Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.03.2015


Musik

Eine gebeutelte Branche hisst die Flagge

Die Amadeus Austrian Music Awards werden heuer zum 15. Mal vergeben. Die heimische Branche hat aller Kritik zum Trotz Grund zu feiern.

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© Amadeus Award



Innsbruck – Den allerersten Amadeus Music Award durfte Kurt Ostbahn im Jahr 2000 mit nach Hause nehmen. Seit damals hat sich einiges verändert, die Show wurde glamouröser, das Publikum kleiner. So bescherte die Preisverleihung dem Privatsender Puls 4 im vergangenen Jahr gerade mal 54.000 Seher. Bis 2008 hatte der ORF das Event übertragen und im Schnitt 294.000 Zuschauer erreicht. ATV versucht heuer sein Glück und segelt dabei im Windschatten des Song Contests und des neuen „Austropop“. Diesen Sonntag wird der Amadeus Austrian Music Award zum 15. Mal verliehen, Arabella Kiesbauer und Manuel Rubey moderieren die Veranstaltung im Volksgarten, die der Privatsender „live zeitversetzt“ übertragen wird.

Nach der Kritik im Vorjahr – drei Bands hatten ihre Nominierungen abgelehnt – wurden heuer einige Adaptierungen vorgenommen, so wurden etwa die Genre-Kategorien auf fünf reduziert, daneben werden Auszeichnungen in elf allgemeinen Kategorien verliehen. Die größte Reform der Amadeus Awards war aber bereits 2010 vonstattengegangen, als internationale Acts aus der Wertung geworfen wurden, um sich verstärkt auf die heimische Szene zu konzentrieren.

Kritik regt sich aber auch heuer wieder. „Es gibt eigentlich nichts zu feiern, es kauft keiner mehr Musik“, sagte etwa Amadeus-Erfinder Mario Rossori, der bis 2008 das Event organisierte, gegenüber TV-Media. „Wer mit Musik etwas verdienen will, muss live spielen“, sagt auch Musikwirtschaftsexperte Peter Tschmuck von der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Die Veranstaltung an sich findet er aber wichtig: „Auch wenn sich die Situation durch den Song Contest heuer anders darstellt, so hat die Popularmusik in Österreich doch grundsätzlich einen schweren Stand. Die Fördersituation ist nicht gerade rosig. Der Amadeus Award ist da eine wichtige Plattform, um auf die Leistungen aufmerksam zu machen.“ Die Nominierungen wurden heuer zu jeweils 50 Prozent aus den Verkäufen im Vorjahr sowie einem Juryvoting errechnet. Die Sieger bestimmen schließlich zu gleichen Teilen eine Jury sowie das bereits beendete Publikumsvoting.

Dass die Kategorie „Newcomer des Jahres“ heuer weggefallen ist, bedauert nicht nur Musikproduzent Rossori, sondern auch Tschmuck im Gespräch mit der TT: „Ich glaube, dass gerade diese Auszeichnungen am Beginn einer Karriere sehr motivierend sind.“ Dank der auch im Ausland erfolgreichen Bands Bilderbuch oder Wanda könne bei den Awards heuer „international Flagge“ gezeigt werden. „Man darf ja nicht vergessen, dass die Major Labels von den deutschen Zentralen abhängig sind und da ist es standortpolitisch wichtig, dass hier was Neues nachkommt, dass Aufbauarbeit geleistet wird.“ Wobei gerade die oben genannten Bands vom Indie-Eck aus den Mainstream erobert haben.

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Nicht mehr gesondert ausgewiesen werden heuer das Volksmusik- und Schlagerfach, das jedoch bei den Verkäufen dominiert. Dies zeigt sich auch bei den Nominierungen: So dürfen etwa in der Kategorie „Band des Jahres“ Die Seer und das Nockalm Quintett ebenso wie Wanda oder Bilderbuch auf einen Amadeus Award hoffen. Wanda haben sich ja bereits beim FM4-Award gegen Mitbewerber wie Der Nino aus Wien oder die Tiroler Yo!Zepp, Chrisfader und Testa durchgesetzt. Bilderbuch zählen indes ebenso wie Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier mit jeweils vier Nominierungen zu den Favoriten. Ein Fan der neuen Indie-Bands aus Österreich ist übrigens auch Herbert Grönemeyer, einer der Live-Acts des Amadeus Austrian Music Awards, zu sehen ab 21.20 Uhr auf ATV. (sire)


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