Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.03.2017


Bezirk Schwaz

Mit einer Portion Mut im Rucksack

Vor 150 Jahren standen die ersten Gipfelstürmer am Olperer im Zillertal. Seither ist er das Ziel vieler Alpinisten. Doch nicht jeder schafft es den Berg zu bezwingen. Er ist und bleibt eine Herausforderung.

Das Gipfelkreuz am Olperer.

© OlpererhütteDas Gipfelkreuz am Olperer.



Von Eva-Maria Fankhauser

Ginzling, Tux – Es ist noch dunkel, als sich die ersten Bergsteiger am Schlegeisspeichersee im Zillertal auf den Weg machen. Sie haben rund 1700 Höhenmeter vor sich. Knapp oberhalb der Olpererhütte fallen die ersten Sonnenstrahlen auf ihre Gesichter. Über den Riepenkopf geht es über schroffes Gelände weiter bergauf. Es wird steiler, felsiger. Die Anstrengungen steigen. Schweißtropfen glitzern in der Sonne. Der Weg führt über ein Schneefeld mit Blick auf den Hintertuxer Gletscher. Ewiges Eis. Nun muss geklettert werden. Teils ist es rutschig. Schnee liegt zwischen den Felsen. Links und rechts geht es Hunderte Meter senkrecht bergab. Das Herz rast. Ohne Sicherung ist der Aufstieg wie ein Tanz mit dem Tod. Die Augen sind starr auf die Felsformationen gerichtet. Jeder Schritt muss sitzen. Und plötzlich steht es da: ein kleines Kreuz auf einem der bekanntesten Berge des Zillertals – dem Olperer. Und der Lohn? Nach vier bis fünf Stunden Gehzeit raubt einem der Ausblick über die Zillertaler Alpen den Atem. Ruhe und Natur. Unberührtheit.

Vor 150 Jahren erklomm Paul Grohmann mit Bergführer Georg Samer aus Ginzling und Jakob Huber den 3476 Meter hohen Gipfel. Eine Sensation. Sie waren die Ersten, die 1867 den Olperer erstiegen. Der Wiener Grohmann gilt als erfahrener Alpinist und Mitbegründer des Österreichischen Alpenvereins.

Hüttenwirtin Katharina Daum besteigt ihren Hausberg, so oft es geht.
Hüttenwirtin Katharina Daum besteigt ihren Hausberg, so oft es geht.
- Olpererhütte

Es gibt mehrere Varianten, den Olperer zu besteigen. Eine führt vom Valser Tal über die Geraer Hütte in Richtung Hintertuxer Gletscher, von wo aus auch viele Bergsteiger über Tux auf den Gipfel wollen. Ab dort geht die Gletschertour in eine anspruchsvolle Kletterei am Nordgrat über. Der Normalweg führt vom Schlegeisspeichersee über die Olpererhütte zum Südostgrat. Auch dieser Weg ist eine Herausforderung, wie Bergführer Toni Tomann weiß. „Der Olperer ist der dritthöchste Berg im Zillertal und definitiv einer der schwersten zum Besteigen“, sagt Tomann. Zwei- bis dreimal in der Woche stehe er im Sommer auf dem Gipfel. „Auch beim Normalanstieg ist es zum Klettern. Viele haben den Olperer verniedlicht und als zu leicht eingestuft“, meint er. Wer gemütlich wandern will, sei hier fehl am Platz. Das bestätigt auch Willi Seifert vom Naturparkhaus Zillertal: „Der Klimawandel und der Rückgang des Eises haben den Berg tendenziell einfacher gemacht, aber es bleibt eine Hochtour für Alpin-Erfahrene. Das ist kein Wanderberg.“

Ernst Schöpf schoss 1929 ein Gipfelfoto.
Ernst Schöpf schoss 1929 ein Gipfelfoto.
- Ernst Pfund

Eispickel, Steigeisen und seiltechnische Vorkenntnisse seien ein Muss. „Es ist ein erhabenes Gefühl, auf dem Gipfel zu stehen“, sagt Tomann. Jedes Mal wieder. Das findet auch Katharina Daum. Gemeinsam mit Sohn Manuel ist sie auf 2389 Metern Höhe die Pächterin der Olpererhütte. Die beiden feiern heuer gemeinsam mit dem Olperer ein Jubiläum. Seit zehn Jahren bewirtschaften sie die Hütte. So oft es nur geht, zieht Daum vor dem Morgengrauen ihre Bergschuhe an und macht sich auf den Weg zum Gipfel. Sie müsse zeitig wieder in der Hütte sein. „Der Olperer ist für mich der ideale Trainingsberg“, sagt die Wirtin. Sie ist passionierte Bergsteigerin und feierte bereits zahlreiche Gipfelsiege rund um den Globus.

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Das Wetter muss aber passen. Das ist beim Olperer wie ein Lotteriespiel. Der Gipfel hüllt sich oft in einen Wolkenmantel. Zudem lässt die Kletterei so manchen Bergsteiger umkehren. „Der Olperer ist ein anspruchsvoller Gipfel“, weiß Daum. Laut dem Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit wurde die Alpinpolizei im Vorjahr zu fünf Einsätzen mit Schwerverletzten am Olperer gerufen. Unfälle, bei denen die Verletzten selbstständig das Krankenhaus aufsuchen, werden nicht erfasst. Ausrutschen und Stolpern seien die Hauptgründe für abgesetzte Notrufe am Olperer.

Daher sei es für Hüttenwirtin Daum nicht nur ein besonderes Gefühl, auf dem Gipfel zu stehen, sondern auch wieder gesund heimzukehren.

Der Weg auf den Olperer vom Schlegeisspeicher führt an der Olpererhütte vorbei.
Der Weg auf den Olperer vom Schlegeisspeicher führt an der Olpererhütte vorbei.
- Olpererhütte