Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.05.2018


Ombudsmann

In der Abo-Falle gefangen

Konsumenten unter Druck: Der österreichische Internet-Ombudsmann warnt vor betrügerischen Streaming-Plattformen. Streitfälle im Wert von 1,1 Millionen Euro.

© iStockphotoHansjörg Jäger, Michael Motz, Michaela Spirk-Paulmichl und Klaus Lugger (v. l.).



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck, Wien — „Wenn es um das einmalige Schnäppchen oder die große Liebe geht, ist der kritische Geist oft außer Gefecht gesetzt." Eine Bilanz von Internet-Ombudsmann Bernhard Jungwirth, vor allem aber eine Warnung, denn viele Betrüger nützen die Gutgläubigkeit oder Hoffnungen mancher Nutzer geschickt für ihre eigenen Zwecke aus. Sein Rat: Angebote, die „viel zu schön sind, um wahr zu sein", sollten Online-Konsumenten immer stutzig machen.

Im vergangenen Jahr gingen 3219 Beschwerden und 2095 Anfragen bei der unabhängigen, staatlich anerkannten E-Commerce-Streitschlichtungs- und Beratungsstelle ein. Top-Beschwerdegrund waren betrügerische Streaming-Plattformen. Die Mitarbeiter des Internet-Ombuds­teams bearbeiteten Streitfälle im Wert von insgesamt rund 1,1 Millionen Euro.

Fast die Hälfte aller Anfragen (48 Prozent) bezog sich auf Abo-Fallen, 2016 waren es noch 32 Prozent. Vor allem betrügerische Streaming-Plattformen für Filme haben sich seither weiter verbreitet. Das Schema ist immer identisch, heißt es von Seiten der Internet-Ombudsmannschaft: Verbraucher werden mit bestimmten Suchbegriffen oder Online-Werbung auf Streaming-Plattformen gelockt. Will der User dieses angebliche Angebot nützen, muss er sich mit Namen, Anschrift, E-Mail-Adresse und Telefonnummer registrieren. Schon einige Tage darauf folgt die Ernüchterung: Der Verbraucher erhält eine E-Mail, in der behauptet wird, er habe sich für ein kostenpflichtiges Abonnement registriert und die Gratis-Testphase sei inzwischen abgelaufen. In den jüngsten Fällen wurden 358,80 Euro gefordert.

Dabei ist in Wahrheit nie ein gültiger Vertrag zustande gekommen, denn bei der Anmeldung gab es keine ausreichenden Hinweise auf die unerwarteten Kosten des Dienstes. Neu bei dieser Spielart der Abo-Falle ist, dass die Konsumenten mit Telefonanrufen unter Druck gesetzt werden, Rechnungen zu bezahlen. Besonders gefinkelt und ein weiterer Hinweis für die systematische Vorgehensweise der Betrüger: In eigenen YouTube-Videos und Foreneinträgen unterstreichen vermeintliche Experten die Rechtmäßigkeit der Forderungen!

Während es laut Jungwirth beim Internet-Einkauf in den vergangenen Jahren eine Professionalisierung gab — „die marktbeherrschenden Unternehmen haben einen ausgezeichneten Kundendienst" — und die Beschwerden zurückgingen, werden Internet-Betrüger immer findiger. „Wichtig ist, dass sich die Betroffenen nicht einschüchtern lassen." Bei Abo-Fallen sollten sie die Zahlungsaufforderung einfach ignorieren. Wer unsicher ist, kann sich beim Internet-Ombudsmann melden, der dabei hilft, den Sachverhalt abzuklären.

Auch das Ombuds-Team der Tiroler Tageszeitung bekommt regelmäßig Anfragen dieser Art: Verunsicherte Konsumenten — mit Rechnungen oft fragwürdiger Herkunft konfrontiert — bitten um Rat. Und das ist gut so, denn stecken kriminelle Absichten hinter dem verlockenden Angebot, sind die Aussichten sehr gering, sein Geld zurückzubekommen. Jungwirth: „Geht es um Probleme bei der Bestellung von Waren oder Dienstleistungen im Internet, können wir versuchen zu schlichten, was in der Hälfte der Fälle gelingt." Meistens geht es dabei um Vertragsstreitigkeiten oder Lieferprobleme. „Doch bei Betrügern gibt es nichts zu schlichten, sie sind nicht greifbar, wechseln häufig ihre Homepages." Daher sein Appell an den gesunden Hausverstand: Werden ohne Notwendigkeit Angaben zu Namen und Daten verlangt, sollten immer die Alarmglocken schrillen.

Information und Hilfe

Watchlist Internet: Auf der Plattform www.watchlist-internet.at informiert der Internet-Ombudsmann über aktuelle Betrugsfälle und Online-Fallen. Im vergangenen Jahr sind fast 5000 Hinweise von Nutzern eingegangen, die Seite wurde 1,45 Millionen Mal aufgerufen.

Notfallhotline 0800 888 133: Die Wirtschaftskammer Wien hat für betroffene Unternehmen ein Cybercrime Competence Center eingerichtet. Die Experten sind jederzeit unter against-cybercrime@bmi.gv.at erreichbar.

Beschwerden: Laut Internet-Ombudsmann gibt es deutlich mehr Beschwerden über Dienstleistungen (63 %) als bei Warenbestellungen (37 %). Betroffen sind vor allem Erotik- und Partnerbörsen, E-Mail-Services und Reisebuchungen.

Aktueller Fall: In diesem Jahr macht ein vermeintliches iPhone-Gewinnspiel die Runde — ein sehr einfaches Quiz. Auch hier werden Name und Kreditkartennummer verlangt, worauf Abbuchungen folgen.


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