Letztes Update am Do, 02.11.2017 12:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zirler Bergfilmfestival

Holztrift in Tirol: Die stillen Holz-Helden

In Schwerarbeit schafften Trifter Holz durch die enge Gleirschklamm ins Tal. Sie sind „stille Helden“, die das Zirler Bergfilmfestival vor den Vorhang holt.

© Naturpark KarwendelJahrhundertelang wurde das Holz aus dem Karwendel durch die enge Gleirschklamm getriftet.



Von Theresa Mair

Es war ein weiter Fußmarsch von Scharnitz bis zur Klausenhütte im Gleirschtal im Karwendel. Die Mutter hat ihnen gestockte Brennsuppe mitgegeben, die sie am Bach mit Wasser verdünnten. Das Essen musste für eine Woche reichen. Sommer für Sommer begleitete Arnold Riedl seinen Vater zur Holztrift, um das Brennholz für die Familie über die Gleirschklamm aus dem Tal zu bringen. 1948, mit 13 Jahren, schlug er seine letzte Klause. „Da musste man mit einem Stecken von der Brücke hinabschlagen, damit sich das Schleusentor öffnet. Ich weiß noch, wie es mir die Gänsehaut aufzog, weil alles zitterte, als das aufgestaute Wasser durchschoss“, erinnert er sich.

Arnold Riedl (l.), Ernst Ragg (M.) und Heinz Neuner (r.) waren als Kinder bei der Holztrift dabei.
- Neuner

Die Holztrift, die im Gleirschtal bis ins 16. Jahrhundert zurück­reicht, war eine gefährliche Arbeit. „Manchmal, wenn sich die langen Stämme in der engen Klamm verkeilten, mussten die Holzer dort sprengen, oder sie haben mit Gewehren auf die Stämme geschossen, bis einer brach“, erinnert sich der 83-Jährige. Am früheren Ländsee, wo heute in einer alten Holzerhütte aus dem Gleirschtal ein Besucherzentrum entsteht, wurde das angeschwemmte Holz aus dem Wasser gezogen. „Schon damals war die Rede davon, dass es bald aufhören wird mit der Trift, dass bald die Lkw kommen.“

Fast 70 Jahre später hat Riedl den Filmemacher Bernhard „Burnz“ Neuner zum Schauplatz der Holztrift begleitet und ihm von früher erzählt. Das Ergebnis, ein zehnminütiger Kurzfilm, wird beim Bergfilmfestival in Zirl zum ersten Mal dem Publikum vorgeführt.

Filmisch-alpine Reisen

Auch in der 17. Auflage des Bergfilmfestivals werden die „stillen Helden des Bergsports“ auf großer Leinwand gezeigt, wie Florian Neuner von der Tirol Werbung ankün­digt. Viele der Protagonisten mischen sich am Filmabend, veranstaltet von der Alpenvereinsjugend Zirl, unter die Gäste. So auch Simon Messner (Sohn des legendären Alpinisten Reinhold), der in Zirl einen Bogen von der Eiger Nordwand über den Oman bis nach Nepal spannt.

"Burnz" Neuner hat Arnold Riedl für seinen Beitrag beim Bergfilmfestival gefilmt.
- Neuner

Weitere Filme entführen auf die Spur des Goldes in den Bergen Kirgisiens, nach Japan zum Freeriden und in die französische Verdon-Schlucht zum Tanzen. Der Blick verliert sich im norwegischen Nachthimmel und kehrt nach Zirl zurück. Dort wurden die Sicherungsarbeiten bei der Ehnbachklamm dokumentiert. Weitere Infos zum Bergfilmfestival, das am 10. November im Veranstaltungszentrum B4 um 20 Uhr startet und u. a. mit Livemusik, einer Fotoausstellung sowie einer Outdoor-Messe aufwartet, unter Tel. 0650/6403292 und facebook.com/avjzirl