Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.04.2016


Robo-Cup-Junior

Die Zukunft der Roboter

Fußball spielen, durch ein Labyrinth navigieren und bei einer Bühnenshow auf Licht und Töne reagieren: Der Nachwuchs zeigt, was Roboter alles selbstständig können.

Das Roboter-Fußballfinale zog große Aufmerksamkeit auf sich.

© Institut für InformatikDas Roboter-Fußballfinale zog große Aufmerksamkeit auf sich.



Von Philipp Schwartze

Innsbruck – Menschentrauben um kleine, blinkende Geräte und junge Wettkämpfer, die noch an ihrem Roboter herumschrauben: Am vergangenen Wochenende haben sich mehr als 350 Jugendliche in den Altersklassen von 11-14 und 15-19 Jahren in drei Disziplinen – „Soccer“, „OnStage“ und „Rescue“ – mit ihren Robotern beim neunten RoboCupJunior in Innsbruck gemessen.

In der Fußball-Kategorie haben zehn Grazer Buben vom Bundesrealgymnasium Kepler gewonnen. Zum siebten Mal sind sie bereits dabei, viel Zeit und Geld wurde in die eigenen Roboter gesteckt: „Wir haben jetzt vor dem Wettbewerb 20-25 Stunden pro Woche an unseren vier Robotern gearbeitet“, erzählt der 18-jährige Stefan. Lego-Roboter-Sets sind für viele der Einstieg, bei den Grazern ist alles im Selbstbau entstanden. Angefangen hat alles mit dem Wahlfach Robotik und einem Informatiklehrer, der die Schüler mit dem Thema Roboter konfrontierte.

Letzte Arbeiten an einem Roboter.
Letzte Arbeiten an einem Roboter.
- zeitungsfoto.at

Beim „Soccer“ wird der Roboter nicht etwa per Fernbedienung gesteuert, sondern muss selbstständig spielen. „Feintuning“ ist daher bei Stefan und seinem Bruder Michael, 16, angesagt: „Generell ist man nie fertig, sondern der Roboter ist irgendwann gut genug“, lacht Michael. „Man kann sich immer wieder wie ein kleines Kind freuen“, sagt Stefan. Zur Weltmeisterschaft durften sie bereits mehrmals fahren – mit den Italienern haben sie noch eine sportliche Rechnung offen, die sie nun bei der WM in Leipzig begleichen können.

Eingreifen können die Teilnehmer nicht – der Lego-Roboter muss das Ziel selbstständig erreichen
Eingreifen können die Teilnehmer nicht – der Lego-Roboter muss das Ziel selbstständig erreichen
- zeitungsfoto.at

Mit dem Ziel eines späteren Informatik-Studiums träumen sie von einer Welt, in der Roboter Aufgaben wie Hausarbeiten übernehmen. „Roboter sind von uns kontrollierbar, da braucht man keine Angst zu haben“, entgegnet Stefan allen, die sich vor immer mehr Robotern in der Zukunft fürchten.

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Das Team der Mittelschule Nenzing mit ihrem Indianer-Jones Roboter.
Das Team der Mittelschule Nenzing mit ihrem Indianer-Jones Roboter.
- zeitungsfoto.at

Auf der Bühne hat sich das Team der Mittelschule Nenzing aufgestellt und erklärt der Jury, wie ihre Indiana-Jones „OnStage“-Show funktioniert: Auf einer eingezeichneten Linie fahren Roboter-Figuren an Gegenständen vorbei und reagieren auf deren Beleuchtung, Klänge und Berührungen. Dilay und Celine, beide 13 Jahre jung, zählen zu den acht Besten aus der Technikklasse. Seit einem Jahr arbeiten sie an den Robotern. „Angefangen hat es mit Lego Technik“, erklärt Celine. Inzwischen sind um die Lego-Roboter Holzbauten und Figuren entstanden. Bei Dilay wurde das Interesse an der Technik geweckt: „Die HTL und ein technisches Studium kann ich mir vorstellen“, meint die 13-Jährige. „Roboter werden ein sehr wichtiger Teil der Zukunft sein“, sagt Dilay und Celine pflichtet ihr bei: „Einen Großteil der Arbeit werden Roboter übernehmen.“

Im Team-Raum der Bühnen-Disziplin bricht Jubel aus: „Die Roboter funktionieren wieder“, ruft einer. Die acht Telfer Schüler des Teams „Legonauten“ atmen auf – ihr Tanz-Auftritt mit den Robotern ist gerettet. In ihrer Freizeit haben sie stundenlang programmiert und gebastelt. „Teilweise waren wir auch am Wochenende in der Schule. Aber das Programmieren macht Spaß“, sagt der 12-jährige Werner. Lea ist mit ihren 14 Jahren begeistert, dass der Roboter die Aufgaben löst, vor die die Schüler ihn stellen. Alles sollten Roboter aber in Zukunft nicht übernehmen: „Ich finde, in der Freizeit ist das gut, aber im Alltag nicht, weil die Menschen sonst zu faul werden“, erklärt sie. Am Ende werden die Telfer Zweite und verpassen damit nur denkbar knapp die WM.

Für Simon Haller von der Arbeitsgruppe „Intelligente und Interaktive Systeme“ der Uni Innsbruck ist es schön zu sehen, dass „die Kinder sich in diese Sache hineinsteigern“. In Teams zu arbeiten und ein technisches Grundverständnis zu entwickeln, sei wichtig: „Die Jugendlichen wachsen mit der Technik auf. Das Dahinter zu verstehen ist wichtig“, so der Informatiker. Und am Ende zählt vor allem der Spaß an der Technik.

Die Grazer „Fußballer“ fahren als Sieger zur WM (u. M.).
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- zeitungsfoto.at

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