Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.06.2018


Osttirol

Zwölf Klettersteige für den Frieden

Wie der Friedensweg am Karnischen Kamm tritt auch „Dolomiten ohne Grenzen“ für Völkerverständigung ein. Das Projekt verbindet Klettersteige an der einstigen Front. Reinhold Messner kam zur Eröffnung.

© WisthalerWo Österreich, Südtirol und Belluno aufeinandertreffen, wurde eine Gedenktafel aufgestellt: Fausto de Stefani (Belluno), Reinhold Messner (Südtirol) und Hans Wenzl (Österreich, v. l.).



Von Catharina Oblasser

Kartitsch, Sexten — Heuer vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende. Die Kämpfe tobten auch im Bereich der heutigen Grenze zwischen Österreich und Italien, ein Abschnitt der Kriegsfront verlief in den Bergen oberhalb von Kartitsch und Obertilliach.

Dass dort heute Frieden herrscht, wollen die Initiatoren des Projekts „Dolomiten ohne Grenzen — Dolomiti senza confini" würdigen und bekräftigen. Die Regionen Osttirol, Südtirol und Belluno sind nun über einen Höhenweg miteinander verknüpft, der zwölf Klettersteige aneinanderreiht und Österreich mit Italien auf diese Weise verbindet. Damit wolle man zur Idee eines geeinten, gemeinsamen und grenzenlosen Europa beitragen, erklärt Initiator Giu­seppe Monti, Hüttenwirt der Carducci-Hütte.

Bei der Eröffnung wurde am „Dreiländer­eck", wo die Regionen Osttirol, Südtirol und Belluno aneinandergrenzen, eine Gedenktafel aufgestellt. Den offiziellen Festakt feierte man am Kreuzbergpass (Südtirol). Der weltbekannte Bergsteiger Reinhold Messner hatte sich der Südtiroler Delegation angeschlossen, die Delegation aus dem Belluno führte Alpinist Fausto de Stefani an. Osttirol wurde vertreten durch den Kärntner Extrembergsteiger Hans Wenzl, Jan Salcher vom Österreichischen Alpenverein und durch den Bürgermeister von Kartitsch, Josef Außerlechner.

Der Klettersteig auf der Großen Kinigat ist einer der zwölf Steige, die das Projekt „Dolomiten ohne Grenzen“ vereint.
- Moreno Geremetta

„Das Projekt ist wie der Friedensweg auf Klettersteig-Art", beschreibt Außerlechner. „Man kann die Route von Kartitsch aus erreichen, zum Beispiel über das Erschbaumer Tal, oder über Obertilliach zusteigen", so der Bürgermeister. In diesem Bereich befinden sich drei Klettersteige: jener auf der Großen Kinigat, der Austria-Steig, der zum Porzegipfel führt, und der Wildkarleck-Steig. „Natürlich finden sich auch Hütten entlang der Strecke, wo man einkehren kann", sagt Außerlechner.

„Dolomiten ohne Grenzen" umfasst insgesamt zwölf Klettersteige in Österreich und Italien, die in neun Etappen zu bewältigen sind. Die Tour ist 108 Kilometer lang, 17 Hütten befinden sich an der Strecke. Dazu gehören etwa die Drei-Zinnen-Hütte, die Auronzo-Hütte, die Obstansersee- und die Porzehütte. Die neun Etappen und die zwölf Klettersteige weisen verschiedene Schwierigkeitsgrade auf, die von A bis D reichen bzw. mittlere bis sehr gute Kondition erfordern.

„Dolomiten ohne Grenzen" kam im Rahmen des Interreg-Programms „Dolomiti Live" zustande, welches Belluno, Osttirol und das Südtiroler Pustertal umfasst. Beteiligt sind die Provinz Belluno, der Tourismusverband Sexten und der Österreichische Alpenverein.

Dem Friedensweg am Karnischen Kamm nachempfunden

Weitwanderweg. In den 1970er-Jahren setzte sich der Verein der „Dolomitenfreunde" dafür ein, entlang der ehemaligen Front im Ersten Weltkrieg einen Weitwanderweg zu errichten. Federführend war der ehemalige Offizier, Bergsteiger und Historiker Walther Schaumann (1923—2004), der auch zahlreiche Bücher schrieb.

Ziel. Den Dolomitenfreunden war es ein Anliegen, mit dem Wanderweg ein Zeichen des Friedens zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern zu setzen. Die neue Klettersteigroute „Dolomiten ohne Grenzen" verfolgt das gleiche Ziel.

Großer Erfolg. Der Osttiroler Teil des Friedensweges am Karnischen Kamm reicht von Sillian bis Untertilliach und führt weitgehend die Staatsgrenze Österreich-Italien entlang. In drei bis vier Tagesetappen lässt sich der Osttiroler Abschnitt bewältigen. Die Wanderstrecke ist sehr beliebt und stark frequentiert, da entlang der Wege noch Reste von Stellungen und Kriegsrelikte zu finden sind.