Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.10.2017


Freizeit

Das Böse Weibele ist gar nicht böse

Eine einfache, aber trotzdem lohnende Wanderung führt diesmal nach Osttirol. Genau gesagt hinauf zur Hochsteinhütte und von dort weiter zum Bösen Weibele auf 2521 Metern. 540 Höhenmeter, zehn Kilometer.

© flexVom Gipfel aus blickt man in Richtung Lienzer Talkessel und auf die Lienzer Dolomiten.



Assling/Bannberg – So genannte „Böse Weibelen“ gibt es in Osttirol einige zu finden. Natürlich nicht, was das weibliche Geschlecht, sondern die Osttiroler- und Lesachtaler Bergwelt betrifft. Zuletzt sind wir auf das Böse Weibele am Grat – genau gesagt am Rücken zwischen dem Isel- und dem Osttiroler Pustertal – gewandert. Die Betonung liegt auf gewandert, denn im Vergleich zu ihren gleichnamigen Artgenossen darf der Ausflug auf das Böse Weibele hoch über dem Lienzer Talkessel als einfache Tour mit Genuss­charakter gesehen werden. Langweilig wird einem dennoch nicht. Zwar sind nur etwa 540 Höhenmeter zu bewältigen, dafür zieht sich die Wanderung mit knapp zehn Kilometern (hin und retour) doch ziemlich in die Länge.

Die Zeit vergeht trotzdem wie im Flug, denn der Rundumblick während des Marsches ist faszinierend: Von den Karnischen Alpen, den Lienzer- und Sextener Dolomiten bis hin zum Großvenediger, den Hohen Tauern oder Gipfeln der Schobergruppe etwa – das 360-Grad-Panorama ist vom Allerfeinsten. Sogar das Glitzern des Weißensees (Kärnten) ist bei guten Lichtverhältnissen manchmal zu sehen. Und um es nicht zu vergessen: Wer es bis aufs Böse Weibele schafft, befindet sich fast in der geografischen Mitte Osttirols.

So kommt man hin: Natürlich kann man die Tour von Lienz aus starten. Wir aber wollen es diesmal etwas gemütlicher angehen, den goldenen Herbst so richtig genießen und starten beim Parkplatz der Hochsteinhütte. Von Leisach aus geht’s zunächst mit dem Auto über die Pustertaler Höhenstraße hinauf bis nach Bannberg (Gemeinde Assling). In Bannberg folgen wir den Wegweisern „Hochsteinhütte“ bis zur Mautstelle (gebührenpflichtig, 7 Euro) und von dort aus erreichen wir nach weiteren sechs Kilometern auf asphaltierter Straße einen großen Parkplatz und Ausgangspunkt unserer Wanderung auf knapp 2000 Metern Seehöhe.

Der Weg zum Bösen Weibele ist nie wirklich schwierig.
- flex

Wir folgen zunächst dem Forstweg, bald einem schmalen Steig leicht steigend nach oben und erreichen oberhalb der Baumgrenze freies Almengelände und nach wenigen Gehminuten die Hochsteinhütte. Weiter geht’s in Richtung Westen. Die gelben Hinweisschilder verraten uns den Weg. Aber ganz ehrlich: Wirklich verlaufen kann man sich am Weg zum Bösen Weibele nicht. Zumindest nicht, wenn gutes Wetter herrscht, denn während des gesamten Aufstieges steht das Böse Weibele direkt vor uns.

Leicht kupiert führt uns die Wanderung zunächst hinauf zum großen Hochsteinkreuz und von dort immer wieder leicht bergauf und bergab am breiten Rücken dem Ziel entgegen. Die Hälfte der Strecke ist bereits zurückgelegt, und erst jetzt wird der Steig schmäler und steiniger, bleibt aber einfach. Steinmännchen zieren immer wieder das Landschaftsbild, Senken und Gräben erinnern an den Ersten Weltkrieg. Das Böse Weibele rückt näher und näher. Und erst die letzten Meter hinauf zum Gipfelkreuz werden etwas anstrengender. Doch dann sind wir am Ziel und auf 2521 Metern angelangt.

Wir sind die Tour an einem der schönen Herbsttage der vergangenen Woche gegangen, inzwischen präsentiert sich das Gelände ein wenig angezuckert. Allerdings stellt die Wanderung mit entsprechendem Schuhwerk trotzdem kein Problem dar. Dafür blies uns am Gipfel der bekannte Tauernwind um die Ohren, und so kehrten wir dem Bösen Weibele bald den Rücken zu. So wie wir nach oben gekommen sind, geht’s zurück zur Hochsteinhütte. Und jetzt kehren wir dort natürlich auch ein. Immerhin sind wir fast vier Stunden gewandert und haben uns eine Stärkung verdient.

Der Weg zum Bösen Weibele ist nie wirklich schwierig (l.), vom Gipfel aus blickt man in Richtung Lienzer Talkessel und auf die Lienzer Dolomiten. Fotos: flex
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Im Gegensatz zum Gipfel ist es auf der Südterrasse der Hütte angenehm, denn die doch noch kräftige Herbstsonne brennt mit voller Energie auf die Holzfassade. Und mit den Lienzer Dolomiten, die direkt vor uns liegen, sitzen wir quasi wie im Kino.

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie unter http://bit.ly/2y3T1A2

Direkt hinter der Hütte fällt uns eine Art Kapelle mit einer Glocke auf, bestückt mit vielen verschiedenen Steinen aus unterschiedlichsten Ländern der Welt. Dabei handelt es sich um die so genannte Friedensglocke, die ein Symbol der interreligiösen Kirche darstellt. Bis zum 29. Oktober ist die Hochsteinhütte noch geöffnet, bevor Herbert und Daniel ihre Pforten für ca. eineinhalb Monate schließen. Ab Mitte Dezember ist die Hütte wieder bewirtschaftet – für Wintergäste und auch Skitourengeher. Denn das Böse Weibele ist auch im Winter ein beliebtes Ausflugsziel für Skitourengeher. Vor allem, wenn die Pisten von Lienz über den Hochstein hinauf in Betrieb sind. (flex)




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