Letztes Update am Fr, 29.06.2018 13:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Interview

SOKO-Kitzbühel-Star: „Im Team muss die Chemie passen“

Julia Cencig steht derzeit wieder für die Serie SOKO-Kitzbühel vor der Kamera. Ein Gespräch über ihre Rolle als Kommissarin.

© Stefanie Leo/LeoconceptsJulia Cencig und Jakob Seeböck sind das SOKO-Kitz-Dreamteam.



Die Schauspielerin und zweifache Mutter Julia Cencig ist eine Powerfrau, und in ihrer Rolle als Ermittlerin Nina Pokorny in der Krimiserie SOKO-Kitzbühel ist sie auch noch bewaffnet. Die gebürtige Kärntnerin pendelt mit ihrer ganzen Familie regelmäßig zwischen Wien und dem Dreh­ort Kitzbühel. Wir haben mit Julia Cencig darüber gesprochen, wie sie sich auf ihre Rolle vorbereitet hat. Dabei verrät Julia Cencig auch, ob sie ihren Schauspielkollegen Major Lukas Roither (Jakob Seeböck) im echten Leben auch so sexy findet.

Seit 2015 spielen Sie die Kommissarin Major Nina Pokorny in der Serie SOKO-Kitzbühel. Erzählen Sie mal, wie es dazu kam.

Julia Cencig: Ganz klassisch: Der ORF hat eine Nachfolgerin für Kristina Sprenger gesucht und mich zu einem Casting eingeladen. Ich musste mit Major Lukas Roither (Jakob Seeböck) und Chefinspektor Alois Kroisleitner (Ferry Öllinger) drei Szenen spielen. Das Wichtigste bei einer Serie wie SOKO-Kitzbühel ist, dass die Chemie im Team passt. Die lässt sich nicht einfach herzaubern, aber mit den Kollegen Seeböck und Öllinger hat das auf Anhieb geklappt.

Wie ist diese Nina Pokorny?

Cencig: Nina Pokorny ist sehr emanzipiert. Sie lebt ihre unangenehmen Seiten aus, und dabei ist es ihr völlig egal, was andere von ihr halten.

Klingt ziemlich uncharmant.

Cencig: Ja, sie ist nicht unbedingt eine Frau, die Männer mit Charme um den Finger wickelt, aber sie hat trotzdem eine emotionale Seite. Ihr Gerechtigkeitssinn ist ausgeprägt und besonders Sexualdelikte lassen sie keineswegs kalt. Sie agiert impulsiv und schlägt gelegentlich auch ungewöhnliche Wege ein.

Wird man in den nächsten Folgen mehr über das Privatleben der Kommissarin erfahren?

Cencig: Mit dem Auftauchen von Nina Pokorny beginnt eine neue Ära bei SOKO-Kitzbühel. Im Unterschied zu den früheren Staffeln gibt es nun auch eine private Ebene oder nennen wir es lieber einen „horizontalen“ Erzählstrang. (lacht) Zwischen Pokorny und Major Roither knistert es von Anfang an und diese Leidenschaft wird von Staffel zu Staffel konkreter.

Zwischen den beiden schauspielkollegen besteht eine große Sympathie, "aber es hat nie gefunkt", sagt Julia Cencig.
- Stefanie Leo/Leoconcepts

Na bravo, die Pokorny verliebt sich in ihren Arbeitskollegen. Ob das vernünftig ist … Vermischen Sie Privat- und Berufsleben?

Cencig: Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist, Privat- und Berufsleben zu vermischen, aber manchmal lässt es sich auch nicht verhindern. Ich kann Sie beruhigen: Zwischen Jakob Seeböck und mir existiert sehr viel Sympathie, aber es hat nie gefunkt. Wir fühlen uns definitiv nicht zueinander hingezogen. Für mich geradezu ideale Arbeitsbedingungen. Wir mögen uns, aber wir stehen nicht aufeinander. Das „Aufeinander-Stehen“ in der Arbeit macht nämlich alles wahnsinnig kompliziert. Furchtbar. (lacht)

Kommen bei intimen Szenen nicht unweigerlich Gefühle auf? Vor allem wenn man sich gegenseitig eh schon sympathisch findet?

Cencig: Dem Zuschauer wird im Fernsehen ja etwas ganz anderes suggeriert als das, was wir als Schauspieler tatsächlich erleben: In Wirklichkeit bin ich mit Jakob Seeböck ja gar nicht alleine. Okay, er steht bei einer Kussszene fünf Zentimeter vor mir, aber wir sind umringt von mehreren Dutzend Leuten. Ein riesiges Mikro hängt zwei Zentimeter über unseren Köpfen und Mega-Scheinwerfer leuchten uns an. Gerade bei intimen Szenen muss man sich noch dazu sehr technische Dinge merken: Es soll keine Haarsträhne ins Gesicht fallen, der Kopf muss richtig gedreht werden, damit man dem Gegenüber keinen Schatten im Gesicht macht. Das ist überhaupt nicht sexy. Es ist harte Arbeit. (lacht)

Haben Sie schon mal eine echte Kommissarin getroffen bzw. wie haben Sie sich auf die Rolle der Nina Pokorny vorbereitet?

Julia Cencig

Die Schauspielerin Julia Cencig (geb. 1972) wuchs im kärntnerischen Völkermarkt auf. Sie absolvierte die Schauspielschule am Volkstheater Wien. Neben ihren zahlreichen Theaterproduktionen spielte sie auch in mehreren Serien, u. a. Medicopter 117. Seit 2015 verkörpert sie die Kommissarin Nina Pokorny in der Krimi­serie SOKO-Kitzbühel.

Fanwanderungen: Sonntag, 1. Juli 2018, 9 Uhr, Kitzbühel und am 25. August

Cencig: Ich habe immer schon gerne Krimis gelesen. Die konkrete Vorbereitung auf meine Rolle war jedoch eher körperlicher Natur. Um eine Polizistin überzeugend spielen zu können, musste ich einen Selbstverteidigungskurs und ein Schießtraining absolvieren.

Müssen Sie jetzt viel trainieren? Sie wirken athletisch.

Cencig: Mein einziges regelmäßiges Workout ist Yoga, und es ist auch das Einzige, wofür ich neben meinen Töchtern Zeit habe. Das mache ich daheim nach Drehschluss.

Inwiefern hat Sie Kommissarin Nina Pokorny auch privat geprägt?

Cencig: Meine, nennen wir es „ermittlerische Gedankenstruktur“, ist ausgeprägter geworden. Ich hinterfrage meine Gesprächspartner intensiver. Eine Kommissarin darf keine Scheu haben, den Menschen auf den Zahn zu fühlen. Ich bin privat nicht jemand, der diese Konfrontation sucht, aber wenn es notwendig ist, dann stelle ich neuerdings auch provokante Fragen.

Das Interview führte Gerlinde Tamerl