Letztes Update am Fr, 13.10.2017 08:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Science Busters

Puntigam: „In 300 Jahren bin ich Teil einer Gulaschsuppe“

Die Science Busters verknüpfen seit zehn Jahren banale Alltagsfragen mit Wissenschaft. Martin Puntigam weiß inzwischen viel über den Leib Christi, Tierversuche und Hagelflieger, aber bei Quantenphysik wird selbst er etwas kleinlaut.

© ScienceHelmut Jungwirth, Martin Puntigam, Florian Freistetter (v. l.) präsentieren ihr Buch "Warum landen Asteroiden immer in Kratern?", 288 Seiten, Hanser Verlag; 22,70 Euro.



Von Matthias Christler

1. Warum ist es den Science Busters wurscht, potenzielle Buch-Käufer – vom Tierversuchsgegner bis zum ÖVP-Wähler – zu vergraulen?

Getreu dem Motto „Wer nichts weiß, muss alles glauben“ arbeiten die Science Busters, ein Kollektiv aus dem Kabarettisten Martin Puntigam und Forschern in wechselnder Besetzung, seit zehn Jahren zusammen. In ihrem neuen Buch („Warum landen Asteroiden immer in Kratern?“) machen sich die Freunde der Wissenschaft einige Feinde. „Das, was wir z. B. über sinnvolle Tierversuche schreiben, ist genau recherchiert und für den Stand der Wissenschaft können wir ja nichts“, sagt Martin Puntigam – der im pinken Raddress – fast entschuldigend.

In einer der 33 Antworten auf die „wichtigsten Fragen der Menschheit“, bei der es um den vom Menschen verschuldeten Klimawandel geht, ist ein Seitenhieb auf Sebastian Kurz („... wenn oberhalb der Meeresoberfläche rassistische Politiker behaupten, so genannte Mittelmeerrouten müssen geschlossen werden...“) zu lesen. Das beziehe sich nicht nur auf Kurz, „der wahrscheinlich auch Angst vor der Krampusroute am 5.12. hat“, meint Puntigam, sondern auf alle Politiker mit dieser Herrenmensch-Attitüde. Obwohl das oberflächlich nichts mit Wissenschaft zu tun hat, passt es, „weil wir auf aufklärerische Weise Sachverhalte offen legen wollen“.

2. Wieso kann der Mensch das Wetter nicht beeinflussen – wie die in Tirol eingesetzte Hagelabwehr glaubhaft machen wollte?

Die Menschen aus dem Raum Kitzbühel und Kufstein müssen jetzt stark sein: Denn der Glaube, dass die Hagelflieger, die Wolken mit Silberjodid „impfen“, um sie zu „entschärfen“, wirksam sind, lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Das schreiben Puntigam und seine Forscher-Kollegen. „Bei solchen Methoden steckt oft ein Geschäftsinteresse dahinter. Ich muss schon sagen, das sind keine Geheimwissenschaften, aber wenn man das ignorieren möchte, gibt es viele Dinge, die man glauben kann. In Tirol fällt mir da das Grander-Wasser ein.“ Es sei absurd, an solche heilsamen Wirkungen zu glauben.

3. Wie schaffen es die Science Bus­ters, der Zeit voraus zu sein?

In ihrem ersten Buch fragten die Wissenschaftskabarettisten „Warum der Mensch zum Mond will und wie?“, jetzt legen USA, Russland und Europa ihre Pläne neuer Mond-Missionen offen. „Das uns an die Fahnen zu heften, wäre sogar für uns zu dick aufgetragen.“ Bei einem anderen Thema hört man bei Puntigam mehr Stolz heraus. Es habe sich perfekt getroffen, dass der Vatikan glutenfreie Hostien „verteufelte“, genau zu der Zeit, als sie dazu recherchierten. In einem Kapitel spannen sie den Bogen vom Leib Christi zu dem, wie unnötig es für die meisten Menschen ist, auf glutenhaltiges Essen zu verzichten, und dass dahinter auch nur eine geldgierige Lobby steht.

4. Apropos, „wie viele Jesus-Atome stecken in jedem von uns“?

In zehn Jahren Science Bus­ters ist das Puntigams Lieblingsfrage. Er erklärt, dass jeder aus Atomen besteht, also auch Jesus, und die nicht einfach verschwinden, dafür aber in anderer Form weiter bestehen. „Ich bin in 300 Jahren vielleicht Teil einer Gulaschsuppe.“ Scherz beiseite: Ihm gefällt die Vorstellung, dass schon ein paar Atome des 2016 verstorbenen Kollegen Heinz Oberhummer umherschwirren und „er nicht ganz weg ist“.

5. Die Quantenphysik kann aber nicht einmal ein Science Buster erklären – oder?

Das sei eine bizarre Welt, „die liegt außerhalb meiner Reichweite“, gibt Puntigam zu. Aber wer weiß heute schon, wie das Smartphone funktioniert oder wie künstliche Intelligenz Autos steuert? „Die Diskrepanz zwischen dem, was wir benutzen, und was wir verstehen, wird immer größer. In Wahrheit hört mit der Mechanik, wenn man einen Hebel drückt und etwas bewegt sich, das Verständnis von Physik bei den meisten auf.“

6. Und warum landen Asteroiden nun immer in Kratern?

Bei der Titelfrage des Buches amüsieren sich die Science Busters neben Fakten – zum Beispiel, dass täglich 100 Tonnen Staub aus dem All auf die Erde fallen oder der Einschlagskrater etwa zehn Mal größer als der Asteroid ist – vor allem über eines: dass die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich von einem Asteroiden getroffen wird, viel kleiner ist als beim Lieblingsnachbarn Deutschland.