staatsfernsehen gehört, wies entsprechende Berichte als Unterstellung zurück: „Diese auf sexuelle Orientierungen verweisenden Medienmeinungen verletzen die Menschenwürde, die presseethischen Normen und den Rechtsstaat“, schrieb MTVA nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MTI. „Allerdings kommt die Frage auf, warum dies die darüber berichtenden Medien tun.“

„Achten nicht auf sexuelle Orientierung“

„Wir wollen feststellen, dass wir im Zusammenhang mit keinerlei Produktion, Ereignis oder Veranstaltung auf irgendjemandes sexuelle Orientierung achten“, schrieb die staatliche Medienholding weiter. Hintergrund der Homophobie-Vorwürfe war eine Aussage des regierungsnahen Journalisten Andras Bencsik über den ESC. Dieser sei eine „homosexuelle Flottendemonstration“, sagte er Ende Oktober in einer Talkshow des regierungsnahen Privatsenders HirTV.

Ungarn dürfe „aus mentalhygienischen Gründen“ daran nicht teilnehmen. „Kreischende Transvestiten und bärtige Frauen“ hätten beim ESC „den Geschmack des Publikums verwüstet“, sagte Bencsik weiter. „Vergessen wir doch dieses mit Conchita Wurst belastete, geschmacklose, forcierte, propagandistische Festival des Andersseins.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Ungarn nahm seit 1994 am ESC teil. Größter ungarischer ESC-Erfolg der vergangenen zehn Jahre war 2014 Platz fünf mit dem Lied „Running“, das Andras Kallay-Saunders darbot. (APA/dpa)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Experimentelle Kultur im Haus der Musik in Innsbruck: eine Performance beim „Heart of Noise“-Festival 2019.Exklusiv
Exklusiv

Unverhoffte Geldspritze für „Heart of Noise“, aber das Budget bleibt eng

Das „Heart of Noise“-Festival wird heute in Wien als beste Kulturinitiative ausgezeichnet, muss sich finanziell aber nach der Decke strecken.

Video
Video

James Hersey aus Gmunden: Der Popstar, den kaum jemand kennt

Seine Songs kennt fast jeder – sie werden im Internet millionenfach geklickt und haben es sogar über den großen Teich geschafft. Doch wer hinter Hits wie „Mi ...

Happy Birthday
Happy Birthday

Vom Dealer zum Rap-Milliardär: Jay-Z wird 50

„Ich bin kein Geschäftsmann, ich bin ein Geschäft, Mann“, rappt Jay-Z. Er versteht es wie kaum einer, sich zur Marke zu machen. Sein Aufstieg zum Milliardär ...

Der kanadische Rapper Drake.Musik
Musik

Drake ist meistgehörter Musiker des Jahrzehnts auf Spotify

28 Milliarden Mal wurden die Lieder des 33 Jahre alten kanadischen Rappers auf der Streaming-Plattform gespielt. Ed Sheeran schaffte es auf Platz zwei.

multimedia
Noch immer Seite an Seite: Roger Daltrey (l.) und Pete Townshend, verbliebener Rest von „The Who“.All This Music Must Fade
All This Music Must Fade

„The Who“: Ein schönes Alterswerk zweier Überlebender

Die kultigen Rock-Opas „The Who“ gönnten sich 13 Jahre Zeit für ein neues Studioalbum. Jetzt ist es da. Und das Warten hat sich gelohnt.

Weitere Artikel aus der Kategorie »