Letztes Update am Mi, 19.07.2017 04:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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10 Verhaltensregeln: „Erklärfilm“ zeigt Umgang mit Kühen

Nach der tödlichen Kuhattacke auf einer Alm in Erl Anfang Juni hat die Landwirtschaftskammer eine neue Informations-Offensive angekündigt. Das Herzstück – ein Erklärfilm – ist ab sofort online abzurufen.

© YouTube/LK TirolDas Video soll die wichtigsten Verhaltensregeln anschaulich darstellen, um kritischen Situationen vorzubeugen.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Der Start in die Tiroler Hauptwanderzeit stand heuer unter keinem guten Stern – wurde er doch von einem tragischen Vorfall überschattet: Bei einem Angriff einer Kuhherde am 7. Juni im Bereich der Kranzhornalm im Gemeindegebiet von Erl wurde eine 70-jährige Einheimische so schwer verletzt, dass sie noch an der Unfallstelle verstarb. Ihre Begleiterin blieb unverletzt, einer der beiden mitgeführten Hunde wurde allerdings bei dem Kuhangriff ebenfalls getötet.

An dem Unglück entzündete sich einmal mehr die Diskussion über das korrekte Verhalten von Wanderern auf den Almen und einem funktionierenden Zusammenspiel von Landwirtschaft, Tourismus und Erholungsuchenden im Gebirge. Eine Diskussion, die bereits 2014 nach einer tödlichen Kuhattacke im Stubaital geführt worden war. Damals hatten Landwirtschaftskammer, Alpenverein, Seilbahnwirtschaft und Tirol Werbung eine Informationskampagne gestartet und mit Tafeln und Informationsfoldern über den richtigen Umgang mit dem Almvieh aufgeklärt. Nach dem Kuhangriff im Juni hatte Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger angekündigt, die Aufklärungsarbeit erneut zu intensivieren.

Kernstück dieser neuen Informationskampagne ist ein dreieinhalbminütiger Erklärfilm, der in Comicform die wichtigsten Verhaltensregeln für Wanderer veranschaulicht. „Nach dem tragischen tödlichen Unfall zu Beginn der diesjährigen Almsaison war für uns klar, dass es noch mehr Bewusstseinsbildung hinsichtlich des richtigen Verhaltens auf den Almen braucht“, erklärt Hechenberger. „Dieser Film ist sehr einfach gestaltet, sodass verschiedenste mögliche Szenarien und Situationen auf den Almen eingebaut und das entsprechend richtige Verhalten erklärt werden kann“, so der Landwirtschaftskammer-Präsident weiter.

Regeln leicht erklärt

Regel 1: Den Weg nie verlassen und über keinen Zaun steigen.

Regel 2: Zügig durch Tore und Zäune gehen und sie schließen.

Regel 3: Auf dem Wanderweg bleiben und nicht näher als nötig zu den Kühen hingehen.

Regel 4: Kühen auf dem Wanderweg großräumig ausweichen, keine hektischen Bewegungen machen.

Regel 5: Bei Kühen mit Kälbern achtsam sein. Kälber niemals streicheln.

Regel 6: Hunde an der Leine führen und ruhig halten.

Regel 7: Wenn eine Kuh auf einen Hund losgeht, ihn ableinen. Der Hund ist schneller als die Kuh.

Regel 8: Nie von einer Kuh wegrennen. Langsam entfernen und ihr nicht den Rücken zukehren.

Regel 9: Bei einem Angriff sich groß machen und Arme heben.

Regel 10: Diese Regeln beim Wandern beachten.

Der Clip wurde gemeinsam von der Landwirtschaftskammer Tirol, der Tirol Werbung, dem Alpenverein, der Wirtschaftskammer und der Landesveterinärdirektion konzipiert und soll ein weiterer Schritt sein, um bei Wanderern, Freizeitsportlern und Erholungsuchenden mehr Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Weidevieh zu schaffen. Er kann unter dem Titel „Eine Alm ist kein Streichelzoo“ im Internet auf YouTube oder auf der Homepage der Landwirtschaftskammer Tirol (tirol.lko.at) abgerufen werden. Dort findet man außerdem auch die Informationsfolder. Mit dem Erklärfilm können weiters Infoscreens in Tourismusgebieten oder bei Bergbahnen bespielt werden, heißt es seitens der Landwirtschaftskammer.

Wie notwendig Aufklärungsarbeit nach wie vor ist, haben in den vergangenen Tagen wieder zwei Vorfälle mit Kühen in Kärnten und in der Steiermark gezeigt. Am Sonntag griff in Hermagor eine Herde von rund 50 Tieren mehrere Wanderer an und verletzte drei Personen. Am Montag wurde auf der Turracher Höhe eine Deutsche Urlauberin bei einem Kuhangriff schwer verletzt. Bei beiden Vorfällen hatten die Wanderer Hunde mitgeführt.