Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.06.2017


Mutters

Crankworx-Festival in Tirol: Je dreckiger es wird, umso besser

Ein Team aus Neuseeland baut bei der Talstation Muttereralmbahn den riesigen „Dirtpark“ für das Crankworx-Festival.

Der Slopestyle-Bewerb bei der Muttereralm-Talstation ist neben dem Downhill-Rennen eine der zwei spektakulären Königsdisziplinen des Festivals, das vom 21. bis 25.6. erstmals in Innsbruck gastiert. 10.000 Besucher sollen kommen.

© CrankworxDer Slopestyle-Bewerb bei der Muttereralm-Talstation ist neben dem Downhill-Rennen eine der zwei spektakulären Königsdisziplinen des Festivals, das vom 21. bis 25.6. erstmals in Innsbruck gastiert. 10.000 Besucher sollen kommen.



Von Matthias Christler

Innsbruck – Eingerahmt von Erdhügeln, die auf einer Wiese unterhalb der Talstation der Muttereralmbahn aufgehäuft worden sind, steht ein kleines Männchen und schaut sich um. Der Regen naht. Wer sich dem Männchen nähert, erkennt, dass es gar nicht klein ist, die Hügel sind so gigantisch. Tom Hey ist mit seinem Team aus Neuseeland angereist, um 30.000 Kubikmeter Erde in Bewegung zu setzen, damit der „Dirtpark“ entstehen kann. So nennt man den Hindernisparcours aus Schanzen und Steilkurven. In zwei Wochen werden Mountainbiker beim Festival „Crankworx“ im Slopestyle-Bewerb (dabei fährt man durch den Park und eine Jury bewertet den Lauf) über die Erdhügel bis zu zehn Meter weit springen.

Groß, größer, Crankworx: Von dieser Holzkonstruktion springen die Mountainbiker ab.
Groß, größer, Crankworx: Von dieser Holzkonstruktion springen die Mountainbiker ab.
- Rudy De Moor / TT

Vier Bagger tanzen für die Feinarbeit nach der Pfeife des 36-Jährigen, der in den vergangenen zehn Jahren 15 Parks wie diesen gebaut hat. „Hauptsache, er funktioniert.“ Das heißt: „Die Strecke kann spektakulär ausschauen, doch viel wichtiger ist, dass die Sprünge und Landungen richtig abgestimmt sind. Ansonsten gibt es zu viele Stürze“, erklärt er, während er auf einen Plan schaut. Es beginnt zu tröpfeln.

Der Slopestyle-Bewerb bei der Muttereralm-Talstation ist neben dem Downhill-Rennen eine der zwei spektakulären Königsdisziplinen des Festivals, das vom 21. bis 25.6. erstmals in Innsbruck gastiert. 10.000 Besucher sollen kommen, 900.000 Euro kostet die Veranstaltung. Den kritischen Stimmen aus der Szene, die sagen, dass so ein Event besser auf die Nordkette passen würde, steht ein „Masterplan“ gegenüber, wie Muttereralmbahn-Geschäftsführer Werner Millinger sagt. „Tom Prochazka (Anm. Trail-Planer mit 20-jähriger Erfahrung) hat sich die Berge rund um Innsbruck angeschaut und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Seite Mutters/Götzens am besten für neue Trails eignet.“ Den Plan habe man mit den Naturschutzplänen abgeglichen und er solle in fünf Jahren umgesetzt sein.

Muttereralmbahn-Geschäftsführer Werner Millinger sitzt auf der Startplattform.
Muttereralmbahn-Geschäftsführer Werner Millinger sitzt auf der Startplattform.
- Rudy De Moor / TT

„Die große Vision ist, dass der Bikepark bis in die Axamer Lizum erweitert wird, dass wir vom Hoadl aus eine geschlossene Trail-Verbindung bis nach Mutters haben und dann in weiterer Folge ein Radweg bis nach Innsbruck führt“, sagt Millinger. Der Radweg Mutters – Innsbruck soll heuer noch umgesetzt werden. An Dimensionen wie in Whistler, dem Ursprung des Crankworx-Festivals, wo es Hunderte Trails gibt und 130.000 Zuschauer zum Event kommen, denkt er nicht. Heuer im ersten Jahr – eine zweite Auflage 2018 ist bereits vertraglich geregelt – müsse man sehen, dass es einmal anläuft. „Man kann den Bikepark Innsbruck nicht mit Whistler vergleichen. Das ist wie im Skifahren, wo es auch nur ein Hahnenkammrennen und andere kleinere Weltcup-Veranstaltungen gibt.“

Tom Hey (l.) bespricht mit einem Kollegen letzte Arbeiten am Park.
Tom Hey (l.) bespricht mit einem Kollegen letzte Arbeiten am Park.
- Rudy De Moor / TT

Der große Regen kommt heute nicht. Wenn es beim Festival nass wird, würde das vielleicht den Zuschaueransturm beeinträchtigen, die Mountainbiker nicht. Für die gilt ohnehin, je dreckiger man wird, umso besser. Genauso macht Tom Hey sich keine Sorgen um die Erdhügel. Die seien stabil, versichert er. „Hier in Mutters ist es leicht zu arbeiten, der Boden ist gut mit nicht zu vielen Steinen. Aber nicht nur für den Park, auch für Downhill-Strecken sind die Bedingungen ideal. Ihr habt tolle Wälder und in Verbindung mit den traditionellen Häusern sehen die Strecken noch besser aus.“ Vor dem endgültigen Abschluss der Arbeiten wird er selbst aufs Bike steigen und als einer der Ersten den Park testen: „Das gehört zum Job“, lächelt er.

Crankworx-Festival

Infos. Vom 21. bis 25. Juni dreht sich im Bikepark Innsbruck in Mutters und zum Teil auch in Götzens alles ums Rad. Der Eintritt zu allen Events ist frei. Infos: www.crankworx.com

Bewerbe, Whip-off (Speicherteich): Das Rad muss möglichst stylisch über die Schanzen befördert werden.

Dual Speed (Talstation Muttereralm): Im Dirtpark treten zwei Fahrer gegeneinander an.

Pump Track (Talstation): ein Rennen über kleine Hügel, ohne in die Pedale zu treten. Downhill: Rennen auf dem Trail nach Götzens.

Slopestyle (Talstation): Die Profis fahren bzw. springen durch den eigens angelegten Dirtpark.

Kidsworx. Für Kinder und Jugendliche gibt es im Rahmen des Festivals eigene Programmpunkte-vom Fahrtechnik-Training über Workshops mit den Profis bis zu Rennen am Pumptrack.

Infos zu den Terminen und zur Anmeldung unter
www.crankworx.com/cwx-kidsworx/innsbruck

Auch beim Speicherteich wurden Erdhügel für einen Bewerb aufgeschüttet.
Auch beim Speicherteich wurden Erdhügel für einen Bewerb aufgeschüttet.
- Rudy De Moor / TT