Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


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Ein bisschen Zen für Tirol: Vom Profi-Golfer zum Gartenarchitekten

Thomas Ortner liebt das Immergrün der japanischen Gärten. Der ehemalige Golf-Profi aus St. Johann importiert Bonsais aus Japan und bringt ein bisschen Zen nach Tirol.

© luxurytreesThomas Ortner (l.) steht vor einem seiner Zengärten beim Hotel Alps Lodge in Fiss.



Von Evelin Stark

Innsbruck – Vom Profi-Golfer zum Gartenarchitekten: Man könnte fast meinen, dass Thomas Ortners Lieblingsfarbe Grün ist. Grün, grün, grün sind aber nicht alle seine Kleider. Grün ist seine Leidenschaft, die der 33-Jährige vor etwa zehn Jahren zum Beruf gemacht hat: Die japanische Bonsai-Kunst hat es ihm angetan. Seit 2017 ist Ortner sogar Österreichs erster offizieller Bonsai-Importeur.

Thomas Ortner wuchs in Kitzbühel in einer golfsport-affinen Familie auf. Er entdeckte sein Talent für den Rasensport bereits in jungen Jahren und war schon als Teenager unter den Besten der Welt. „Durch eine Arthrose in der Hand hatte ich große Schmerzen und konnte irgendwann nicht mehr spielen“, sagt Ortner. Dazu kamen zwei schwere Verkehrsunfälle, bei denen er knapp dem Tod entrann. „Ich habe viel durchgemacht. Mit 22 war dann Schluss mit der Golfkarriere.“

Das Spielen am Rasen musste er vielleicht aufgeben, seine Wurzeln ganz vom Golfplatz ausreißen konnte er aber doch nicht: „Ich habe eine Passion für den perfekten Rasen entwickelt. Deshalb habe ich Golfplatzarchitektur in Salzburg gelernt“, erzählt der Wahl-St.-Johanner. Er entwarf Golfplätze in Ellmau und Polsdorf und erzählt stolz von seinem Bruder Toni – ebenfalls ehemaliger Golf-Profi – der inzwischen einer der führenden Golfplatzdesigner sei.

Thomas Ortner wandte seinen Blick jedoch lieber ein Stück nach oben den Bäumen zu. Als Golfer war der Unterländer naturgemäß viel auf der Welt unterwegs gewesen. Fasziniert von außergewöhnlichen Bäumen auf verschiedenen Golfplätzen rund um den Erdball, fand er die japanische Bonsai-Kunst am inspirierendsten.

„Der Bonsai hat einen ganz besonderen Charakter“, schwärmt Ortner von den 70- bis 800-jährigen Bäumen. Dabei meint er nicht die Miniatur-Ausgabe, die in vielen heimischen Wohnzimmern zu finden ist, sondern richtig große und sehr alte Exemplare für den Garten. Mit viel Zeit und der richtigen Schnitttechnik könne aus fast jedem winterharten Gehölz – etwa einer Eibe oder Kiefer – ein Bonsai werden. „Ab 1,2 Meter Höhe spricht man von einem Garten-Bonsai. Besondere Exemplare können bis zu zwölf Meter hoch werden“, so der Grünpflanzen-Experte.

„In Japan ist der Bonsai ein kaiserliches Thema“, sagt er. Im Gegenteil zu Österreich, wo die Gartenarchitektur noch nicht so weit fortgeschritten sei, habe er dort viel lernen können. Ex-Skiprofi Toni Sailer habe ihm vor ein paar Jahren den Kontakt zu einem Bonsai-Experten in Tokio hergestellt, und so konnte Ortner die japanische Pflanzenkunst direkt in ihrer Heimat erlernen.

Mit seiner Firma „Luxury Trees“ importiert Ortner inzwischen Bonsais aus Japan und plant Zengärten für Kunden in ganz Österreich. Der Zengarten, dem man eine entspannende Wirkung nachsagt, besteht lediglich aus Kies, Steinen und Felsbrocken, die in Linienmustern angebracht sind. Mit Ausnahme von Moos werden keine Pflanzen verwendet – außer Bonsais!

Nahe Tokio befindet sich eine 200-Hektar-Baumschule mit den edelsten Gehölzen Japans, an der auch der Tiroler beteiligt ist. Die Wintermonate verbringt Ortner daher vor Ort, um den Wuchs persönlich zu kontrollieren. Dass die Bonsais von „Luxury Trees“ nicht unbedingt unter die Kategorie „billig“ fallen, hat nicht nur mit deren Alter und Größe zu tun. Auch die komplizierte Einfuhr ist ein Grund: „Die Bäume stehen manchmal ein halbes Jahr unter Bewachung“, erzählt der Baumliebhaber. Er betreibt daher eine eigene Quarantänestation in St. Johann. Hier verbringen die Pflanzen ein Minimum von 90 Tagen: „Ein speziell ausgebildeter Spürhund untersucht die Wurzeln auf Insektenlarven.“

Ist der Bonsai von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit freigegeben, kann die Pflanze endlich ihre Reise in den neuen Garten antreten. „Immer mehr unserer Kunden wünschen sich japanische Gärten“, sagt Ortner. Man wolle vor dem Haus einen Ort des Wohnens und Entspannens machen. Das Zeitlose an den immergrünen Bonsai-Bäumen passe da genau. „Es gibt mir viel, wenn sich meine Kunden freuen“, so Ortner. Dann könne er auch entspannen, denn ein bisschen Zen ist wohl für beide Seiten im Preis inkludiert.

Ortner importiert Bonsai-Bäume aus Japan und kreiert mit seiner Firma „Luxury Trees“ Zengärten für Privat- und Geschäftskunden.
- luxurytrees

Homepage

Die Website von "Luxury Trees" ist erreichbar unter: https://www.luxurytrees.com/at


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