Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.07.2018


Exklusiv

Tiroler Mathe-Genie bald unter Gleichgesinnten in Oxford

Zahlen haben Nadja Vohradsky schon als kleines Kind Spaß gemacht. Nun hat sich die 17-jährige Wattenerin als eine von 2281 Bewerbern durchgesetzt – und darf an der Elite-Universität in Oxford Mathematik studieren.

© iStockphotoNadja Vohradsky muss bald die Koffer packen und nach Oxford aufbrechen. Ihre Zauberwürfel nimmt sie sicher dorthin mit.Foto: Thomas Böhm



Von Theresa Mair

Innsbruck — Oxford. Die meisten in Nadja Vohradskys Alter kennen die altehrwürdige britische Elite-Universität als Drehort der „Harry Potter"-Filme. Die wenigsten haben die Chance, dort zu studieren, wo einst das Astronomie-Genie Stephen Hawking gelernt hat. Die Wattenerin hat das Glück — und die Begabung dazu.

Im Herbst wird die 17-Jährige für vier Jahre nach England ziehen, um auf den Spuren des Film-Zauberlehrlings zu wandeln. Besen und Zauberstab braucht sie dafür nicht, aber Quidditch, den Potter'schen Besensport, will sie sich auf dem weitläufigen Campus schon ansehen. Wenn man die Maturantin dabei beobachtet, wie sie einen ihrer zahlreichen Zauberwürfel mit flinken Fingern löst, dann ist das für ungeschulte Augen pure Magie. Für Vohradsky ist das Mathematik.

Dieses Fach wird sie in Oxford belegen. Sie ist sich sicher, dass sie von den Mathematik-Kapazundern, die dort dozieren, „cooleres Zeug als Schulmathe" lernen wird. Was für sie so viel heißt, dass keine Rechenwege mehr vorgegeben werden und sie selbst über der Lösung von mathematischen Rätseln brüten wird. Hauptsache, das Ergebnis stimmt.

„Ich freue mich, dass ich dort unter Leuten bin, die die gleichen Interessen haben wie ich. Die wissen, was ein Shape Shifting Cube ist", sagt Vohradsky und spricht dabei mindestens genauso schnell, wie ihre Finger an den Würfeln drehen. Die Rede ist von einer Form ihrer geliebten Zauberwürfel. Mathe ist für Vohradsky spannend und es macht ihr Spaß.

Doch die wenigsten in ihrem Alter können mitreden oder interessieren sich für Kombinatorik und Zahlentheorie. Deshalb freuen sich ihre Freunde und die Familie mit ihr. „Sie sagen: ,Wir wissen, dass das genau das Richtige für dich ist und wir sind gespannt, wie es dir geht.'" Heimweh ist also nicht zu befürchten, dazu sei sie auch nicht der Typ und Zeit für trübsinnige Gedanken wird sie wohl kaum finden. Studieren und die Freizeit genießen ist das Credo an der Uni. Während der vier Studienjahre ist ihr sogar ein Nebenjob untersagt, wohnen muss sie zumindest im ersten Jahr in einem spartanischen Zimmer am Campus. Das ist teuer.

Über 100.000 Euro sind für das Studium, das mit dem Master abschließt, zu bezahlen. Während sich die Schülerin auf die Matura und die Aufnahmeprüfungen konzentrierte, gingen die Eltern auf die Suche, um für die Tochter finanzielle Unterstützung aufzutreiben. Das Echo sei auf eine Formel zu bringen: MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften + Technik) + Mädchen = super, nur nicht bei uns. Einzig die Industriellenvereinigung hat bisher mit einer Finanzspritze geholfen.

Die Universität in Oxford ist für die Einser-Schülerin, die in fünf Mathe-bezogenen Fächern am Gymnasium am Adolf-Pichler-Platz in Innsbruck maturiert hat, das unverhoffte Ziel einer langen Reise.

Bereits als sie ein kleines Kind war, ist den Eltern aufgefallen, dass die Tochter Puzzles nicht nach Farben sortierte, sondern nach ihren Formen zusammenfügte. Im Gymnasium ließ sie dann keinen Freitagnachmittag aus, an dem die Vorbereitungskurse für die Mathe-Olympiade waren, an der sie dank der tatkräftigen Unterstützung ihrer Lehrer landesweit, national und international mehrfach teilgenommen hat. Im Sommer 2017 kam dann die glückliche Fügung. Als einzige deutschsprachige Bewerberin wurde Vohradsky beim PROMYS Europe Camp in Oxford angenommen — eine Art Ferienlager für Nachwuchsmathematiker. Dort ermutigte man sie, sich an der Universität einzuschreiben. Einfach so geht das nicht.

Die 17-Jährige musste durch einen langwierigen Bewerbungsprozess, inklusive Motivationsschreiben, fünfstündigem Mathe-Test, Sprachprüfung und persönlichen Interviews auf Englisch. Schließlich war sie eine von rund 200 unter den 2281 Bewerbern, die angenommen wurden. Ihrem Traum, eine Mathematikerin auf den Spuren von Maryam Mirzakhani, Preisträgerin der Fields-Medaille („Mathe-Nobelpreis"), zu werden, steht nun nichts mehr im Weg.

Förderungen für Studenten

Es ist nicht einfach, sich im Dschungel der Förderungen zurechtzufinden. Die AK Tirol gibt einen Überblick: Vom Bund über die Länder und die Arbeiterkammer bis hin zu einzelnen Stiftungen können Studierende, die ihr Studium teilweise oder zur Gänze im Ausland absolvieren möchten, Unterstützung bekommen. Zu beachten ist, dass jeweils unterschiedliche Bedingungen gelten.

Eine wichtige Anlaufstelle ist die Studienbeihilfebehörde des Bundes. Hier gibt es die Möglichkeit, das so genannte Mobilitätsstipendium zu beantragen (www.stipendium.at).

Wird dieses abgelehnt, sollte man an die Tür der Landesgedächtnisstiftung klopfen, wenn man mindestens seit einem Jahr mit einem Elternteil in Tirol gemeldet ist. Bedingung ist, dass das Studium an einer anerkannten Ausbildungsstätte absolviert wird, auch die Bedürftigkeit wird geprüft. Allerdings schlägt die Landesgedächtnisstiftung auch jenen Studenten nicht die Tür vor der Nase zu, die die Chance haben, an einer — mitunter sehr teuren — Elite-Uni zu studieren, wie Ansprechpartner Peter Koller betont. Die Fördergelder reichen von einmalig 300 bis 3000 Euro pro Studienjahr. Dafür muss dann ein Studienerfolgsnachweis erbracht werden.

Es lohnt sich auch, die AK-Bildungsbeihilfe für Studierende zu beantragen. Mitglieder, deren Kinder im Inland oder Ausland (EWR-Raum und Schweiz) studieren, können von der AK Tirol eine Förderung von bis zu 690 bzw. 850 Euro pro Studienjahr erhalten, es gelten Einkommensgrenzen.

Die Experten der AK Tirol raten dazu, im Zweifelsfall immer einen Antrag zu stellen, sich früh genug über Einreichfristen zu erkundigen und einen Blick auf Österreichs größte Online-Datenbank für Stipendien für Studierende zu werfen: www.grants.at. (thm)