Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 03.08.2018


Tourentipp

Ins Reich der Geierwally

Der Anna-Stainer-Knittel-Gedenkweg in den Lechtaler Alpen bietet vieles: Die Geschichte der Geierwally und einmalige Natur. Die Klimaerwärmung ist aber auch ein Thema.

© RappDie Wanderung führt in rund 2000 Metern Höhe über schöne Wiesenhänge und Wälder.



Von Irene Rapp

Bach – Von der Geierwally hat man schon gehört, ihren richtigen Namen kennt man weniger: Anna Stainer-Knittel – Ur-Großmutter des ehemaligen Alpenzoo- bzw. Schönbrunn-Direktors Helmut Pechlaner – wurde 1841 in Elbigenalp geboren, besuchte eine Kunstakademie in München und gründete eine Zeichenschule für Frauen in Innsbruck. Zur größeren Bekanntheit schaffte es die Malerin jedoch, weil sie mit 17 Jahren an einem Seil hängend einen Adlerhorst in einer Felswand räumte. In „Geierwally“ von Wilhelmine von Hillern wurde diese Geschichte in einen Heimatroman eingebunden.

Den Anna-Stainer-Knittel-Gedenkweg haben wir beim Aufstieg zur Saxenalm begonnen.
- Rapp

Heute erinnert u.a. der Anna-Stainer-Knittel-Gedenkweg in den Lechtaler Alpen an die mutige Frau. Wir haben am Dienstag einen Teil der neun Stationen umfassenden Runde gemacht – Ausgangspunkt ist Bach im Lechtal. Eine Rundwanderung zu Plätzen, wo sich schon Anna Stainer-Knittel gerne aufgehalten hat und die mit vielen Eindrücken aufwarten kann.

So kommt man hin: Vom Dorfzentrum in Bach aus führt der Gedenkweg in das Madautal hinein, allerdings besteht Fahrverbot. Wir sind daher mit dem Taxi bis zu unserem Ausgangspunkt – dem Aufstiegsweg zur Saxenalm (Station 8 des Gedenkweges/Seelealm) – gefahren. Man könnte bis hierher auch mit dem Mountainbike radeln (offizielle MB-Route), müsste dann am Ende der Rundwanderung aber wieder ein Stück zurückgehen, um zum Fahrrad zu gelangen.

Gleich bei der Abzweigung geht es ziemlich steil den Wald hinauf. Doch keine Sorge, hat man diese erste Steilstufe überwunden, ist das Ärgste schon geschafft. Die Ausblicke sind traumhaft, immer wieder zeigen sich steinerne Pyramiden, direkt links vor einem erhebt sich die beeindruckende Saxerräuhe empor.

Wenn der Wald weniger wird, eröffnet sich auf einmal ein Graben, der es in sich hat. Bei starken Unwettern kam es hier zuletzt im Vorjahr bzw. 2016 zu gewaltigen Vermurungen, wie Franz Kappeller aus Bach erzählt. „An das Datum im Vorjahr kann ich mich noch gut erinnern, es war der 18. Juli 2017“, erzählt er. Kappeller war mit seiner Frau Hirte auf der Saxenalm und besagter Graben der einzige Weg, um das Vieh hinauf- bzw. hinunter zu bringen. Mit großem finanziellen Aufwand musste daher der Graben nach den Unwettern geräumt werden, weswegen sich die Almbesitzer entschlossen, diese vorerst nicht mehr zu bestoßen. „Eine Entscheidung zwischen Bedauern und Erleichterung, aber wir können von Glück reden, dass nie etwas passiert ist. Wir sind Opfer des Klimawandels geworden, denn wir haben dort oben Gewitter erlebt, die an Monsunregen erinnern“, meint Kappeller.

Die Saxenalm ist derzeit allerdings geschlossen.
- Rapp

Zur Alm kommt man vorerst aber noch nicht, zunächst geht es über den Graben auf eine rechterhand liegende kleine Felswand. Hier zieht sich ein Weglein hinauf, führt dann wieder durch Wald sowie baumloses Gelände und führt zu einer schönen lichten Ebene zum Wetterhäusl – Station 7 des Anna-Stainer-Knittel-Gedenkweges (Infos unter lechtalspuren.at). An den Stationen sind immer schön gestaltete Informationstafeln vorzufinden, die vom Leben der Lechtalerin bzw. dem Leben früher erzählen. Gemütlich ansteigend auf schönen Wiesenhängen geht es weiter zur Saxenalm unterhalb der Saxerspitze (2690 m), die man nach rund 1,5 Stunden erreicht – und dass hier kein Vieh mehr grast, „irritiert mich immer noch“, sagt Kappeller.

Ohne Rinder könnte jetzt langsam alles zuwachsen, mitunter muss man daher genau schauen: Der Weg ist zwar regelmäßig markiert, allerdings im hohen Gras oft gar nicht so leicht zu entdecken. Beeindruckend jedenfalls die vielen Bergketten, von denen man umgeben ist und die Bergspitzen in so beeindruckenden Formen, dass man nur noch Foto um Foto macht.

Ein Graben ist noch mit Altschneeresten gefüllt.
- Rapp

Weiter geht es in südwestlicher Richtung auf Alm- bzw. Waldsteigen, immer in leichtem Auf und Ab auf rund 2000 Metern Höhe und immer wieder sind dabei Gräben – mal mit, mal ohne Wasser und einmal noch mit Altschneeresten – zu queren. Einblicke, wie die Viehhirten hier früher lebten, zeigt die Schaferhütte (Station 5). In das Holzhäuschen kann man hinein, es gibt einen winzigen Ofen, eine Bettstatt mit Heu-Matratze und einen Tisch mit Buch zum Verewigen.

Gleich nach der Schaferhütte (1932 m) geht es steil in vielen Serpentinen durch Wald hinab. Man landet nach rund 15 Minuten auf einem Forstweg und hält sich links. Bald gelangt man zum Wendepunkt der Rundwanderung, man befindet sich im Alperschontal mit weiteren Stationen und wandert auf dem Forstweg nun talauswärts. Das Tal ist wildromantisch, zu Beginn beeindruckt rechts ein Wasserfall, linkerhand rauscht der Alperschonbach hinaus. Nach den Eckhöfen mündet der Weg dann in die Straße, die man von der Herfahrt kennt.

Apropos Herfahrt: Das Madautal ist wildromantisch und es gibt immer wieder Plätze, wo Flurnamen angeschrieben sind – u.a. findet sich das Schild „Schiacher Herrgott“. Wenn man in die Straße eingemündet ist, muss man dann zurück zu den Fahrrädern oder fährt von hier mit dem Taxi retour. Man kann allerdings auch zu Fuß hinauswandern. Und wie gesagt: Das rentiert sich schon wegen der Flurnamen und des imposanten Madaubaches.

Tourentipp Online

Den Track für die Tour finden Sie unter: https://go.tt.com/2M1RK2q

Den Anna-Stainer-Knittel-Gedenkweg haben wir beim Aufstieg zur Saxenalm begonnen (2), die Saxenalm ist derzeit allerdings geschlossen (3). Die Wanderung führt in rund 2000 Metern Höhe über schöne Wiesenhänge und Wälder (1), ein Graben ist noch mit Altschneeresten gefüllt (4).Fotos: Rapp
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