Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.05.2018


E-Bikes

Getunte E-Bikes: Mehr Tempo mit Tücken

Verkaufstechnisch sind E-Bikes auf der Überholspur: Um die maximale Geschwindigkeit von 25 km/h zu umgehen, tunen viele ihre Räder. Eine Grauzone mit viel Für und Wider.

© Foto TT / Rudy De MoorRund 1000 E-Bikes hat Werner Steger (Bild) allein im Vorjahr in seinen Geschäften verkauft: Immer mehr Kunden wünschen sich dabei eine Aufhebung der Drosselung. Ein Umbau kostet im Schnitt 200 Euro, eingebaut wird eine Dongle (siehe kl. Foto Mitte). Steger klärt die Kunden über rechtliche Folgen auf und zeigt ihnen, wie sicheres Fahren funktioniert. Fotos: Rudy De Moor



Von Liane Pircher

Innsbruck – Über viele Jahre von gestandenen Bikern nicht ernst genommen, sind motorisierte Fahrräder, kurz E-Bikes genannt, längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es sind auch nicht nur noch alte Herren, die mittels Turbo den Berg per Rad hinaufklettern. So wurde laut Branchenbericht im Vorjahr jedes dritte neue Fahrrad mit Motor verkauft.

Ein Trend, den auch Werner Steger, Besitzer von Radsport Bikebow Innsbruck/Hall, seit Jahren spürt: „Egal, ob Alt oder Jung, E-Bikes kaufen mittlerweile alle Altersgruppen, selbst passionierte Sportler greifen zu E-Bikes und verwenden es als Fitnessgerät, das mit wenig Zeitaufwand weite Distanzen und gutes Training verspricht.“ Das Spektrum reicht mittlerweile von bequem fahrenden City-Bikes bis hin zu geländegängigen Hightech-Mountainbikes, in Kombination mit öffentlichem Verkehr nutzen auch immer mehr Tiroler das E-Bike für tägliche Wege, etwa in die Arbeit. Hier beginnt für viele auch das eigentliche Problem: Der Elektromotor schaltet sich automatisch bei einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h ab. Wer ein höheres Tempo haben will, muss das E-Bike einem Tuning unterziehen. Ein Umbau, für den sich immer mehr E-Bike-Besitzer interessieren: „Es ist falsch, wenn man den Bikern unterstellt, dass sie einfach mehr rasen wollen. Kaum einem geht es darum, dass das Bike 40 km/h oder mehr fährt, die meisten wollen die Leistung einfach auf 30 km/h erhöhen“, weiß Steger. Fakt sei, dass sich das beschränkte Tempolimit von 25 km/h vor allem in der Ebene negativ auswirkt: „Da wird man dann schnell von einem normalen Biker überholt, der mit bloßer Muskelkraft auf mehr als 30 km/h kommt, das frustet E-Biker dann natürlich“, sagt der E-Bike-Profi.

Rechtlich müssen schnellere Elektrofahrräder angemeldet werden wie ein Moped (siehe Infobox unten). Für Steger ist das Ganze eine „blöde Grauzone“. Wenn sein Radmechaniker-Team einen Umbau vornimmt, müssen Kunden die rechtlichen Konsequenzen unterschreiben, generell aber sollte man sich gesetzlich eine bessere Lösung überlegen, sagt er. Denn: „Wer es aus eigener Kraft schafft, darf mit einem Rad sehr wohl über 40 km/h am Radweg fahren, für E-Bikes gilt aber ein Geschwindigkeitslimit. Das macht keinen Sinn, vor allem nicht, weil es in Deutschland genügend offene E-Bikes gibt“, sagt Werner Steger. Von Experten umstritten ist momentan, ob die hohe Unfallstatistik von E-Bikern direkt mit der steigenden Vorliebe für ein Tuning zu tun hat. Verlässliche Zahlen zu getunten E-Bikes gibt es bislang nicht. Deutsche Fahrradclubs warnen: Wenn die Räder mit Extra-Schub unterwegs seien, drohen mehr Kollisionen mit anderen Radfahrern und Fußgängern. Ist das E-Bike nicht versichert, sei dies eine schlechte Nachricht für das Unfallopfer. Besonders gefährlich werde es, wenn Biker mit Bausätzen aus dem Internet selber tunen. Für Steger ist es wichtig, dass Kunden generell wissen, worauf es bei einem E-Bike ankommt, um Unfälle zu vermeiden: „Ein absenkbarer Sattel fürs Bergabwärtsfahren, große griffige Pedale, breitere Reifen und Übung im Umgang sind der beste Schutz vor Unfällen, wenn es ums E-Bike geht.“

Trend zum E-Bike. Allein im Jahre 2017 wurden in Österreich knapp 87.000 E-Bikes verkauft. Damit fällt bereits jedes dritte neu gekaufte Rad in die Kategorie E-Bike. Dass die Zweiräder für Ungeübte ihre Tücken haben, zeigt die Unfallstatistik: 3700 E-Bike-Fahrer wurden 2017 in den Spitälern als Verletzte behandelt. Kostenlose Fahrtrainings (u. a. von den Naturfreunden) sollen Anfängern helfen.

Tempo. Derzeit dürfen E-Bikes in Österreich offiziell bis zu 25 km/h erreichen. Wird die Drosselung des Motors aufgehoben, wird rechtlich daraus quasi ein Moped, das heißt, dass das Elektrofahrrad dann eigentlich ein rotes Nummerntaferl tragen muss und nicht mehr auf Radwegen unterwegs sein darf. Kann ein höheres Tempo von max. 45 km/h erreicht werden, spricht man von einem Speed-Pedelec. Rechtlich besteht dann u. a. etwa eine Helmpflicht (Motorradhelm), dazu es braucht eine Haftpflichtversicherung sowie Blinker am Rad etc. — Die Polizei kontrolliert aktuell nur teilweise, bei Unfällen würden aber Sachverständige zum Einsatz kommen.




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