Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.08.2018


Tourentipp

Vom Hochschober nach Monte Carlo

Diese Woche kehrten wir nach der Überschreitung des 3240 Meter hohen Hochschobers bei Hüttenwirt Harry Lucca auf der urigen Hochschoberhütte ein. Luxus kennt der Oberösterreicher aus seinem Zweitberuf.

© flexWer über den Ost-Grat hinauf auf den Hochschober geht, kommt am tiefblauen Gratlsee vorbei.



Ainet – Wirklich interessant, wie konträr manchmal das Leben sein kann. So auch jenes von Harry Lucca, dem Hüttenwirt der Hochschoberhütte in Osttirol. Jahr für Jahr – seit 13 Jahren – zieht es den gebürtigen Oberösterreicher als Hüttenwirt in die Tiroler Bergwelt.

Von Mitte Juni bis etwa Mitte September sorgt der gelernte Koch für das Wohl seiner Gäste. Frisch zu kochen, auf 2322 Metern Seehöhe, ohne Materialseilbahn und ohne Zufahrtsstraße, ist nicht immer ein leichtes Unterfangen. „Zu Beginn der Saison wird zwar mittels Hubschrauber das Nötigste hinauf zur Hütte geflogen. Wenn ich allerdings frischen Nachschub brauche, marschiere ich ins Tal und trage es zur Hütte“, erklärt uns Harry, der nicht selten bis zu 40 Kilogramm pro Marsch hinaufschleppen muss.

Die Hochschoberhütte – direkt hinter der Hütte hüllt sie sich im Nebel der Gipfel des Hochschobers.
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Wenn allerdings im Herbst die Saison für Harry am Fuße des Hochschobers zu Ende ist, dann taucht er in eine total andere Welt ein: in eine voller Glitz und Glamour, kombiniert mit heulenden Motoren. Harry Lucca und seine Frau leben nämlich in Monte Carlo, im Fürstentum Monaco, an der Côte d’Azur. Die beiden sind unter anderem als Eventmanager während des Formel-1-Rennens tätig und organisieren auf einer eigens gecharterten Riesen-Luxusyacht in bester Lage und mit direktem Blickkontakt auf die Rennstrecke VIP-Partys für Stars und Promis aus aller Welt.

Wir sind diese Woche auf der Hochschoberhütte und bei Harry eingekehrt, nachdem wir die Überschreitung des Hochschobers (3240 m), den vierthöchsten Gipfel der Schobergruppe, erfolgreich hinter uns gebracht haben.

Und so erfolgt die Runde: Hinauf auf 3240 Meter führt die Tour über den Ostgrat, hinunter bringt uns der Westgrat. Ausgangspunkt ist die Leibnitztalbrücke.

Von Ainet (Iseltal) fahren wir mit dem Auto die steile Bergstraße hinauf in Richtung Gwabl/Alkus/Oberleibnig und folgen dann immer den Schildern „Hochschoberhütte“. Bis zum letzten Bauernhof noch auf Asphalt, geht’s zum Schluss bis zum Parkplatz bei der Leibnitztalbrücke (1656 m) auf Schotter weiter. Mit einem tiefer gelegten Wagen könnte der Schotterabschnitt ob der Wasserauskehren etwas problematisch werden.

Bei der Hochschober-Überschreitung müssen immer wieder größere Felsblöcke überklettert werden.
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Der kostenlose Parkplatz bei der Leibnitztalbrücke (vor dem Schranken) bietet Platz für etwa 20 Autos. Von hier aus folgen wir dem „Eduard-Jordan-Weg“ (es gibt auch eine Fahrstraße) entlang des rauschenden Leibnitzbaches bis zur Leibnitzalm und von dort hinauf zur Hochschoberhütte.

Diese ersten rund 660 Höhenmeter führen über einfaches Wander- bzw. Gehgelände und man erreicht die Hochschoberhütte gemütlich nach 2 bis 2,5 Stunden Gehzeit. Teil eins der Tour, der einfachste Abschnitt, ist geschafft. Der Hochschober, unser Ziel steht bereits direkt vor uns.

Nun hat man die Qual der Wahl. Wer den Hochschober überschreiten will, der kann dies auf zwei Wegen tun. Entweder man steigt über den Ostgrat auf und den Westgrat ab oder eben umgekehrt.

Wir entscheiden uns für Variante eins – für den Aufstieg über den Ostgrat. Deshalb folgen wir dem Wegweiser, der in Richtung „Lienzer Hütte“ zeigt und nicht der gelben Tafel „Hochschober“. Wer diesem Schild nach links folgt, kommt zwar auch auf den Hochschober, aber eben über den Westgrat und die Staniskarscharte. Über die wir später absteigen. Wir gehen geradeaus weiter. Anfangs flach, wird der Weg hinauf zum Leibnitztörl bald steiniger und steiler. Eine erste kleine, stufenversicherte Passage ist kein großes Problem.

Wir erreichen das Leibnitztörl und dort oben liegt eingebettet der tiefblaue Gartlsee (2571 m). Ein herrlicher Anblick, speziell wenn sich einige Bergzacken darin widerspiegeln. Unser Anstieg führt nun, etwas mühsam und kurzzeitig, über große Felsbrocken. Wir halten uns links und queren auf der Rückseite des Hochschobers nach Nordosten bis zum Hinweisschild „Hochschober“. Auf schwarzen Bergwegen und über felsdurchsetztes Gelände geht’s Schritt für Schritt nach oben. Am besten ist, man hält sich an die Markierungen. Übrigens: Die gesamte Rundtour ist extrem gut markiert. Wer sich daran hält, hat definitiv keine Orientierungsprobleme. Auch bei Nebel nicht!

Einige Stellen sind mit Drahtseilen versichert und wir erreichen endlich den Ostgrat des Hochschobers. In leichter Blockkletterei, bei der man trittsicher und schwindelfrei sein muss, folgen wir dem Ostrücken und in einfacher „Kraxlerei“ zum Gipfelkreuz.

Leider bleibt uns die Aussicht verwehrt, denn Nebel ist aufgezogen. Nicht selten auf einem Dreitausender. So gerne hätten wir den Großglockner zu Gesicht bekommen, der quasi nur einen Steinwurf vom Hochschober entfernt liegt.

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Den Track für die Tour finden Sie hier.

Es soll nicht sein. Schade. Wir steigen wieder ab. Über den Westgrat. Vorsicht ist auch hier geboten. Auch wenn dieser Weg als leichter als der Ostgrat gilt, wer nicht trittsicher ist, hat selbst auf dem Westgrat (auch teilweise seilversichert) nichts verloren. Vorsichtig steigen wir bis zur Staniskarscharte und von dort, vorbei an der Schoberlacke, bis zur Hochschoberhütte ab. Dort kehren wir bei Harry auf ein etwas verspätetes, aber wohlverdientes Mittagessen ein. „Pfiati Harry, bis zum nächsten Mal“, wir verabschieden uns heute von der Hochschoberhütte und marschieren gestärkt von Gulaschsuppe und selbst gebackenem Brot zurück zum Parkplatz bei der Leibnitztalbrücke.

Fazit: Die Hochschober-Überschreitung führt durch hochalpines Gelände, ist nicht für Bergneulinge geeignet und erfordert als Tagestour (ca. 1600 Höhenmeter, 8 bis 9 Std. Gesamt-Gehzeit) eine Packung an Kondition. Bis zur Hochschoberhütte und zu Harry’s-Schmankerln ist die Tour als Familienwanderung durchaus weiterzuempfehlen. (flex)

Die Hochschoberhütte – direkt hinter der Hütte hüllt sich der Gipfel des Hochschobers in Nebelschwaden (1). Bei der Hochschober-Überschreitung müssen immer wieder größere Felsblöcke überklettert werden (2). Wer über den Ostgrat hinauf auf den Hochschober geht, kommt am tiefblauen Gratlsee vorbei.Fotos: flex
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