Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 07.05.2017


Natur

Beim Salamander ist Feuer am Dach

Dem Feuersalamander geht es in Tirol nicht überall gut. Landschaftsveränderungen machen ihm das Leben schwer. Jetzt droht auch noch ein tödlicher Pilz.

© iStockphoto



Im Wald, wenn es kühl ist und regnet, schlagen sich Florian Glaser und Gerda Ludwig die Nächte um die Ohren. Unweigerlich drängt sich das mysteriöse und spannungsgeladene Stimmungsbild eines Krimis auf. Ganz so abwegig ist das gar nicht.

Nur, dass die beiden Biologen nicht nach einem Straftäter jagen. Sie wollen ein possierliches Tierchen aufspüren, das selten geworden ist in Tirol – den Feuersalamander. Der „Salamanderfresserpilz“ (Batrachochytrium salamandrivorans) droht auf die heimischen Salamander überzugreifen, nachdem er in den Niederlanden und Belgien bereits ganze Populationen dahingerafft hat. Inzwischen ist der Pilz in Deutschland angekommen.

Wenn das Wetter so mies ist, dass man keinen Hund vor die Tür schicken will, dann stehen die Chancen noch am besten, die nachtaktiven Amphibien aufzuspüren, wenn sie über den Waldboden krabbeln. „Es kann schon vorkommen, dass wir zu zweit in einer ganzen Nacht nur einen Feuersalamander finden“, erzählt Glaser, der im vergangenen Jahr mit dem Projekt Feuersalamandersuche in Tirol begonnen hat. „Wir haben nicht viel über den Salamander in Tirol gewusst und wollten seine Verbreitungs- und Gefährdungssituation klären. Dazu haben wir auch ein kleines Citizen Science-Projekt ausgerufen.“ Menschen, die viel im Wald zu tun haben, sollten melden, wenn ihnen ein Feuersalamander begegnet.

Gleichzeitig haben sich Glaser und Ludwig aber auch an einem Monitoringprojekt beteiligt, das von Doris Preininger vom Tiergarten Schönbrunn in Wien und dem Alpenzoo Innsbruck koordiniert wird. „Der Pilz ist fatal und bedroht die Populationen massiv. Die Gefahr ist hoch“, verdeutlicht auch die Wiener Biologin. Sie erklärt: „Wir beproben lebende Feuersalamander, indem wir mit einem Tupfer die Bauchseite und die Beine abstreichen. Wir wiegen sie und messen sie. Wir sekkieren sie also nur ein bisserl, lassen sie dann aber wieder frei.“ Die DNA-Auswertung übernimmt die Veterinärmedizinische Uni in Wien.

Obwohl 2016 noch großes Aufatmen angesagt war – es wurde keine DNA des fiesen Batrachochytrium salamandrivorans nachgewiesen –, soll das Projekt nun ausgedehnt werden. Haben sich Glaser und Ludwig letztes Jahr noch auf Tirol und Preininger auf die Salamandersammlung im Wiener Wald konzentriert, wird das Monitoring heuer auf Salzburg, Vorarlberg und Kärnten ausgedehnt. Die Österreichische Zoo-Organisation finanziert 2017 die Aktion. Im Vorjahr übernahm der Tiroler Naturschutzfond die Kosten in Tirol.

Heuer nimmt Glaser auch Abstriche vom Alpensalamander. „Wir wissen noch überhaupt nicht, wie der Alpensalamander auf den Pilz reagiert, doch er scheint genauso gefährdet zu sein. Der schwarze Alpensalamander ist ein Wahrzeichen von Tirol genauso wie der Steinbock“, sagt er. Es wäre ein dramatischer Diversitätsverlust, wenn Tirol durch den tödlichen Pilz gleich zwei Arten verlieren würde.

Um die steht es im Land nämlich ohnehin nicht mehr so gut. „Der Feuersalamander lebt nur in den Bezirken Schwaz, Kufstein, Kitzbühel und Lienz. Berichte über ein Vorkommen im Oberland sind bisher nur unbestätigte Gerüchte“, so Glaser. Vor allem in den Bezirken Schwaz, Kitzbühel und Lienz gibt es Anzeichen für zurückgegangene Bestände. Grund dafür sind Eingriffe in ihren Lebensraum.

Feuersalamanderlarven leben meist im Quellbereich von Waldbächen und reagieren hier sehr empfindlich gegenüber eingeleitetem Niederschlagswasser. „Die Feuersalamanderlarven sind schlecht auf diese Mini-Hochwasser angepasst, werden weggespült und landen schlimmstenfalls in der Kanalisation.“ Viele Tiere, die eigentlich bis zu 50 Jahre alt werden können, werden auch auf Straßen überfahren oder fallen in Weideroste.

Wer einen Feuersalamander findet, sollte ihn übrigens keinesfalls einfangen oder versetzen – die Tiere stehen wie alle Amphibien unter Schutz. Das Forscherteam freut sich aber über Fundmeldungen aus Tirol per E-Mail an florian.glaser@aon.at oder im Online-Meldeportal: http://herpetofauna.at/index.php/fundmelden.

Auch der heimische Feuersalamander wird durch den Pilz aus Asien bedroht.
- Florian Glaser
Der Alpensalamander begegnet einem oft als „Wegnarr“ oder „Wegmandl“. Er ist die einzige Amphibie, die voll entwickelte Junge zur Welt bringt. Alle zwei bis vier Jahre wachsen zwei Babys heran.
- Florian Glaser
Der Bergmolch ist eine von drei Molcharten in Tirol und ein Verwandter des Salamanders. Mit seinem orangen Bauch wird er im Volksmund als Feuersalamander bezeichnet – ist er aber nicht.
- Florian Glaser



Kommentieren


Schlagworte


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Bildergalerie
Bildergalerie

So schön ist der Herbst in Tirol: Die besten Fotos der TT-Leser

Der Herbst hält Einzug in Tirol und sorgt für ein unvergleichliches Farbenspiel. Die schönsten Fotos der TT-Leser haben wir in einer Bilder-Galerie für euch ...

Büroschlaf
Büroschlaf

Verpönt und doch so schön – der Büroschlaf

Wer hat sie nicht schon verspürt, die Sehnsucht nach einem Nickerchen bei der Arbeit? Gesund wäre es jedenfalls, da sind sich die Experten einig. Aber der Bü ...

Freizeit
Freizeit

Alpinmesse in Innsbruck: Für die Berge gerüstet sein

Auf der Alpinmesse in Innsbruck tummelten sich am Wochenende die Bergsportler. Präsentiert wurde u. a. ein neuartiges Suchgerät für Helikopter.

TT-Magazin
TT-Magazin

Lärchen-Zapfen für die Zukunft zupfen

Zwei Forstarbeiter ernten für ihren Einsatz nicht nur Respekt, sondern auch Hoffnung für die Tiroler Wälder: Zapfen für Zapfen pflücken sie von den Ästen. Fü ...

TT-Magazin
TT-Magazin

Wildlife-Fotowettbewerb: Der traurige Clown

Der Spanier Joan de la Malla wurde für sein Foto des Langschwanz-Makaken Timbul beim „Wildlife Photographer of the Year“ in der Kategorie „Wildlife Photojour ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »