Letztes Update am So, 12.08.2018 21:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Perseiden-Spektakel

Eine Stunde, 100 Wünsche: Es regnet Sternschnuppen über Tirol

August ist Sternschnuppenzeit: Heute Abend und in der Nacht sind so viele Sternschnuppen zu sehen wie sonst nie im Jahr. Grund ist der alljährliche Meteorstrom der Perseiden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

© APA/EPA/REINHARDTMeteore, im Volksmund Sternschnuppen genannt, sind keine vom Himmel fallenden Sterne. Vielmehr sind es Leuchtspuren, die durch kleine Partikel von Sandkorngröße verursacht werden und mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eindringen.



Von Tamara Stocker

Innsbruck — Die Eindrücke des Jahrhundertspektakels mit Blutmond und leuchtendem Mars sind noch frisch, da steht bereits der nächste astronomische Höhepunkt auf der Tages-, Pardon, Nachtordnung: Heute Abend und in der Nacht sind so viele Sternschnuppen zu sehen wie sonst nie im Jahr. Grund ist der alljährliche Meteorstrom der Perseiden.

Unterwegs sind die Perseiden schon seit Mitte Juli, sein Maximum erreicht der Sternschnuppenstrom in der Nacht zum Montag. Bis zu 100 Meteore flitzen dann pro Stunde über den Nachthimmel. Größere ziehen dabei sogar einen farbigen Schweif hinter sich her. Die Sicht dürfte gut sein: Zum einen spielt das Wetter großteils mit, zum anderen überstrahlt heuer kaum Mondlicht die Sternschnuppen, weil noch fast Neumond ist.

Fotoaufruf

  • Schicken Sie uns ihre Sternschnuppen-Schnappschüsse per E-Mail im Querformat an forum@tt.com. Die schönsten sammeln wir in einer Bildergalerie.
  • Tipps: Wie die Fotos am besten gelingen, lesen Sie weiter unten im Artikel.

Raus aus der Stadt, rein ins Vergnügen

Aber apropos störendes Licht: Um möglichst viele Perseiden sehen zu können, lohnt sich ein Abstecher aufs Land oder auf die Berge. „Durch den Lichtsmog sind die Beobachtungsmöglichkeiten in den Ballungszentren eingeschränkt und nur rund fünf bis zehn Sternschnuppen sind zu erblicken", sagt Manfred Spatzierer von Ubimet. Dunkle Plätze sind also von Vorteil — Straßenlaternen, vorbeifahrende Autos und beleuchtete Gebäude sind ein Störfaktor.

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Zur Beobachtung selbst braucht es keine besondere Ausrüstung. Optische Hilfsmittel wie Ferngläser oder gar Fernrohre sind nicht von Nöten — am besten geht es mit dem freien Auge, raten Astronomen. Wichtig sei ein freier Blick auf den ganzen Himmel, am bequemsten sei die Beobachtung im Liegen. Also lieber zur Decke, Isomatte oder zum Liegestuhl greifen und auf Wiesen und Felder außerhalb der Stadt ausrücken.

Wer den Meteorstrom allerdings fotografieren möchte, muss zu einem etwas hochwertigerem Gerät als einem gängigen Smartphone greifen. Die Kamera sollte mit einem Weitwinkelmotiv auf einem relativ schweren Stativ montiert werden. Die Blende sollte weit geöffnet sein, empfohlen wird eine Blendenzahl von f/2,8 oder f/1,8. Zudem ist eine Langzeitbelichtung von mindestens 15 Sekunden bis zu 40 Sekunden bei hohen Empfindlichkeiten von 800 bis 1600 ISO notwendig, um genug Licht einzufangen. Der Selbstauslöser hilft, das Bild nicht beim Abdrücken zu verwackeln.

Von der Entstehung bis zur Namensgebung

Das Maximum wird zwischen 22 Uhr am Sonntag und 10 Uhr am Montag erreicht. Am meisten zu sehen bekommen Beobachter voraussichtlich gegen Ende der Nacht zwischen 3 und 5 Uhr, hieß es seitens der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA). Dann werden bis zu hundert Meteore pro Stunde aufflammen.

Vorausgesetzt die Sicht gen Himmel wird in der heißen Phase des Meteorstroms nicht durch Gewitterrestwolken verunmöglicht, sollte dem astronomischen Erlebnis nichts im Wege stehen. Die Mondphasen spielen Interessenten nämlich in die Karten: Da Neumond heuer auf den 11. August fällt.

Mehr zum Thema

  • Wie entstehen die Sternschnuppen der Perseiden?
    Auf ihrer Bahn kreuzt die Erde jedes Jahr zwischen Mitte Juli und Ende August eine Wolke winziger Teilchen, die der Komet 109P/Swift-Tuttle auf seiner Reise um die Sonne zurücklässt. Er ist vor 150 Jahren entdeckt worden und braucht für einen Umlauf um die Sonne rund 133 Jahre. Zuletzt war er 1992 zu sehen, das nächste Mal ist er erst wieder 2126 sichtbar.
    Der Sternschnuppenstrom der Perseiden entsteht, wenn die Erde die Staubspur kreuzt, die der Komet im All hinterlassen hat. Die Partikel dringen mit fast 60 Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosphäre ein — also mit nahezu 216.000 Kilometern pro Stunde. Dabei presst der Partikelsturm die Luft so stark zusammen, dass sie sich auf mehr als 3000 Grad erhitzt — und glüht. Das Ergebnis: Eine mehr oder weniger helle Leuchtspur zieht über den Nachthimmel. Mit ihrer Geschwindigkeit gehören die Perseiden zu den schnellsten Sternschnuppen.
  • Wieso heißt der Meteorstrom "Perseiden"?
    Die Leuchtspuren scheinen beim Blick gen Nordosten alle einen gemeinsamen Ursprungsort am Firmament zu haben: das Sternbild Perseus — daher ihr Name. Es sieht in etwa aus wie ein auf dem Kopf stehendes Y. In diesem Sternbild liegt der scheinbare Ausgangspunkt der Meteore, der sogenannte Radiant. Einen solchen Ausgangspunkt hat jeder Sternschnuppenstrom. In Wahrheit kommen die Sternschnuppen aber aus unmittelbarer Erdumgebung. Der Meteorstrom wird auch "Tränen des Laurentius" genannt, weil sein Erscheinen mit dem Namenstag des Märtyrers Laurentius am 10. August zusammenfällt und als Tränen des Himmels über dessen Martyrium gedeutet wurden.



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