Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.09.2017


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Das Tal der Hirten

Noch lockt eine Almenrunde ins Fotschertal: Bis einschließlich 17. September haben nämlich Seigesalm und Almind Alm geöffnet – beide verbindet eine leichte, beschauliche Rundwanderung.

Zum Ruhenden Hirten heißt das Platzerl oberhalb der Seigesalm, wo eine Statue Namen von Hirten anführt, die hier im Einsatz waren.

© RappZum Ruhenden Hirten heißt das Platzerl oberhalb der Seigesalm, wo eine Statue Namen von Hirten anführt, die hier im Einsatz waren.



Von Irene Rapp

Sellrain – Das Fotschertal in Sellrain wird vor allem im Winter von Skitourengehern aufgesucht. Im Sommer grasen auf den weiten Flächen Hunderte Tiere – allein im Bereich der Almind (1755 m) und der noch weiter im Tal liegenden Seealm sind es 430 Stück, die von der Familie Riedl aus Axams betreut werden. „Die Saison war eine gute“, erzählt Günther Riedl, nur ein Tier starb krankheitsbedingt.

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Den Track für die Tour finden Sie unter http://go.tt.com/2vNjAIN

Auf der Seigesalm (1872 m) – oft auch Saiges- oder Seigis­alm geschrieben – wurden an diesem Dienstag bereits viele Rinder ins Tal gebracht. „Es gibt nicht mehr viel Gras“, erzählt Evelin Venier aus Tarrenz, die aber noch bis einschließlich 17. September Besucher bewirtet. Beide Almen können im Rahmen einer beschaulichen Rundwanderung verbunden werden, eine technisch anspruchslose, aber mit rund zehn Kilometern nicht zu unterschätzende Tour.

So kommt man hin: Nach Sellrain im Sellraintal und von dort links hinauf ins Fotschertal (beschildert). Nun rund vier Kilometer bergauf, zunächst auf Asphalt, dann Schotter bis zum Gasthof Bergheim, wo man kostenfrei parken kann. Gleich gegenüber des Parkplatzes bei einem Weidegatter durch und der Beschilderung Almind Alm (1 h) bzw. Seiges­alm (2,5 h) folgen.

Zuvor geht es aber zur Seigesalm.
Zuvor geht es aber zur Seigesalm.
- Rapp

Man geht eine Schotterstraße leicht bergauf, bei einer Wegteilung Richtung Seiges­alm rechts an einer Holzhütte vorbei. Weiter bergauf bis zu einer Kurve, hier zweigt man in den Wald hinein ab (beschildert, Seigesalm): auf einem Pfad hinab, über eine kleine Brücke und dann gleich wieder hinauf zur nächsten Forststraße. Diese führt, langsam an Höhe gewinnend, quasi wieder talauswärts.

Überall gurgeln Bächlein, man sieht gut auf die andere Talseite und langsam auch hinaus Richtung Norden. Dann öffnet sich der Blick und man erreicht eine Lichtung, die tolle Blicke hinab ins Inntal gewährt. Die Almgebäude hier sind aber noch nicht das Ziel, jetzt geht es quasi ums Eck und wieder taleinwärts. Die Seiges­alm kann man schon erkennen, sie liegt auf der anderen Seite eines Grabens, der noch umgangen werden muss.

Blick zu Fotscher Windegg und Gamskogel.
Blick zu Fotscher Windegg und Gamskogel.
- Rapp

Hat man die Alm mit dem großen Stall erreicht, kommt man aus dem Schauen nicht heraus: Auch von hier aus bieten sich tolle Ausblicke auf Inntal, Karwendel und Wettersteingebirge. Noch dazu sitzt man quasi unter beliebten Zielen im Winter: Denn Fotscher Windegg (2577 m) und Gamskogel (2229 m) sind bei Skitourengehern beliebt.

Zur Almind Alm gelangt man über einen sanierten Weg, der Blicke in das angezuckerte Fotschertal erlaubt.
Zur Almind Alm gelangt man über einen sanierten Weg, der Blicke in das angezuckerte Fotschertal erlaubt.
- Rapp

„Im Sommer kommen viele Mountainbiker zu uns“, erzählt Evelin Venier. Wanderer hingegen gehen von hier aus oft noch weiter zur Almind Alm. Dazu ein Stück des Weges zur Seigesalm wieder retour bis zu einem Wegweiser, der Richtung taleinwärts führt. Man kommt zunächst zum Ruhenden Hirten, einer kleinen Statue, die an alle Hirten erinnert, die hier heroben schon im Einsatz waren. Dann führt der Steig, der von Langzeitarbeitslosen erst diesen Sommer umfassend ausgebessert worden ist, hinein in ein entzückendes Wald- und Wiesenstück. An einigen Stellen waren allerdings hier auch die Kühe unterwegs und nach den Schneefällen des vergangenen Wochenendes ist der Boden daher tief. Doch das sollte mit gutem Schuhwerk kein Problem darstellen und man bewundert dafür die neuen Stufen und Stege sowie die frischen Markierungen.

So geht es leicht bergab, dann gelangt man wieder zu einer Forststraße. Dieser folgt man bergab bis zur Almind Alm. Günther und Daniela Riedl sind hier schon seit Jahrzehnten im Einsatz, vor Günther war es sein Vater, von dem ein Foto in der Küche hängt.

Die Almind Alm.
Die Almind Alm.
- Rapp

Weiter geht es auf dem Forstweg, der sich in einigen Kurven ins Tal zieht. Wenn dieser in den Weg hinauf zur Seigesalm einmündet, ist es nicht mehr weit zum Parkplatz. Fazit: Obwohl viel auf Forstwegen gewandert wird, ist die Wanderung nicht langweilig. Natürlich könnte man die Tour auch in umgekehrter Richtung angehen. Ein Wermutstropfen ist aber, dass das Gasthaus Bergheim beim Parkplatz immer noch geschlossen hat (laut TVB wird nach einem Käufer gesucht). Und die Potsdamerhütte weiter drinnen im Tal wird nach einem Brand im Frühjahr erst wieder im Sommer 2018 öffnen.

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