Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.05.2018


Bezirk Kufstein

Ritter-Fest in Kufstein: Von wegen „düsteres Mittelalter“

Das Ritter-Fest auf der Kufsteiner Festung erlebte bereits seine 10. Auflage. Bei dem bunten Treiben strahlen nicht nur Kinderaugen.

© HrdinaSigrid Krenosz, Kathrin und Martin Puchwald, Alexander Krenosz sowie Pierre, Mia und Vincent (v. l.) hüllen sich gerne in edle Gewänder.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Glänzende Gewänder, saftige Fleischspieße, eindrucksvolle Schwertkämpfe: Das Ritter-Fest auf der Kufsteiner Festung zählt seit 10 Jahren zu den Höhepunkten im Veranstaltungskalender der Region.

Als düster und blutrünstig kennt man das Mittelalter aus historischen Filmen. Ganz anders präsentiert sich die Epoche am Pfingstwochenende in Kufstein: „Setzt Euch zu uns, holde Maid“, hört man es freundlich aus einem der Lager rufen. Die Fürsten, Ritter und Bürgersleut legen nicht nur bei ihrer Kleidung Wert auf ein authentisches Auftreten, auch auf die Wortwahl wird geachtet. Vier Tage lang nächtigen die Darsteller in ihren Zelten auf der Festung. Die Temperaturen purzeln hier schon mal auf 12 Grad hinunter. „Alles eine Frage der Ausrüstung“, meint „Quietschi“ von der Gruppe „Fenrisfyrd“. Die Wikinger haben ihre Zelte mit kuscheligen Lammfellen ausgestattet. „Gekocht wird auf einer Feuerstelle, auf dem Tisch landen Lebensmittel, die schon um 850 die Mägen füllten“, erzählt der Bayer. Zu Mittag gibt es einen Eintopf aus Rindfleisch und Einkorn. Nur beim morgendlichen Kaffee darf man aus der Rolle fallen. „Ohne den geht es nicht.“ Der Schlaf dürfte etwas zu kurz gekommen sein – den bärtigen Wikinger hat es ins Lager einer befreundeten Mittelalter-Gruppe verschlagen. Geselligkeit war schließlich schon vor Hunderten Jahren ein wichtiges Thema. Vor 10 Uhr morgens heißt es dann aber wieder „Raus aus den Betten“, denn die Gäste pilgern schon früh auf die Festung.

Selbst ein beachtlicher Teil der Besucher kommt „gewandet“, trägt also mittelalterliche Kleidung. „Das macht die besondere Stimmung aus“, freut sich „Festungsherr“ Emanuel Präauer vom Veranstalter Top City Kufstein. Zum Jubiläum heuer habe man ein „Best of“ aus allen Musikern, Akrobaten und Künstlern zusammengestellt. Viele von ihnen sind professionelle Gruppen, die das ganze Jahr durch Europa ziehen. „Wir freuen uns aber, wenn sich Tiroler Gruppen bei uns bewerben“, sagt Präauer.

Sigrid Krenosz, Kathrin und Martin Puchwald, Alexander Krenosz sowie Pierre, Mia und Vincent (v. l.) hüllen sich gerne in edle Gewänder. Besucher schwärmen von den Barbarenspießen (u. l.) und dem Schwertkampf, „Festungsherr“ Emanuel Präauer (u. r.) ginge lieber auf Distanz. Fotos: Hrdina
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So wie der Verein „Arcus Uuergile“ aus Wörgl, der heuer beim Umzug durch die Stadt mitmarschierte. „Es ist ein Hobby, bei dem die ganze Familie mitmachen kann“, schwärmt „Herzog“ Martin Puchwald. Seine Frau Kathrin greift selbst zu Nadel und Faden, um ihren Gatten und die beiden Söhne in edle und vor allem authentische Gewänder zu hüllen. „Wenn du anfängst, die Stunden dahinter zu zählen, machst du es nicht mehr“, gesteht Kathrin Puchwald. Allein der Hut der Herzogin habe zwei Monate Zeit in Anspruch genommen, von den Kosten für die Materialien ganz zu schweigen.

Viel Herzblut und Freude am geselligen Treiben bestimmen das Spektakel, das heuer 16.000 Besucher nach Kufstein lockte. Damit dürfte das Ritter-Fest nicht nur die Augen der Kinder zum Strahlen bringen.

Besucher schwärmen von den Barbarenspießen.
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„Festungsherr“ Emanuel Präauer ginge lieber auf Distanz zu den Schwertern.
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