Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.06.2017


Bezirk Kufstein

Kletterer feiern die Herausforderung

Vor 40 Jahren entstand in Ellmau Europas erste Kletterroute mit dem anspruchsvollen 7. Schwierigkeitsgrad.

Gemeinsam mit Bergsportfreunden feierten Guido Unterwurzacher, Peter Brandstätter und Tom Rabl (l., v. l.) auf der Wochenbrunner Alm in Ellmau ihre gemeinsame Passion.

© EberharterGemeinsam mit Bergsportfreunden feierten Guido Unterwurzacher, Peter Brandstätter und Tom Rabl (l., v. l.) auf der Wochenbrunner Alm in Ellmau ihre gemeinsame Passion.



Von Brigitte Eberharter

Ellmau – Mit einem Kletterfestl auf der Wochenbrunner Alm in Ellmau erinnerten die Kitzbüheler und Kufsteiner Bergführer an jenen Tag, als vor 40 Jahren die „Pumprisse“ im Wilden Kaiser begangen wurde. Erstmals ein 7. Schwierigkeitsgrad in Europa.

Bis zum 1. Juni 1977 war die Skala der Schwierigkeitsgrade nach oben geschlossen. Es gab 6+ und das galt als äußerste Grenze des Menschenmöglichen. Als die Deutschen Helmut Keine und Reinhard Karl mit der Pumprisse im Wilden Kaiser die erste offizielle Route im 7. Schwierigkeitsgrad eröffneten und dabei spezielle Klemmkeile verwendeten, wurde internationale Klettergeschichte geschrieben. Es kam die Diskussion um die Öffnung der Skala in Gang, die auch von Reinhold Messner unterstützt wurde.

Wie sich Kaiser-Kletterer Peter Brandstätter erinnert, gab es daraufhin einen regelrechten Hype um diese Tour. Manchmal musste man am Wochenende beim Einstieg Schlange stehen. „Heute wird diese Route zwei- bis dreimal in der Saison geklettert“, weiß Bergführer Guido Unterwurzacher. Zusammen mit seinem Kollegen Tom Rabl und den übrigen Bergführern wollen sie die klassischen Klettertouren im Wilden Kaiser wieder beleben. An der ursprünglichen Tour über die „Pumprisse“ wurde nichts verändert, man kann sie heute noch so klettern wie vor 40 Jahren, als man sich jeden Zentimeter erarbeiten musste. Diese Tour verlangt auch heute noch ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Zudem sei das Klettern im freien Gelände nicht zu vergleichen mit dem Klettergarten.

Mittlerweile ist das Können der Kletterer explodiert. Die Bergführer sind sich einig darüber, dass das alpine Klettern auch heute noch mit leichten Touren beginnen muss. Auch wenn Kletterer in der Halle höchste Schwierigkeitsgrade bewältigen, so sage dies wenig darüber aus, wie sie am Berg zurechtkommen. Kletterhalle, Klettergarten und dann mit den leichten alpinen Touren in die Bergwelt einsteigen – das wollen die Bergführer vermitteln. Letztlich gehe es nicht um bewältigte Schwierigkeitsgrade, sondern ums Bergerlebnis. „Die Leute sind heute mit leichten Gradtouren vollkommen überfordert“, sagt Unterwurzacher. Vor allem hätten sie Probleme mit der Wegfindung. Trotzdem haben viele Berührungsängste mit dem Bergführer. Bei einer geführten Tour gehe es nicht nur darum, dass jemand voran geht, sondern vielmehr um die wertvollen Tipps des Bergführers während der Tour.

Zum Kletterfestl sind viele Bergsteiger aus nah und fern auf die Wochenbrunner Alm gekommen. Dort oben ist der ideale Ausgangspunkt für viele Klettertouren und Bergwanderungen. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden bereits die schwierigsten Touren der Alpen im Wilden Kaiser eröffnet, mit der „Pumprisse“ erlebte das Kaisergebirge einen weiteren Höhepunkt in seiner Klettergeschichte und nun geht es darum, das Bergerlebnis wieder in den Mittelpunkt zu stellen.




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