Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.07.2016


Tirol

Junges Gemüse auf dem Dach

Mitten in Innsbruck bauen Schüler des Reithmanngymnasiums Gemüse an. Für den Urban-Gardening-Wettbewerb steigen sie sogar in den Ferien auf das Schuldach.

Gartenexpertin Andrea Heistinger zeigt Manuel und Moritz, worauf beim Urban Gardening zu achten ist

© Andreas Rottensteiner / TTGartenexpertin Andrea Heistinger zeigt Manuel und Moritz, worauf beim Urban Gardening zu achten ist



Von Philipp Schwartze

Innsbruck – Wer über die Außentreppe das Flachdach des Reithmanngymnasiums in Innsbruck betritt, findet sich in einer anderen, unerwarteten Welt wieder: Zwar ist der Lärm der Straße hier noch zu hören, doch wo man kargen Beton vermutet, sprießen unzählige Pflanzen aus insgesamt 84 Töpfen. Die beiden 17-jährigen Schüler Moritz Wallnöfer und Manuel Baumgartner aus Innsbruck pflegen den Dachgarten über der Turnhalle auch während der Schulferien. Heute ernten sie Kohlrabi.

Im Frühjahr haben 20 Schüler der 7. Klassen damit begonnen, hier Tomaten, Paprika, Erdäpfel und Kohlrabi anzubauen. „Wir haben eine Wochenstunde im Bio-Unterricht am Garten gearbeitet“, berichtet Manuel. Nun können sie bereits die ersten Früchte ihrer Arbeit ernten. Mit Tipps ihres Biolehrers und einer bereits vorhandenen Bewässerungsanlage entstand innerhalb kurzer Zeit eine kleine Plantage, die natürlich auch im Sommer gepflegt werden muss. „Jede Woche kommen wir hier herauf, ernten, pflanzen neu und kontrollieren die Bewässerung“, erklärt Manuel.

Mit ihrem grünen Dachgarten nehmen die Innsbrucker als einzige westösterreichische Schule am Urban-Gardening-Wettbewerb der Agrarmarkt Austria (AMA) teil. Alle zwei Wochen schreiben sie auf Facebook, wie sich die Pflanzen entwickelt haben. Fotos des Gartens dienen als Beweis.

Heute haben die beiden Jugendlichen, die gegenüber wohnen und deshalb über die Ferien die Gartenpflege auch für ihre Mitschüler übernehmen, Unterstützung erhalten: Gartenexpertin Andrea Heistinger gibt Tipps für die Arbeit mit den Pflanzen. „Das ist sehr hilfreich, weil man Dinge erfährt, die man wissen muss, als Amateur aber nicht wissen kann“, ist Manuel dankbar. Heistinger jedenfalls ist vom Einsatz der Jugendlichen beeindruckt: „Ich finde es bei Schulprojekten wichtig, dass die Schüler auch alles selbst machen. In diesem Fall lernen sie z. B., wieviel Arbeit in Tomaten steckt, bis wir sie im Geschäft kaufen können.“

Urban Gardening, also Gärtnern im städtischen Bereich, ist anspruchsvoll und oft auch anstrengend: „Das Klima hier auf dem Dach, mit langer Sonneneinstrahlung und Wärmeabstrahlung durch den Boden, ist eine besondere Herausforderung“, zollt die Gartenexpertin den engagierten Nachwuchsgärtnern Respekt.

Kartoffeln wachsen bei dieser Hitze kaum, und so rät sie für die Zukunft zu Salat und mediterranen Pflanzen wie Melanzani. „Artischocken gehen auch super“, überrascht sie die Nachwuchsgärtner, die die Tipps der Expertin möglichst schnell umsetzen wollen: Boden auflockern, Seitentriebe entfernen, Salat anpflanzen – und weiter ernten.

Heistinger sitzt auch in der zehnköpfigen Jury und entscheidet mit Facebook-Fans (www.facebook.com/bioinfo.at), wer am 9. September in Wien zum Team mit dem „grünsten Daumen“ gewählt wird. „Die Teilnahme am Wettbewerb, der zum dritten Mal stattfindet, soll den Schülern zeigen, wie viel Pflege hinter den Pflanzen steckt und auch zu einer größeren Wertschätzung der Lebensmittel beitragen“, erklärt Manuela Schürr von der AMA. Sie ist begeistert, mit wie viel Liebe die Burschen den Garten pflegen. Die Freude ist besonders dann groß, wenn sie „ihr“ Gemüse verspeisen: „Selbst angebauten Kohlrabi zu essen, ist ein sehr befriedigendes Gefühl“, erzählt Moritz. Aus dem eigenen Anbau schmeckt es eben am besten.

Auch nach Abschluss des Wettbewerbs könnten die Burschen aber öfters auf dem Dach anzutreffen sein – dann wieder mit Verstärkung ihrer Mitschüler. „Ich denke, wir werden auch nächstes Schuljahr hier am Garten weiterarbeiten“, sagt Manuel, ehe er einen weiteren Kohlrabi aus einem Topf zieht und in eine Tasche steckt.

In 84 Töpfen bauen die Schüler des 
Reithmanngymnasiums auf dem Schuldach Pflanzen an.
In 84 Töpfen bauen die Schüler des 
Reithmanngymnasiums auf dem Schuldach Pflanzen an.
- Andreas Rottensteiner / TT