Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


Bezirk Imst

,,Jugend in Aktion“: Der Funke der Begeisterung

Jugendliche aus Cornwall und Tirol lassen die Funken fliegen, wenn sie Vögel aus Metallschrott zu einem Gesamtkunstwerk verschweißen. In der AK-Ferienaktion gelingen Sprach- und Kulturtransfer spontan.

© Parth Johannes Schett und Max aus Wörgl (r.) im Funkenregen.



Von Thomas Parth

Imst, Tarrenz – Die Tiroler Arbeiterkammer betreut im Zuge ihrer Ferien­aktion 1500 Kinder zwischen sieben und 17 Jahren aus ganz Tirol. In der Werkstätte der Landwirtschaftlichen Lehranstalt in Imst traf die TT auf 24 Jugendliche, zwölf aus Tirol und zwölf aus Cornwall/Großbritannien, beim Sommercamp „Jugend in Aktion“.

„Die AK hat einen Projektantrag eingereicht. Bei dem Erasmus-Plus-Projekt bringt die EU Jugendliche über die Grenzen hinweg zusammen und sorgt für eine Co-Finanzierung von circa 50 Prozent bei einem geringen Selbstbehalt für die teilnehmenden Kinder bzw. deren Familien“, informiert die Organisatorin Birgit Haslinger von der AK: „In Imst kreieren die Kinder eine Baumskulptur aus Metall. Die Tiroler Kinder im Alter zwischen 14 und 17 Jahren werden gemeinsam mit den gleichaltrigen britischen Kindern in Tarrenz untergebracht. Sie werden künstlerisch beschäftigt und sind dabei ständig betreut. Englisch lernen sie quasi nebenbei. Sie wollen sich den englischen Freunden mitteilen und tun dies für sich und nicht für eine Schulnote. Das nonformal­e Lernen wird so stark gefördert.“

Unter Anleitung des als „Rostbaron“ bekannten Telfer Künstlers Bernhard Witsch wird geschweißt, gefeilt und geflext, was das Zeug hält. „Ich habe den Jugendlichen eine große Kiste voll mit Metallschrott hingestellt. Alle waren begeistert und sprühten vor Ideen“, lacht der Metallkünstler: „Ziel ist es, dass die Kinder in Zweierteams einen Metallvogel zusammenschweißen. Für die Vögel mache ich einen Baum, auf dem sie sitzen können. Diese Skulptur stellen wir dann auf dem Sparkasseplatz aus.“

Sol aus Cornwall und Luna aus St. Johann mit ihrem Kunstwerk.
- Parth
Einer der Vögel die bald auf einer Metallskulptur sitzen werden.
- Parth

Die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen, wie der Lokalaugenschein beweist. Etliche Vögel sind wie der sprichwörtliche Phönix zwar nicht aus ihrer Asche, aber aus der Schrottkiste des Bernhard Witsch entstiegen. „Die Kinder haben sich als recht geschickt erwiesen und die Vögel schneller als gedacht fertig gestellt. Jetzt bleibt noch Zeit, um sich ein kleines Andenken zusammenzuschweißen“, lobt Witsch.

Im Frühjahr werden die Programme für die AK-Ferien­aktion finalisiert. „Im Februar läuft die Einreichfrist für die AK-Mitglieder ab, um sich für die jeweiligen Ferien­lager zu bewerben. Bei der Auswahl legen wir auf soziale Kriterien Wert und unterstützen so die Eltern, weil die Kinderbetreuung über den Sommer nicht billig ist“, ruft Birgit Haslinger in Erinnerung. Es gebe zwar viele verschiedene Angebote von etlichen Institutionen, doch würden diese „rasch ins Geld gehen, vor allem bei Familien mit mehreren Kindern“, gibt Birgit Haslinger zu bedenken.

Es gelte oft neun Ferien­wochen zu überbrücken, wobei den Arbeitnehmern in der Regel fünf Wochen Urlaub zustehen. „Da wird die Sommerbetreuung schnell zum Akrobatenakt“, schließt Haslinger.

Rostbaron Bernhard Witsch mit AK-Organisatorin Birgit Haslinger.
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