Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.03.2017


Weltschlaftag

Tickt der Schlaf noch richtig?

Der heutige Weltschlaftag soll auf die Wichtigkeit der nächtlichen Ruhe hinweisen. Spezielle Wecker und Apps versprechen einen besseren Schlaf. Vier Geräte im Test und was eine Schlafexpertin davon hält.

Wenn das Aufstehen zur Qual wird: Für viele Menschen sind mit dem Weckerklingeln schlechte Laune und Müdigkeit vorprogrammiert.

© iStockWenn das Aufstehen zur Qual wird: Für viele Menschen sind mit dem Weckerklingeln schlechte Laune und Müdigkeit vorprogrammiert.



Von Philipp Schwartze und Theresa Mair

Innsbruck — Um 22 Uhr blinkt am Smartphone die Erinnerung, dass es nun an der Zeit ist, schlafen zu gehen. Der Trend zur Selbstoptimierung mit Fitnesstrackern am Handgelenk und Ernährungs-Apps am Smartphone durchdringt immer mehr auch die Nacht.

Dabei galt es bis vor Kurzem oft sogar als erstrebenswert, nächtelang durcharbeiten zu können. Leistungsträger und Politiker wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel — sie „braucht" angeblich nur vier Stunden Nachtruhe — lebten vor, dass Erfolg mit Schlafverzicht einhergeht.

Inzwischen ist Schlafen sex­y und zum Lifestylebegriff mutiert. Das fängt bei der Schlafzimmereinrichtung an und hört bei der Vermessung des Schlafs auf. Schlafmediziner dürften sich über diese neue Achtsamkeit im Bett freuen — nicht nur am heutigen Weltschlaftag. Aus diesem Grund hat die TT verschiedene Geräte und Apps getestet, die Schlaf-Daten liefern und u. a. ein sanftes Aufwachen versprechen.

Wie wichtig der Schlaf für den Menschen ist, weiß Birgit Högl, Leiterin des Schlaflabors an der Uni-Klinik für Neurologie in Innsbruck: „Ausreichender Schlaf und erholtes Aufwachen sind entscheidend für die Gesundheit." Männer sollten demnach sieben bis neun, Frauen acht bis neun Stunden täglich schlafen.

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Jedoch würden vor allem berufstätige Frauen, die zudem Kinder haben oder einen Angehörigen pflegen, dazu neigen, zuallererst beim Schlaf zu sparen. Das rächt sich allerdings, denn sie würden Gefahr laufen, das Schlafmangelsyndrom zu entwickeln. „Wer dauerhaft zu wenig schläft, riskiert, im Laufe der Jahre krank zu werden — Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes zu entwickeln."

Gesundheits-Apps und Geräte, die den Schlaf vermessen, sieht Högl jedoch mit Vorbehalt. Einerseits wird im Schlaflabor selbst erforscht, ob Apps helfen und etwa der Früherkennung von schweren Erkrankungen dienen können, wie z. B. der Traumschlafstörung. Andererseits plädiert Högl dafür, die Geräte für den Hausgebrauch nicht „allzu übertrieben ernst zu nehmen. Im Zweifel ist das subjektive Gefühl wichtiger als das Ergebnis der App."

Von einmaligen Resultaten, die sich wie eine Diagnose anhören — z. B. Bradypnoe (zu niedrige Atemfrequenz), — soll man sich keinesfalls beunruhigen lassen. Die meisten Anwendungen und Geräte seien nicht mit der genauesten Analyse-Methode im Schlaflabor, der Polysomnographie, verglichen worden. Das ist ein Grund, warum sie oft „nur ein sehr loses Bild der tatsächlichen Schlafstruktur" widerspiegeln könnten.

Der zweite ist ebenfalls einleuchtend: Die App weiß nicht, ob man wirklich schläft. Sie kann nur auf Basis von Bewegungen oder Schnarchgeräuschen des Benutzers Rückschlüsse anstellen, ob dieser schläft. Das heißt: Apps und Sensoren von Geräten können nur gesunde Schläfer einsetzen. Denn wer aufgrund einer Erkrankung etwa die Beine bewegt, ist laut der App wach.

Ob jemand wirklich schläft, kann nur im Schlaflabor, z. B. mit Hirnstrommessungen, überprüft werden. Dorthin sollte man sich auch wenden, wenn man nicht erholt aufwacht oder einen Tagesmüdigkeit plagt.

Schlafmonitor

Was er verspricht: Der aus einem Sensorband und einer App bestehende Schlafmonitor misst Daten wie Schlafdauer, Herzfrequenz, Atemfrequenz und Bewegung im Schlaf. Die Ergebnisse, die über eine App ausgewertet werden, sollen eine präzise und umfassende Analyse des Schlafs ermöglichen.

So funktioniert's: Das Sensorband wird auf Brusthöhe zwischen Matratze und Leintuch quer aufgelegt. Über Bluetooth liest die App die Werte aus. Am Ende einer Nacht erhält der Benutzer eine Auswertung nach Punkten. Abzüge gibt es z. B. bei zu kurzem Schlaf oder häufigem Umdrehen. Als Wecker funktioniert die App nur, wenn man genau acht Stunden schlafen möchte.

Test: Das Band unter dem Leintuch bemerkt man beim Schlafen nicht, die Bedienung über die App ist simpel gehalten. Die Auswertung ist umfangreich und zeigt in übersichtlichen Grafiken die einzelnen Werte sowie ein Gesamturteil an. Wie exakt und zuverlässig die Messung über einen einzigen Sensor sein kann, ist fraglich. Zumal die App nur das Geschlecht abfragt, aber keine weiteren Daten wie etwa Gewicht oder Größe berücksichtigen kann. Auch ist jede Matratze anders. Als Wecker ist die App allerdings kaum alltagstauglich (unveränderbare Weckzeit nach acht Stunden).

Tipp von Schlafmedizinerin Birgit Högl: Wenn man sich subjektiv gut und gesund fühlt, sollte man sich von angezeigten Diagnosen wie etwa Bradypnoe (zu niedrige Atemfrequenz) nicht irritieren lassen.

Medisana Sleepace Schlafmonitor, Preis: 199,95 Euro

Lichtwecker

Was er verspricht: Sanftes Aufwachen dank eines künstlichen Sonnenaufgangs. Weil Licht für unsere innere Uhr und unseren Schlaf-Wach-Rhythmus eine wichtige Rolle spielt, soll dieser Wecker mit Beleuchtung ein Aufwachen ohne schrilles Klingeln ermöglichen.

So funktioniert's: Dreißig Minuten vor der eingestellten Weckzeit fängt der Wecker sukzessive immer stärker — in bis zu sieben Farben — zu leuchten an. Wer nicht ganz auf akustische Signale verzichten will, kann zusätzlich Naturgeräusche oder MP3 bzw. Radio auswählen.

Test: Der Wecker funktioniert nur mit angeschlossenem Netzteil und ist zudem ca. 30 Zentimeter hoch. Die Einstellung der Weckzeit ist aufgrund träger Bedienknöpfe etwas mühsam. Das Licht als Wecksignal funktioniert ausgesprochen gut — was oft zu einem Aufwachen bereits vor der eingestellten Weckzeit führt. Der Lichtwecker überzeugte beim Test am meisten. Er hält das Versprechen eines sanften Muntermachers.

Tipp der Schlafmedizinerin: Licht ist das wirksamste Signal für den Körper, dass Tag ist. Ein effizienter Lichtwecker sollte mindestens 1000 Lux Lichtstärke abgeben. Wer jedoch mithilfe von Licht wirklich seinen Schlaf-Wach-Rhythmus verschieben möchte, muss sich sehr gut auskennen. Erwischt man den falschen Zeitpunkt, gerät der Schlaf-Wach-Rhythmus vollends durcheinander.

Medisana Lichtwecker WL450, Preis: 89,95 Euro

Axbo Schlafphasenwecker

Was er verspricht: Aus einer leichteren Schlafphase — einem „Fast-Wach-Moment" — geweckt, sollen die Menschen dank diesem Wecker leichter aus dem Bett kommen und wacher sowie besser gelaunt sein.

So funktioniert's: Der Sensor in einem Frottee-Armband — am nichtdominanten Handgelenk (bei Rechtshändern links) — misst die Bewegung im Schlaf. Daraus wird auf die jeweilige Schlafphase geschlossen. In einem Zeitfenster von 30 Minuten vor der Weckzeit soll der ideale Zeitpunkt (nach bzw. vor einer Traumphase) für das Wecken gefunden werden. Das Gerät wird optional mit zwei Sensoren, um den Partner unabhängig zu wecken, geliefert.

Test: Die Einstellung der Weckzeit mit nur einem Einstellrad ist mühsam. Das Armband spürt man anfangs noch, es stört aber beim Schlafen nicht. Fazit: Mehrmals weckte der Axbo genau zur eingestellten Weckzeit, eine leichte Schlafphase wurde also nicht erkannt oder war zufällig zum Zeitpunkt der Weckzeit. Einmal schien das Aufstehen, 20 Minuten vor geplanter Zeit, aber tatsächlich leichter. Selbst der lauteste Weckton ist noch (zu) leise. Vorteil: Die Schlafphasen-Messung ist ganz ohne Smartphone möglich. Das Gerät funktioniert auch mit Akku.

Tipp der Schlafmedizinerin: Wer zu wenig schläft, sollte besser eine halbe Stunde länger schlafen.

Axbo, Preis: 160,55 Euro (eine Person); 179,55 Euro (zwei Personen)

Sleep Better App

Was sie verspricht: Neben Daten über das Schlafverhalten beinhaltet die App einen Schlafphasenwecker, der den Benutzer im Leichtschlaf wecken soll. Die kostenpflichtige Vollversion erspart einem Werbung und bietet einen größeren Funktionsumfang. So kann das Zeitfenster, in dem die App bis zur eingestellten Zeit wecken soll, individuell eingestellt werden.

So funktioniert's: Ohne weitere Zusatzgeräte misst das auf der Matratze liegende Smartphone über die eingebauten Sensoren Bewegungen.

Test: Für die Aufzeichnung muss die App an ein Ladekabel angeschlossen sein und auf die Matratze gelegt werden. Per Knopfdruck teilt der Nutzer der App mit, wann er sich zum Schlafen legt. Ebenfalls per Knopfdruck beendet man die Überwachung. Vielfältige Eingabemöglichkeiten von sensiblen Daten — z. B. sportliche Aktivität, Kaffee- und Alkoholkonsum, fremdes Bett und Stressempfinden, welche eine Selbstkontrolle des eigenen Verhaltens ermöglichen. Einzig die Messung der Bewegung im Bett durch die App führt allerdings wohl zu ungenauen Aufzeichnungen. Teilt man etwa das Bett mit einem Partner, werden unter Umständen dessen Bewegungen ebenfalls mitgemessen, was das Ergebnis verfälschen kann.

Tipp der Schlafmedizinerin: Um selbst auszuprobieren, wie die App auf Manipulationsversuche reagiert, kann man z. B. kurz die Luft anhalten oder mit Händen oder Füßen auf die Matratze klopfen.

Runtastic, 4,99 Euro (Vollversion)