Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.09.2016


Ötztal

Jubiläum am nördlichsten 3000er

Vor 60 Jahren wurde das Gipfelkreuz am Acherkogel am Eingang des Ötztals aufgestellt.

© Repro: StecherEs war für die Sechsergruppe ein wahrlich beschwerlicher Kreuzweg auf den Acherkogel.Repros: Stecher



Oetz – Am 1. September 1956 bestieg eine Sechsergruppe den Oetzer Hausberg. Angeseilt waren aber nicht die Männer, sondern drei Holzteile: der Querbalken und die zum Schäften vorbereiteten, lotrechten Teile des Kreuzes, das die Männer am nördlichsten Dreitausender der Ostalpen zusammenbauten und aufstellten. Das Kreuz sollte in der Folge mehr als vier Jahrzehnte seinen Dienst tun.

Mit Hubert „Stinelars“ Plattner und Franz „Senners“ Grießer sind zwei der sechs Männer, die vor 60 Jahren eine verschworene Gemeinschaft gebildet hatten, verstorben. Auch der Hersteller des Kreuzes, Meinrad Grießer, weilt nicht mehr unter den Lebenden. Dafür erfreuen sich Toni „Stinelars“ Plattner, Josef „Stearns“ Grießer, Bruno „Niederthaiers“ Auer und Hermann Scalet teilweise guter Gesundheit. Die Erinnerung an die nicht ungefährliche Aktion ist bei ihnen nach wie vor präsent. So kann sich etwa Josef Grießer, Jahrgang 1937, gut daran erinnern, wie Hubert Plattner mit dem Querbalken auf seinen Schultern den Grat entlangbalanciert ist.

Das Kreuz trotzte dann lange Zeit Wind und Wetter. Probleme bereiteten allerdings die Blitzeinschläge. Grießer: „Wir haben zwar einen Blitzableiter angebracht, allerdings stellte die Erdung ein Problem dar, sodass das Kreuz mehrmals renoviert werden musste. Einmal mussten wir es sogar nach einem Absturz bergen.“

Heute steht das Holzkreuz bei der Bielefelder Hütte. Für jenen Zeitgenossen, der derzeit auf den Gipfeln im bayerischen Grenzgebiet Holzkreuze umhackt, hegen die Errichter des ersten Kreuzes am Acherkogel natürlich wenig Verständnis. (best)