Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.05.2018


Osttirol

Wie Andy Holzer es „blind nach ganz oben“ schaffte

Der blinde Kletterer aus Osttirol schildert in seinem zweiten Buch, wie er im Mai 2017 den Everest bezwungen hat. Es erscheint im September.

© Klemens BichlerHolzer hat es geschafft: Er steht auf dem Gipfel des höchsten Bergs der Welt.



Tristach, Nepal – Am gestrigen Pfingstmontag jährte sich Andy Holzers Gipfelsieg zum ersten Mal. Der blinde Trist­acher stand auf dem höchsten Berg der Welt, dem 8848 Meter hohen Mount Everest. Mit ihm unterwegs waren seine Freunde Wolfgang Klocker und Klemens Bichler, ebenfalls aus Osttirol. Schon in den Jahren 2014 und 2015 war der als „Blind Climber“ bekannte Holzer zum Mount Everest aufgebrochen, musste jedoch wegen Lawinen bzw. wegen eines großen Erdbebens wieder umkehren. Beim dritten Mal ist Holzer, Klocker und Bichler der Gipfelsieg geglückt. Der Osttiroler ist der zweite blinde Bergsteiger weltweit, der den Mount Everest bestiegen hat.

Wie es Andy Holzer dabei erging, schildert er in seinem neuen Buch „Mein Everest. Blind nach ganz oben“. Der blinde Bergsteiger schreibt von Monaten der akribischen Vorbereitung und Wochen der körperlichen Anpassung. Und sogar dann könne es passieren, dass man hundert Meter unter dem ersehnten Gipfel umkehren müsse, weil das Wetter und die anderen Bedingungen sich plötzlich verschlechtern, so Holzer. Was den Tristacher bei seinem dritten Versuch besonders belastet hat, war der Tod seines Vaters nur einen Monat vor dem 21. Mai 2017. Holzer berichtet auch, wie ihn der Wassermangel knapp vor dem Ziel fast in die Knie gezwungen hat.

In seinem neuen Buch wird Andy Holzer sehr persönlich. Er blickt zurück auf seine drei Versuche, das Dach der Welt zu besteigen, auf die Höhen und Tiefen während dieser Zeit und darüber hinaus. Dabei finden sich auch Einsichten, die für manchen Leser überraschend sein dürften.

In Andy Holzers neuem Buch werden auch Bilder der Everest-Expedition im Mai 2017 gezeigt: hier der blinde Bergsteiger beim Aufstieg zum Lager 1.
- Wolfgang Klocker

„Die Ankunft auf der vertikalen Spitze unserer Erde in den frühen Morgenstunden war für mich aus rein bergsteigerischer Überlegung nicht der Höhepunkt meines bisherigen Lebens“, so Holzer. „Ich bin für mich zur Erkenntnis gekommen, dass der Everest vielleicht gar nicht in Asien steht, sondern jeder von uns so einen Everest in sich trägt und diesen nach seinen Möglichkeiten angehen sollte.“

Herausforderungen angehen, das ist schon lange Andy Holzers Motto. Er hat die höchsten Gipfel aller Kontinente, die so genannten Seven Summits, erstiegen und klettert Touren in den höchsten Schwierigkeitsgraden. Geboren wurde der Ausnahmesportler als Andreas Josef Holzer am 3. September 1966 in Lienz, er kam mit der Netzhauterkrankung Retinitis Pigmentosa zur Welt. Von Beruf ist Holzer Heilmasseur, seit 1990 ist er mit seiner Sabine verheiratet. Über ihn wurden Filme und TV-Dokumentationen gedreht, mit seinen Vorträgen bereist er viele Länder. Andy Holzer setzt sich auch für Benefizaktionen wie „Licht ins Dunkel“ ein. (TT, co)