Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 25.06.2018


Beeinflussung

Konsum als Bildungsauftrag

Das Angebot an Produkten und Dienstleistungen war noch nie so groß wie heute und so verlockend – und Widerstehen so schwer. Wie junge Leute lernen können, damit umzugehen.

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Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck, Wien – Bibi bereitet kunterbunte Pancakes in Fußballform zu, Mirella testet vegane Snacks, Michael gibt Tipps für den Elternbesuch und viele Tausende andere nehmen daran teil. In einigen Fällen sind es sogar Millionen weltweit. Kinder und Jugendliche verfolgen, wie andere junge Leute in sozialen Netzwerken Mode, Kosmetik und Computerspiele anpreisen oder aus ihrem Leben erzählen. Immer ist dabei Werbung im Spiel – mehr oder weniger unterschwellig. „Gekaufte Idole“ nennt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) die Influencer – von „to influence“, beeinflussen –, so die Bezeichnung für diese neue Form von Berufszweig, diese teils sehr erfolgreiche Generation moderner Vertreter mit Starstatus.

Im Rahmen des österreichweiten Pilotprojekts „Konsument in der Schule“ war die vielen nicht bewusste Macht der Influencer eines der Themen, mit denen Jugendliche von der neunten bis zur elften Schulstufe im zu Ende gehenden Schuljahr gezielt an die Bereiche Verbraucherinformation und Konsumentenschutz herangeführt wurden. „Die Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen nimmt immer weiter zu“, sagt Sabine Burkhart vom VKI. „Das Angebot von Produkten und Dienstleistungen war noch nie so groß. Durch Smartphone und soziale Medien sind sie rund um die Uhr Werbung ausgesetzt, es gibt wohl keinen Lebensbereich mehr, der nicht bereits verkommerzialisiert wurde.“

Vor diesem Hintergrund scheint es umso wichtiger, früh genug zu lernen, sich nicht beeinflussen zu lassen und das Angebotene zu hinterfragen. Das vom Bildungsministerium unterstützte Projekt soll ihnen dabei helfen, zu mündigen, kritischen Konsumenten heranzuwachsen. Insgesamt 29 Lehrer haben in den vergangenen Monaten an dem Programm teilgenommen und mit rund 750 Schülern teils fächerübergreifend Themen wie Handytarife oder – für die älteren – Finanzierungen und Versicherungen behandelt (etwa für den Fall, dass sie nach der Matura von zu Hause ausziehen). Die Jugendlichen lernten, wie und wo sie sich informieren können und welche Rechte sie als Konsumenten haben.

Wie Burkhart berichtet, stoßen bei den Schülerinnen und Schülern aber auch die Aspekte Umweltschutz, Nachhaltigkeit und ethischer Konsum auf großes Interesse, ein aktueller Report über den Anbau von Bananen und die Hühnerzucht oder Untersuchungen über die Verpackungsflut hinterließen einen großen Eindruck: „Es ging ihnen nicht nur darum, wie sie möglichst billig Produkte erstehen können, was uns natürlich sehr gefreut hat!“

Die Jugendlichen waren aber auch selbst als Konsumtester im Einsatz, etwa von Taschentüchern. Doch davor mussten sie erst lernen, Kriterien für einen Test zu erarbeiten, und das ist gar nicht so leicht, wie sie feststellen mussten. „Es geht dabei immer um mehrere Aspekte“, erklärt die Konsumentenschützerin. „Bei einem Fahrradtest würde man sich etwa anschauen, wie das Rad in der Praxis funktioniert, ob es praktisch ist in der Handhabung und verstellbar oder die Bedienungsanleitung gut verständlich ist. Technisch spielen die Bruchfestigkeit oder Sicherheitsaspekte eine große Rolle. Lebensmittel werden immer von mehreren Personen nach ihrem Geschmack verkostet, dann geht es um die Frage der Inhalts- und Schadstoffe und natürlich auch darum, ob wirklich drin ist, was draufsteht.

Auch Preisvergleiche sind wichtig, und dabei gibt es immer viele „Aha“-Erlebnisse, denn die teuersten Produkte sind nicht immer die besten, berichtet Silke Dreger vom IZOP-Institut in Aachen, Deutschland, das vom VKI mit der Schulung der Lehrer beauftragt wurde. Die Einrichtung ist auf die Förderung von Kompetenzen spezialisiert, die in einer Informations- und Wissensgesellschaft von Bedeutung sind, wie Verbraucherbildung gemeinsam mit der Stiftung Warentest.

Das Projekt „Konsument in der Schule“ wird im kommenden Schuljahr fortgeführt, viele Lehrer haben sich noch einmal dafür beworben. Anmeldungen sind nur noch bis Ende Juni möglich. Interessierte können sich an Silke Dreger wenden, dreger@izop.de, Tel. 0049/2408 588 928.