Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.07.2018


TT-Tourentipp

Vom Burgstall auf den Everest

Bike- und Bergtour für Konditionsstarke von Fulpmes über mehrere Almen zur Starken­burger Hütte und auf den Hohen Burgstall, einen der „Seven Summits“ des Stubaitals.

© flexZunächst geht es per Rad hinauf zur Starkenburger Hütte.



Fulpmes – Die „Seven Summits“, die höchsten Berggipfel aller sieben Kontinente zu besteigen, ist der Traum eines jeden Bergsteigers. Erst wenigen Hunderten ist dieses Kunststück gelungen. Für die „Seven Summits“ muss man allerdings keineswegs um die halbe Welt reisen. Im Stubaital gibt es sie nämlich auch.

Sie heißen Zuckerhütl, Wilder Freiger, Habicht, Elfer, Serles, Rinnenspitze sowie Hoher Burgstall. Dabei zählen einige dieser sieben Spitzen nicht zu den höchsten des Stubaitales. Trotzdem hat es jeder einzelne verdient, zu den „Summits“ zu gehören.

Jeder hinterlässt auf seine Art und Weise einen bleibenden Eindruck, hat seine Geschichten zu erzählen und prägt genau so, wie er ist, das Landschaftsbild des Stubaitales. Zu den Geschichten kommen wir etwas später. Mit 2611 Metern haben wir diese Woche den zweithöchsten der Summits besucht und zwar den Hohen Burgstall, als kombinierte Mountainbike- und Bergtour von Fulpmes aus.

Die Lawinenverbauungen des Hohen Burgstall ziehen empor.
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So erfolgt die Tour: Vom Parkplatz der Talstation Schlick 2000 folgen wir zuerst kurz der asphaltierten Straße bergwärts. Bald passieren wir die Talstation und biegen rechts auf die Rodelbahn ab. Ziemlich steil bringt uns der Forstweg hinauf zur Fronebenalm und zur Mittelstation der Bergbahn. Etappenziel eins ist geschafft.

Direkt hinter der Gondelbahn und vor der Bruggeralm zweigen wir nach links in Richtung Galtalm ab. Der Anstieg zur Galtalm hat es speziell zu Beginn in sich. Etwas gemächlicher, aber immer ansteigend und anstrengend, erreichen wir unser zweites Etappenziel – die Galtalm (1680 m). Für eine Einkehr ist es uns noch zu früh, wir setzen die Fahrt fort.

Durch einen mit Latschen und Bäumen bewaldeten Waldweg, der immer wieder herrliche Blicke ins tiefer gelegene Stubaital öffnet, strampeln wir weiter in westlicher Richtung. Kontinuierlich bergauf, teilweise auf eher schwierig zu fahrendem Untergrund und eigentlich mit kaum Flachstücken, bei denen man sich erholen kann.

Etappenziel Nummer drei, die Kaserstattalm (1890 m), liegt vor uns. Die Baumgrenze haben wir hinter uns gelassen und über eine anfänglich sehr steile Schotterstraße folgen wir den Beschilderungen und in einigen Kehren hinauf zur Starkenburger Hütte.

Endlich, die Hütte ist in Sicht. Doch der Schein trügt. Rund 300 Höhenmeter sind es noch bis in die „Wechselzone“, in welcher wir Bike- gegen Wanderschuhe tauschen. Zumindest ist es nicht mehr so steil. Aber es zieht sich. Noch zwei Kurven, bei denen man einen fantastischen Tiefblick ins Oberbergtal und in Richtung Franz-Senn-Hütte genießen kann, und wir erreichen die Starkenburger Hütte (2237 m). Die ersten gut 1200 von rund 1600 Höhenmetern haben wir geschafft. Nach einer Pause geht’s jetzt zu Fuß weiter.

Vor der Hütte bekommt man Infos der sechs weiteren "Seven Summits".
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Direkt hinter der Hütte führt der Anstieg in Serpentinen über steile, felsdurchsetzte Grashänge zu einem Sattel hinauf Richtung Burgstall. Mit Blick zum Gipfelkreuz wird der Weg steiniger. Wirklich schwierig ist er nicht, dennoch sollte man trittsicher und schwindelfrei sein. Einige Stellen sind mit Drahtseilen versichert.

Dann ist der Hohe Burgstall erreicht. Warum er zu den „Seven Summits“ zählt, obwohl er kein Dreitausender ist? Jetzt wissen wir es. Nicht nur das 360-Grad-Panorama in alle Himmelrichtungen ist vom Allerfeinsten. Speziell beeindruckt uns der Blick nach Norden zu den schroffen Felswänden der Kalkkögel mit Schlicker Seepitze oder Ochsenwand. Ganz abgesehen von Habicht, Kirchdachspitze, Zuckerhütl und den restlichen Dreitausendern.

Diese Aussicht schätzte einst schon Sir Edmund Hillary: Vier Jahre vor seiner Besteigung des Mount Everest (1953) als erster Mensch der Welt stand er am Hohen Burgstall. Viel stärker aber ist wahrscheinlich die Verbindung von Pfarrer Franz Senn (gebürtig aus dem Ötztal) mit dem Hohen Burgstall. Als begnadeter Bergsteiger und Pfarrer von Neustift bildete er Bauernburschen zu Trägern und Bergführern aus. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete er 1869 in München den Deutschen Alpenverein. Die Besteigung des Burgstalls ist die einzige Überlieferung seiner Bergsteigeraktivitäten im Stubaital.

Von der Geschichte wieder zur Gegenwart. So wie wir aufgestiegen sind, folgen wir konzentriert dem Weg zurück zur Starkenburger Hütte. Mittlerweile haben viele Tagestouristen, die von der Bergstation der Schlicker Bergbahnen zur Hütte wandern, Platz genommen und genießen bei Knödel, Kaiserschmarren oder einer Suppe das Panorama. Apropos Knödel: speziell die Spinatknödel sind ein echter Knüller.

Kurz unterhalb des Gipfels wird es felsig.
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Seit 13 Jahren, von Juni bis Anfang Oktober, bewirtschaften Karin und Martin Tanzer die Hütte. Auf der Hütte ist Wirtin Karin aber seit ihrer Kindheit. Ihre Eltern waren nämlich hier bereits Gastgeber und Karin ist quasi in ihre Fußstapfen getreten. Wirt Martin, der gelernter Bäcker ist, entdeckte als Hüttenwirt hoch über dem Stubaital und der Starkenburger Hütte neben Karin eine zweite echte Liebe. „Ich kann es mir ohne Starkenburger Hütte nicht mehr vorstellen“, gesteht Tanzer. Wir verstehen warum. Lage und Ausblick sind grandios.

Zurück zu den „Seven Summits“: Von der Starkenburger Hütte sind alle zum Greifen nahe. Ob Zuckerhütl, Freiger, Serles, Habicht, Elfer oder Rinnenspitze und natürlich der Hohe Burgstall. Zurück ins Tal geht es dann auf derselben Strecke. Fazit: Diese Bike- and Hiketour ist für konditionsstarke Sportler geeignet. Immerhin sind 1600 Höhenmeter zu bewältigen, genau deshalb muss die Tour als schwierig eingestuft werden. Dafür überzeugt sie landschaftlich und Einkehrschwünge gibt mehr als genug. Und was die Benützung unseres beschriebenen Weges mit dem Rad betrifft? Da sieht man seitens des TVB Stubai kein Problem. (flex)

Zunächst geht es per Rad hinauf zur Starkenburger Hütte (1), gleich dahinter ziehen sich die Lawinenverbauungen des Hohen Burgstall empor (2). Vor der Hütte bekommt man Infos der sechs weiteren „Seven Summits“ (3), kurz unterhalb des Gipfels wird es felsig (4).Foto: flex
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