Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.08.2016


Bezirk Kitzbühel

Kirchberger Bauernhaus begeistert mit Blumenpracht

Der Kalshof von Barbara Achrainer in Kirchberg ist eine wahre Augenweide. Rund 300 Petunien und Geranien zieren die Fassade.

Wer durch Kirchberg fährt, dem fällt der Kalshof mit seiner üppigen Blumenpracht auf. Um die Pflanzen kümmert sich Barbara Achrainer.

© HotterWer durch Kirchberg fährt, dem fällt der Kalshof mit seiner üppigen Blumenpracht auf. Um die Pflanzen kümmert sich Barbara Achrainer.



Von Miriam Hotter

Kirchberg – Rote Petunien und weiße Geranien säumen den Eingang des Kalshofes im Kirchberger Weiler Bockern. Die Blüten wachsen so dicht übereinander, dass Besucher Mühe haben, sie nicht niederzutreten. Die Herrin des Hauses kocht gerade Suppe, als ein unangemeldeter Gast die Küche betritt. „Das macht gar nichts. Das kommt häufiger vor“, sagt Barbara Achrainer. Der Grund: Die Besucher möchten jene Frau kennen lernen, die für die wunderbare Blütenpracht vor dem alten Bauernhof verantwortlich ist. „Manche kommen sogar jedes Jahr und machen Fotos“, erzählt die 68-Jährige. Sie selbst tritt nicht gerne vor die Kamera. „Die Blumen sind viel schöner“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Rund 300 Stück Petunien und Geranien zieren die Fassade des Kalshofes. Egal ob mit dem Zupfen von verwelkten Blüten oder mit Gießen – Achrainer verbringt drei Stunden täglich mit der Pflege der Blumen. „Diese Art von Arbeit macht mir aber nichts aus“, erklärt die Bäuerin. Außerdem kann sie gar nicht anders. „Blumen sind meine größte Freude. Wenn ich keine hätte, wäre ich nicht zufrieden.“ Spielt das Wetter nicht mit, ist ihr Glück in Gefahr. „Weil der Mai so kalt war, dachte ich, die Blumen wachsen heuer gar nicht“, erklärt Achrainer. Doch das Schlimmste, was der „Blumenfreundin“ passieren könnte, ist Hagel. „Dann ist alles kaputt.“

So geschehen am 19. August 2003 – ein Datum, das sich in Achrainers Gedächtnis eingebrannt hat. Nach einem Gewitter mit starkem Hagel war von den Blumen nicht mehr viel übrig. Die ganze harte Arbeit wurde in wenigen Sekunden zunichtegemacht. „Das war schlimm für mich“, erinnert sich die Kirchbergerin. Doch zwei jungen Frauen aus Brixen gelang es, die Bäuerin aufzuheitern. „Sie standen plötzlich mit einem Blumenstock da, der mich trösten sollte. Sie kannten mein Haus und hatten geahnt, dass ich nach dem Hagel traurig sein musste“, erzählt Achrainer.

Den Eingang in den Kalshof in Kirchberg säumen zahlreiche rote Petunien und weiße Geranien.
Den Eingang in den Kalshof in Kirchberg säumen zahlreiche rote Petunien und weiße Geranien.
- Hotter

Die Liebe zur Natur und insbesondere zu Geranien und Petunien ist Achrainer in die Wiege gelegt worden. „Schon meine Großmutter und Mutter hatten viele Blumen.“ Weil sich die Familie keine Blumen aus dem Geschäft leisten konnte, pflanzte sie Gebirgsnelken. „Die konnte man überwintern.“

Auch Achrainers Blumen verbringen die kalten Wintermonate im Haus, bevor sie Anfang Mai wieder in die Sonne dürfen. Bis Oktober verzieren sie schließlich die Balkone am Kalshof. „Da kann es passieren, dass der Nachtfrost kommt. Dann stelle ich die Blumen auf den Boden, weil es dort ein bis zwei Grad wärmer ist“, verrät Achrainer einen ihrer Tricks.

Bis dahin sind es aber noch ein paar Wochen. So lange erfreut sich Achrainer an ihren Petunien und Geranien. „Jeden Tag genieße ich den Anblic­k.“ Und da ist sie nicht die Einzige.