Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.12.2017


Inklusion

„Die Natur steht allen Menschen offen“

Inklusion ist überall möglich – auch am Berg. Der Alpenverein sucht Menschen mit und ohne Behinderung für eine Alpenüberquerung.

© alpenvereinEine Behinderung soll kein Grund sein, auf die Berge zu verzichten: Bei der „Inklusive Transalp“ werden Hindernisse gemeinsam überwunden.Foto: Alpenverein



Innsbruck – Sich in der Natur zu bewegen, das war Andrea Szabadi-Heines Leben. Doch 1999 erlitt die Erlebnispädagogin aus dem Allgäu einen schweren Bergunfall. Seitdem sitzt sie überwiegend im Rollstuhl. „Im ersten Moment dachte ich, alles ist aus und vorbei“, erzählt die Sportlerin. Doch dann kam ihr die Idee, ihre Erfahrungen zu nützen und Angebote für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Klettern, Paddeln, Skifahren – man glaubt gar nicht, was heute alles möglich ist. Man müsse sich nur trauen. „Die Barrieren im Kopf werden langsam abgebaut und es gibt viele Hilfsmittel“, so Szabadi-Heine. Mit ihrem motor­unterstützten Mountainbike bewältigt die Outdoor-Trainerin beispielsweise Schotterstraßen und Wurzelwege. Doch die besten „Hilfsmittel“ sind die Menschen selbst.

Der Österreichische Alpenverein startet deshalb unter Szabadi-Heines Leitung ein spannendes Projekt. Unter dem Titel „Inklusive Transalp“ werden sieben Menschen mit und sieben Menschen ohne Behinderung gesucht, die vom 6. bis 15. September 2019 gemeinsam über die Alpen wandern, rollen oder radeln. Gestern wurde der Plan in Innsbruck präsentiert. „Inklusion ist überall möglich. Die Natur steht allen Menschen offen“, sagte Andreas Ermacora, Präsident des Österreichischen Alpenvereins, dazu.

Bis 15. Jänner 2018 können sich Interessierte ab 18 Jahren für die „Inklusive Transalp“ bewerben. Ein Jahr lang haben die 14 ausgewählten Bewerber dann Zeit, sich kennen zu lernen, die Routen und Unterkünfte auszuwählen und selbst Ideen einzubringen. Erst dann wird entschieden, wo die Tour startet, auf welche Weise die Alpen überquert und wie viele Kilometer bewältigt werden. Fix ist nur das Ziel: die Ferienwiese Weißbach, ein barrierefreier Zeltplatz der Alpenvereinsjugend bei Lofer.

Neben diesem Projekt leistet der Alpenverein weitere Aufklärungsarbeit: Kriterien für rollstuhlgerechte Hütten und Wege wurden 2016 ausgearbeitet. 33 ausgewählte barrierefreie Touren sind bereits im Tourenportal der Alpenvereine www.alpenvereinaktiv.com verzeichnet.

Details zur „Inklusive Transalp“ findet man unter www.alpenverein.at/inklusion (nic)